Prozess

Mordversuch gegen Bestatter - Rentner muss in Psychiatrie

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Im Wahn fühlte er sich verfolgt von einem Bestatter, warf ihm eine Gasflasche ins Büro. Jetzt muss der Gladbecker Rentner in die Psychiatrie.

Er nahm es gleichmütig hin, zeigte wenig Reaktion auf die Entscheidung des Essener Schwurgerichtes. Der Gladbecker Rentner, der am 1. August 2019 mit Gasflasche und brennendem Stofflappen einen Anschlag auf ein Mehrfamilienhaus verübt hatte, muss auf nicht absehbare Zeit in die geschlossene Psychiatrie.

Die Kammer hatte ihn als eingeschränkt schuldfähig eingestuft und wegen versuchten Mordes zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen seiner psychischen Erkrankung und seiner Gefährlichkeit kommt er aber sofort in die Psychiatrie nach Eickelborn.

Wahn nach Streit um Beerdigungskosten

Einen Wahn hatte der 66-Jährige im Laufe der Jahre entwickelt. Richter Martin Hahnemann ging im Urteil auf die Entstehung ein. Die Mutter war gestorben, und seine Schwester habe sich um die Beerdigung kümmern sollen. Eigentlich hätte diese daran gedacht, das Sozialamt werde die Kosten übernehmen, aber das weigerte sich. "Es gab da wohl noch ein Sparbuch", erinnerte Hahnemann.

Deshalb forderte der Bestatter das Geld von der Tochter der Toten. Diese verwies an ihren Bruder, den Angeklagten. Der sah aber seine Zahlungspflicht nicht ein, weigerte sich. Mahnungen kamen, Inkassofirmen wollten Geld von ihm haben.

Vom Bestatter verfolgt

Gleichzeitig entwickelte der Angeklagte sein Wahngebilde, in dessen Mittelpunkt der Bestatter stand. Der Rentner fühlte sich von diesem verfolgt, glaubte, dieser bestrahle sein Haus und erzeuge so Punkte in seinem Auge.

Der Angeklagte warf dem Bestatter sogar vor, dieser habe zweimal versucht ihn umzubringen. Deshalb ging er zur Polizeiwache, zeigte den Bestatter an.Aber den Sachverhalt schilderte er so verwirrend, dass der Polizist sich weigerte, die Anzeige aufzunehmen. Denn wenn er dies aufschreibe, müsse der Rentner bestimmt in die Psychiatrie, hatte der Beamte ihn gewarnt.

Zur Selbstjustiz geschritten

Hilfe von der Polizei gab es also nicht, da schritt der 66-Jährige zur Selbstjustiz. Er ging zu dem Mehrfamilienhaus im Gladbecker Stadtteil Rentfort, wo der Bestatter und ein Versicherungsbüro ihre Büros im Erdgeschoss hatten. Neun Menschen waren im Haus. Mit einem Stein warf er die Scheibe ein, löste das Sperrventil der Gasflasche und warf diese ins Innere. Danach zündete er einen Stofflappen an, warf ihn ebenfalls hinein und ging. Zum Glück erlosch das Feuer am Lappen.

Richter Hahnemann versuchte, dem Angeklagten Mut zu machen. Die psychische Erkrankung sei eigentlich gut zu behandeln. Aber dafür müssten mehrere Maßnahmen greifen. So müsse organisiert werden, dass die Medikamenteneinnahme gesichert sei. In Zukunft könne der Rentner dann aber ins betreute Wohnen entlassen werden.

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