Prozess

Nach fünf Jahren Haft: Neue Anklage wegen häuslicher Gewalt

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Essen. / Gelsenkirchen.  Nach etwas mehr als fünf Jahren Haft wegen Gewalt gegen Frauen muss sich ein 34-Jähriger erneut wegen häuslicher Gewalt verantworten.

Zehn Jahre älter ist er, hat mehr als fünf Jahre im Gefängnis gesessen. Aber das Delikt, für das sich Boris-Ralf M. am Mittwoch vor dem Landgericht Essen verantworten muss, hat sich im Kern nicht geändert: Gewalt gegen Frauen, die sich von ihm trennen wollen. Zehn Anklagepunkte gegen die eigene Ehefrau wirft Staatsanwältin Maria Linten dem 34 Jahre alten Gelsenkirchener vor.

Vor zehn Jahren, als er das letzte Mal vor einer Strafkammer des Essener Landgerichtes stand und wegen zweifacher Vergewaltigung und Körperverletzung zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt wurde, hieß er noch Boris B. aus Marl. Nach seiner Haftentlassung heiratete er im Sommer 2017, nahm den Namen seiner Frau an und zog mit ihr und ihrem drei Jahre alten Sohn in den Gelsenkirchener Stadtteil Hassel. 2018 und 2019 bekam das Paar noch gemeinsame Kinder.

Eifersucht als Grund für Straftaten

Laut Anklage ist vor allem seine völlig übertriebene Eifersucht der Grund für seine Straftaten. Schon einen Monat nach der Hochzeit beginnt die Aufzählung der Nötigungen, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen, die ihm jetzt vorgeworfen werden. Der Ablauf ist immer gleich. Er streitet mit seiner Frau, dann schubst er sie und gibt ihr Ohrfeigen.

Einmal rennt sie aus der Wohnung mit ihrem Sohn, heißt es. Der Angeklagte sei hinterher und habe einen Schlüsselbund auf sie geworfen . Seine Frau verfehlte das Geschoss, es traf aber den Dreijährigen, heißt es weiter. Oder der Fall aus dem Oktober 2017: Seine Eltern haben sich zum Essen angekündigt, seine Frau bereitet deshalb einen Rinderbraten zu. Das soll ihm nicht schnell genug gegangen sein. Er soll mit Stühlen geworfen und sie sich ins Bad gerettet haben. Er hinter ihr her, im Bad soll er sie geschubst haben.

Telefon in den Rücken

Mal drückt er ihr laut Anklage den Kopf gewaltsam aufs Ehebett, mal wirft er ihr ein Telefon in den Rücken. Einmal habe sie aus dem Schlafzimmerfenster flüchten wollen. Er soll sie zurück ins Zimmer gerissen haben. Beim Aufprall auf die Bettkante soll sie sich verletzt haben. Und öfter habe er ihr mit dem Tod gedroht, sie platt zu machen.

Am Mittwoch schweigt der Angeklagte zu den Vorwürfen, sein Anwalt ist erkrankt. Ob seine Ehefrau bei ihrer Aussage bleiben wird oder einen Rückzieher macht? Das ist nicht so entscheidend. Denn die Ermittler haben sie damals richterlich vernehmen lassen, so dass ihre Angaben in den Prozess eingeführt werden können.

Vergewaltigungen nicht nötig?

Im Prozess werden sicherlich auch seine Vorstrafen eine Rolle spielen. Um 2010 hatte er zwei Verfahren laufen. Im Hauptverfahren ging es um zwei Freundinnen in Marl, die ihn verlassen hatten. Er nahm das damals nicht hin, verfolgte sie, verletzte und vergewaltigte sie. Boris B., wie er damals hieß, hatte argumentiert, das habe er doch gar nicht nötig. Richter Martin Hahnemann erinnerte an die Eifersucht und Aggressionen des Angeklagten: "Ich glaube Ihnen, dass Sie keine Probleme haben, Frauen zu finden. Sie haben aber Probleme, sie zu halten."

Die sechs Jahre hatte der BGH aufgehoben, eine andere Kammer hatte die Strafe deshalb auf fünf Jahre und drei Monate reduziert. In der Zwischenzeit war Boris B. auf freien Fuß gekommen, hatte eine neue Freundin gefunden. Aber Ergebnis: 2010 gab es noch einmal ein Jahr und drei Monate Haft.

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