Prozess

Opfer der 21 Messerstiche sagt vor Gericht nur per Video aus

Faruk P., hier neben Verteidiger Markus Waclawek, soll die Zumbalehrerin seiner Frau als Stalker terrorisiert und niedergestochen haben.

Faruk P., hier neben Verteidiger Markus Waclawek, soll die Zumbalehrerin seiner Frau als Stalker terrorisiert und niedergestochen haben.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Essen  Auge in Auge will die 32-jährige nicht mit dem Angeklagten sitzen. So sagt sie am Essener Gericht per Video über den fast tödlichen Angriff aus.

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Sie hätte sterben können. Das ist am Dienstag jedem in Saal 347a des Essener Landgerichtes bewusst, als die 32 Jahre alte Gelsenkirchenerin von der Messerattacke des Angeklagten berichtet. Per Video aus einem anderen Saal wird sie zugeschaltet, weil sie dem 43-Jährigen, angeklagt wegen versuchten Totschlags, nicht Auge in Auge gegenüber sitzen will.

Nichts hatte sie mit ihm zu tun, hatte ihm wohl auch nie irgendeine Hoffnung gemacht. Und doch muss er sie fast zweieinhalb Jahre lang als Stalker terrorisiert haben, bevor er am 22. Juni 2019 21 mal mit dem Messer zustach.

Opfer wollte nichts von ihm wissen

Sie war die Zumbalehrerin seiner Ehefrau in Horst. Offenbar verguckte er sich in sie, stieß aber auf keine Gegenliebe. Als sie ihm das unmissverständlich klar machte, begann er sie zu bedrohen. Zehn Strafanzeigen gegen ihn gab es, auch ein gerichtliches Näherungsverbot für ihn.

Doch das nutzte nichts. Wie ein Besessener ließ er nicht ab von ihr, bedrohte sie und ihren getrennt von ihr lebenden Ehemann, setzte ihre Familie unter Druck. Die 32-Jährige schildert, wie er noch am Tattag ihrem Bruder in der Türkei Drohungen zukommen ließ: "Er sagte, er werde mich umbringen und meinen Leichnam ihm vor die Füße legen." Der Bruder warnte sie, dass der Stalker zu ihr kommen werde.

Kehle durchschneiden angedeutet

Sie verließ das Haus, aber da sah sie ihn schon. Er habe in der Nähe in einem Café gesessen. Als er sie sah, habe er mit einer Geste gezeigt, dass er ihr die Kehle durchschneiden werde.

Sie rief die Polizei an. Die Beamten kamen, warnten ihn. Ohne Erfolg. Nur wenige Minuten später, sie war zu Hause im Treppenhaus, kam er durch die Tür. Sie erinnert sich: "Er stach zu, erst in den Mund, dann in den Hals. Unentwegt. Immer wieder rief er: Du musst sterben."

Irgendwie kam sie auf allen Vieren nach draußen. Der letzte Stich traf sie in den Rücken. Dann flüchtete er mit dem Messer. Passanten alarmierten Polizei und Krankenwagen. Sie habe gekämpft, sagt sie. Auch als sie draußen am Boden lag: "Ich will nicht sterben." Sie überlebt, leidet aber noch heute unter den körperlichen und seelischen Folgen.

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