Prozess

Landsmann vor dem Afroshop erstochen - Angeklagter schweigt

Verbirgt sich hinter Mundschutz und Kapuze: Amadou S. mit seinen Verteidigern Klaus Bernsmann (l.) und Volker Schröder. Der Mann im Hintergrund ist der Dolmetscher.

Verbirgt sich hinter Mundschutz und Kapuze: Amadou S. mit seinen Verteidigern Klaus Bernsmann (l.) und Volker Schröder. Der Mann im Hintergrund ist der Dolmetscher.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Essen  Vor einem Afroshop im Essener Ostviertel ist ein 31-Jähriger erstochen worden. Ein Mann aus Guinea muss sich jetzt wegen Totschlags verantworten.

Die Anklage klingt, als beschreibe sie eine Attacke aus heiterem Himmel. Vor einem Afroshop an der Markgrafenstraße im Essener Ostviertel soll am 16. Dezember 2019 ein 28 Jahre alter Mann aus Guinea ohne Vorwarnung zwei Landsleute mit einem Messer angegriffen haben. Einen von ihnen, den 31 Jahre alten Thiero B., soll er dadurch getötet haben. Seit Freitag muss sich Amadou S. vor dem Essener Schwurgericht wegen Totschlags verantworten.

Das Motiv ist unklar, auch das Beziehungsgeflecht zwischen den Beteiligten wirkt auf den ersten Blick verwirrend. Mal ist von Drogengeschäften als Motiv die Rede, mal vom Streit in einer Diskothek zwei Tage zuvor.

Das Opfer ahnte Ärger

Das spätere Opfer Thiero B. stand mit einem Freund am frühen Abend des 16. Dezember vor einem Afroshop in der Markgrafenstraße. Da kam der Angeklagte Amadou S. auf sie zu. Thiero B. soll sofort Ärger befürchtet haben. Sein Freund soll dagegen beruhigend auf ihn eingesprochen haben: "Da passiert doch nichts."

Kaum hatte er es ausgesprochen, soll Amadou S. unvermittelt zum Angriff angesetzt haben. Offenbar wollte er den Bekannten zur Seite schieben, verletzte diesen dabei mit dem Messer an der Hand. Dann verfolgte er Thiero B., der weggelaufen war. Er holte ihn ein, sagt die Anklage, und stach sechsmal auf den 31-Jährigen ein.

Wochen später an Organversagen gestorben

In einer Notoperation retteten die Ärzte zunächst sein Leben. Er erlitt aber eine Schimmelpilzinfektion und starb laut Anklage am 26. Januar an Organversagen.

Äußern will der Angeklagte sich am ersten Prozesstag nicht. "Er schweigt - vorläufig", sagt sein neuer Verteidiger Klaus Bernsmann. Verteidiger Volker Schröder, der den Angeklagten im Ermittlungsverfahren schon länger vertritt, erläutert das Schweigen. Denn es müsse wohl bei der Staatsanwaltschaft eine Akte geben, in der sein Mandant das Opfer gewesen sei. Diese sei deshalb interessant, weil der im Dezember getötete Mann bei dieser Tat der Täter gewesen sei.

Noch ist die Akte nicht aufgetaucht, so dass das Schwurgericht zunächst ohne Aussage des Angeklagten in die auf mehrere Tage angelegte Beweisaufnahme startet.

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