Prozess

Polizei sichert Libanesenprozess mit Zufahrtskontrollen

Essen: Urteil im Libanesenprozess um Schulhofprügelei

Das Amtsgericht Essen hat sich mit einem Familienstreit zwischen zwei libanesischen Großfamilien beschäftigt. Nun ist ein Urteil gefallen.

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Essen  Selbst auf den Straßen zum Essener Landgericht sichert die Polizei den Libanesenprozess. Bis auf Streit unter den Angeklagten blieb es friedlich.

Das Justizzentrum in Essen hat schon viele Großverfahren mit erhöhter Gefahrenlage erlebt. Aber am Freitag zum Auftakt eines neuen Libanesenprozesses errichtete die Polizei morgens ab 8.30 Uhr sogar Kontrollpunkte an den Zufahrtsstraßen des Gerichtes, sperrte jeweils eine Fahrspur. Eingreifen mussten die Beamten aber weder draußen noch im Saal. Es blieb friedlich.

Hintergrund ist der Zwist unter den Familien R. und S./El-Z., der am 4. Juni zu der Tat führte, die seit Freitag vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht verhandelt wird. Acht 16 bis 21 Jahre alte Angeklagte, begleitet von 16 Verteidigern, sitzen im Saal 101. Sieben der jungen Männer sollen einen 18-Jährigen aus dem R.-Clan auf den Schulhof der Altenessener Hüttmannschule gelockt und dort brutal verprügelt haben. Der achte Angeklagte soll die Tat mit dem Handy aufgenommen haben.

Junges Mädchen als Lockvogel

Lockvogel war wohl ein junges Mädchen aus der Familie S./El-Z., das mit dem 18-Jährigen ein Treffen vereinbart hatte. Er kam - und kurz darauf auch die acht Angreifer. Auf dem Video, das schnell im Internet kursierte, ist zu sehen, wie sie mit voller Wucht immer wieder gegen den Kopf des am Boden liegenden Opfers traten. Wie durch ein Wunder überlebte er die Attacke, nachdem die Angreifer irgendwann von ihm abließen.

Für den Prozess war schwer einzuschätzen, ob die Fehde im Gerichtssaal fortgesetzt wird. Justizwachtmeister und Polizei zeigten deshalb im Saal starke Präsenz. Aber vielleicht war die Gefahr auch nicht mehr so groß. Denn angeblich sollen die Familien sich im Vorfeld geeinigt haben, Geld soll geflossen sein.

Streit unter den Angeklagten

Ganz einig scheinen sich aber die Angeklagten nicht zu sein. Einige reden zum Prozessauftakt. An der Tat selbst kommen sie nicht vorbei. "Das ist ja alles auf dem Video", sagt einer von ihnen knapp. Tatsächlich ist dort in voller Schärfe die brutale Attacke zu sehen, wie sie in der Anklage beschrieben wird.

So geht es eher darum, wer eigentlich die Idee zur Tat hatte. Mal soll Ahmed M. (18) der Rädelsführer gewesen sein, mal die Brüder S., 18 und 20 Jahre alt. Da bellt Ahmed M. auch dazwischen, wenn er von einem ehemaligen Komplizen belastet wird. Aber Richterin Claudia Schlarb unterbindet das schnell, indem sie Ordnungsmaßnahmen androht.

Im Gefängnis die Wahrheit erkannt

Khalid H. entlastet M. dagegen und belastet plötzlich die Brüder S.. Bei der Polizei hatte er das anders geschildert. Wie es zum Sinneswandel kam? "Ich hatte im Gefängnis Zeit nachzudenken. Jetzt weiß ich, dass ich mit der Wahrheit weiter komme."

Unklar bleibt weiterhin der Anlass der Prügelei. Die meisten wollen einfach nur mitgegangen sein, ohne einen konkreten Auftrag. Von einer unerwünschten Liebesbeziehung des Opfers R. zu einer S. war früher die Rede. Einer der Angeklagten wird am Freitag deutlicher. Ihm sei gesagt worden, der 18-Jährige erpresse ein Mädchen mit Nacktfotos. Und da habe er eine Abreibung bekommen sollen.

Opfer sitzt wegen Verdachtes auf Vergewaltigung

Im Saal sitzt der 18-Jährige zum Auftakt der Verhandlung nicht. Denn er sitzt seit Mitte September in Untersuchungshaft. Der Vorwurf lautet: Vergewaltigung. Er war laut Anklage in den Besitz von Nacktfotos einer Jugendlichen gelangt. Er soll ihr gedroht haben, die Bilder zu veröffentlichen, falls sie nicht mit ihm schlafe. In einer Wohnung in der City soll es dann zu der Tat gekommen sein.

Der Prozess um die Prügelei auf dem Schulhof soll am 16. Dezember fortgesetzt werden. Dann wird vermutlich das Video gezeigt, auf dem die Attacken zu sehen sind.

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