Revierparks

Interview: „Kleine Parks können heute nicht bestehen“

Über den Sport habe er als Kind die Revierparks kennen gelernt, sagt der Ruder-Weltmeister von 1991: Heute ist Jürgen Hecht Chef der Freizeitgesellschaft Metropole Ruhr mit 280 Mitarbeitern und einem Budget von 17 Millionen Euro.

Foto: Lars Heidrich

Über den Sport habe er als Kind die Revierparks kennen gelernt, sagt der Ruder-Weltmeister von 1991: Heute ist Jürgen Hecht Chef der Freizeitgesellschaft Metropole Ruhr mit 280 Mitarbeitern und einem Budget von 17 Millionen Euro. Foto: Lars Heidrich

Essen.  Jürgen Hecht im Interview. Er ist Chef der neuen Dachgesellschaft von vier Revierparks und muss Angebote ausbauen, aber trotzdem Geld sparen.

Schon in jungen Jahren hat sich Jürgen Hecht in schwierigen Gewässern bewiesen: 1991 wurde er mit dem Deutschland-Achter Ruder-Weltmeister. Seit November führt der 48-Jährige die Freizeitgesellschaft Metropole Ruhr als neues „Dach“ der Revierparks Vonderort (Oberhausen/Bottrop), Nienhausen (Gelsenkirchen/Essen), Mattlerbusch (Duisburg) und des Freizeitzentrums Kemnade (Bochum/Witten). Mit Stephanie Weltmann sprach Hecht über die Aufgabe.

Herr Hecht, Sie müssen vier Revierparks auf Vordermann bringen, die einen Sanierungsstau in Millionenhöhe vor sich herschieben. Wieso machen Sie das?

Jürgen Hecht: Die Millionen und die notwendigen Sanierungen schocken mich nicht. Reden wir darüber, was schön an dieser Aufgabe ist: die gesellschaftlichen Auswirkungen. Wir haben mit den Revierparks richtige Oasen in den Städten und total motivierte Mitarbeiter mit guten Ideen. Dennoch sind die strukturellen Herausforderungen erheblich. Derzeit macht jeder Park sein Ding, beim Einkauf, beim Personal, bei der Technik. Das vereinheitlichen wir, weil es auch Geld spart. Das Gleiche gilt fürs Marketing.

Werden die Parks gleichgemacht?

Jürgen Hecht: Wir vereinheitlichen Prozesse, aber jeder Park soll seine Alleinstellungsmerkmale behalten. Es ist doch Augenwischerei zu glauben, dass ein einzelner kleiner Park, so hübsch er auch ist, bestehen kann, wenn rundherum neue spannende Freizeitangebote entstehen oder entstanden sind. Das ist nicht mehr 1970, als die Parks gegründet worden sind. Meine berufliche Erfahrung sagt: Size does matter, über die Größe kann man Vorteile erreichen. Die Politik hat die Parks gerettet, indem sie die neue Gesellschaft gegründet hat.

Der RVR hat im Konzept „Revierpark 2020“ eine Zukunft der Parks rund um Umweltpädagogik, Zirkus oder Sportflächen aufgeschrieben. Wie sehr orientieren Sie sich daran?

Jürgen Hecht: Mein Job ist nicht, das Konzept eins-zu-eins umzusetzen. Hier ist der RVR der Partner der Parks und Verfasser des Konzepts. Mein Job ist es, einen roten Faden für die Parks zu finden. Ich will Emotionen und Erlebnisse haben. Den Leuten sollen Spaß, Spiel und Sport geboten werden, auch Ruhe, Rast und Reflexion – das, was sie suchen, um vom stressigen Alltag abschalten zu können. Hinzu kommt das Naturerlebnis.

Das größte Problem der Parks ist aber ihre Unterfinanzierung.

Jürgen Hecht: Darum geht es ja in der neuen Freizeitgesellschaft. Wir brauchen refinanzierbare Angebote, Flächen und Immobilien müssen so genutzt werden, dass viele Angebote bezahlbar bleiben, andere gleichzeitig Erträge bringen. Wir setzen in den Parks im Moment zu einseitig auf Bad und Sauna, da muss zusätzliches anderes her, mit dem Geld verdient werden kann. Und bei kleineren Flächen, die nicht genutzt werden, muss man auch mal überlegen, ob man sie nicht loswird.

Müssen Bürger auf Angebote verzichten?

Jürgen Hecht: Wir wollen nicht abbauen, sondern Angebote ausbauen. Sicher nicht räumlich, aber man muss den Platz, den wir haben, mit mehr Inhalt füllen. Statt fünf Spielplätze im Park zu verteilen, wäre zum Beispiel ein großer mit sauberem WC und schöner Kaffeebude ansprechender.

Wie wollen Sie auf die 500 000 Euro im Jahr kommen, die die Fusion der vier Parks einsparen soll?

Jürgen Hecht: Wir werden und können nicht an der Personalschraube drehen, wenn Sie das meinen. Sicher wird es in der Verwaltung Raum geben, auch Techniker können an mehreren Standorten eingesetzt werden, aber Personalabbau ist nicht der erste Ansatz. Allein beim Einkauf werden sich sicher rund 100 000 Euro einsparen lassen.

Wann gibt’s erste Veränderungen?

Jürgen Hecht: Wir werden Anfang 2018 richtig saubermachen. Fassaden reinigen, Moos entfernen, Büsche beschneiden, Lampen putzen. Gerade in der dunkeln Jahreszeit ist so etwas fürs Sicherheitsgefühl enorm wichtig.

Wischlingen in Dortmund und der Gysenbergpark in Herne gehören nicht zur neuen Gesellschaft. Wie wollen Sie sie überzeugen?

Jürgen Hecht: Wir führen Gespräche, aber der Beitritt neuer Parks ist der zweite Schritt. Zunächst geht es um die, die jetzt zur Gesellschaft gehören.

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