Verkehr

Ruhrgebiet sorgt sich um die Luft, fährt aber weiter Auto

Die Gladbecker Straße in Essen im Feierabendverkehr. Dennoch sehen die meisten Autofahrer im öffentlichen Nahverkehr keine Alternative.

Die Gladbecker Straße in Essen im Feierabendverkehr. Dennoch sehen die meisten Autofahrer im öffentlichen Nahverkehr keine Alternative.

Foto: STEFAN AREND

Ruhrgebiet.   Eine repräsentative Umfrage im Ruhrgebiet besagt: Pendler halten den öffentlichen Nahverkehr für keine Alternative. Das Auto sei bequemer.

Die meisten Menschen im Ruhrgebiet sorgen sich über den Klimawandel, steigen aber weiter am liebsten ins Auto. „Die größten Hindernisse für den Umstieg (auf den Nahverkehr) sehen die Befragten in der eigenen Bequemlichkeit sowie längeren Fahrzeiten und höheren Kosten“ heißt es in einer Studie, die der WAZ exklusiv vorliegt.

Wegen des zunehmenden Autoverkehrs machen sich 86 Prozent der Menschen im Ruhrgebiet Sorgen über die Luftqualität in den Städten und deren Auswirkungen auf die Gesundheit. Doch im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) sehen Autofahrer immer noch keine Alternative. Allerdings steigen sie nicht wegen der Ticketpreise für Bus und Bahn lieber ins Auto, sondern weil sie das Angebot des ÖPNV für unzureichend halten.

Befragte beklagen langsamen und unpünktlichen ÖPNV

78 Prozent der Befragten, die „selten oder nie“ den Nahverkehr nutzen, gaben an, Autofahren sei bequemer, 60 Prozent dauerten Bus- und Bahnfahrten zu lange, 42 Prozent beklagten „keine passenden Verbindungen“ und 36 Prozent Unpünktlichkeit.

Das zeigt eine aktuelle Studie des Duisburger Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrums, die von der „Global Young Faculty, Arbeitsgruppe Metropole in Bewegung“ in Auftrag gegeben wurde. Darin sind Nachwuchswissenschaftler der Revier-Universitäten und junge Vertreter großer Ruhrgebiets-Unternehmen versammelt. Die Zusammenarbeit beruht auf einer Initiative der Stiftung Mercator.

Nutzer von Bus und Bahn sehen sie weit positiver

74 Prozent nutzen danach ihr Auto täglich oder mehrmals in der Woche, 28 Prozent das Fahrrad und 22 Prozent den Nahverkehr. 5,9 Prozent gaben an, sie gingen praktisch nie zu Fuß.

Menschen, die wenigstens mehrmals im Monat den ÖPNV nutzen, sehen ihn deutlich positiver. Sie nehmen ihn demnach, weil sie „so keinen Parkplatz suchen“ müssen (69 Prozent), „weil es umweltfreundlicher ist“ (59 Prozent), „weil es häufig schneller ist“ (47), weil sie „die Zeit sinnvoller nutzen“ können (38) oder weil es „günstiger ist als Autofahren“ (31 Prozent).

Mit einem kostenlosen Ticket ändern sich die Vorlieben

Freilich nutzt bei manchen Autofahrern auch ein kleiner Anstoß, damit sie umsteigen. Zur Umfrage gehörte nämlich auch ein kleines „Mobilitätsexperiment“: 70 Berufspendler bekamen für vier Wochen eine kostenlose Monatskarte für den Nahverkehr. In diesem Monat stieg die Zahl ihrer Bus- und Bahnfahrten deutlich.

Allerdings kauften sich nur sieben Prozent anschließend ein Monatsticket selbst. Die Hälfte sagte, sie werde in Zukunft der Umwelt zuliebe häufiger den Nahverkehr nutzen. Die andere Hälfte blieb beim Autofahren wegen der Zeit und der Kosten.

In Herne die größte Sorge über die Luftqualität

In der Umfrage wurden 1007 repräsentativ ausgewählte Bewohner der neun größten Ruhrgebietsstädten zwischen Ende November 2018 und Ende Januar 2019 angerufen und befragt. Bei durchschnittlich 86 Prozent, die sich „große oder einige Sorgen“ über den Klimawandel, die Luftqualität und ihre davon beeinflusste Gesundheit machen, war der entsprechende Anteil unter Bewohnern von Herne am höchsten und unter Bewohnern von Recklinghausen relativ am niedrigsten.

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