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Sommerferien NRW: Schlösser, Burgen und Ruinen

Lesedauer: 12 Minuten
Die Burgruine Hardenstein in Witten.

Die Burgruine Hardenstein in Witten.

Foto: Funke Foto Services

Ruhrgebiet/Dorsten.  In NRW gibt es ein dichtes Netz toller Schlösser, Burgen und Ruinen. Wer ein Ausflugsziel sucht, der wird hier fündig. Unsere fünf Tipps.

Ferdinand Graf von Merveldt ist Herr von und auf Schloss Lembeck. Als Kind besuchte der heute 69-jährige, fünffache Familienvater ein Internat in Büren, später studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Bochumer Ruhruniversität – den Rest seines Lebens aber verbrachte der Graf im Dorstener Wasserschloss – wo die von Merveldts bereits seit 1708 leben. Die Geschichte des Gebäudes reicht sogar bis ins Mittelalter zurück. Er habe nie woanders sein wollen, verriet er Redakteurin Ute Schwarzwald.

Graf von Merveldt, wie lebt es sich in einem echten Schloss, einem der größten Westfalens noch dazu?

Schön! Wir wohnen in der Vorburg, meine Eltern sind vor 50 Jahren dahin umgezogen, als sie aus dem Hauptgebäude ein Museum machten. Und schon als Kinder genossen wir die große Freiheit. Wir liebten es, den vielen Geheimnissen nachzuschnüffeln, jeden Tag neue Entdeckungen zu machen. Aber ich bin auch aufgewachsen in dem Bewusstsein, dass ich irgendwann in der Lage sein muss, die Lasten, die ein solches Schloss mit sich bringt, tragen zu können.

Vom Prahlhans-Zimmer mit seinem edlen asiatischen Porzellan, das wohl jeder Besuchergruppe ein „Aaahhh“ entlockt , bis zum prachtvollen Schlaun’schen Festsaal mit seiner Stuckdecke – haben Sie einen Lieblingsort im Schloss?

Die Kapelle. Unser Allerheiligstes. Da ist es ganz ruhig. Da spürt man, wie frühere Generationen mit Gefühlen umgegangen sind. Das ist der Ort, wo einst sie und heute ich Kraft und Bodenständigkeit gefunden haben.

Bodenständigkeit?

Ja, die braucht man, wenn man so lange am selben Ort leben will – wie meine Familie. Das hat Vor- und Nachteile, aber man muss sehen, mit den Menschen im Umfeld zurecht zu kommen, sich zu arrangieren, Frieden zu halten. Und man muss darauf achten, wie das, was man tut, nach außen wirkt. Sonst überlebt man lange nicht so eine lange Zeit am selben Platz.

Einst kamen 90.000 Besucher pro Jahr her, um das Schloss zu besichtigen, heute sind es sehr viel weniger...

Nach dem Krieg war im Ruhrgebiet alles kaputt, da waren die Ausflüge zu uns eine Selbstverständlichkeit. Aber noch immer besuchen uns bis zu 60.000 Menschen jährlich. 40 Prozent, das muss man allerdings sagen, kommen vor allem unserer Großveranstaltungen wegen.

„Landpartie“, „Classic Oldtimer-Festival“ und der „Fine Arts Kunstmarkt“ mussten abgesagt werden, genau wie die „Jagd- und Schützentage“, die 2020 erstmals stattfinden sollten. Wie sehr schadet die Corona-Krise Ihnen?

Die Einnahmen dieser Veranstaltungen fehlen uns dieses Jahr natürlich. Und unsere beiden Museen sind ebenfalls noch geschlossen, die Abstandsregeln sind da nicht einzuhalten. Nur der Schlosspark ist derzeit offen. Aber der zieht die Leute an. Wir haben in diesem Mai mehr Besucher gezählt als im Mai vergangenen Jahres. Corona war für viele wohl ein Grund, einmal wieder herzukommen, sich auf das Schöne in der Nähe zu besinnen. Und im Park, wo nach den Rhododendren jetzt die Rosen blühen, ist es ja wunderschön.

Schön sicher, Park und Schloss zu unterhalten, ist aber auch teuer?

Zum Glück sind die materiellen Möglichkeiten und die Menschen heute da, das zu schultern. Das war nach dem Krieg schwerer.

Was genau kostet der Unterhalt für Ihr Schloss?

100.000 Euro verschwinden im Schnitt Jahr für Jahr darin. Und man sieht nix davon. Gerade verfugen wir die Mauern neu, das merkt später kein Besucher. Aber man muss das Gebäude ja erhalten.

Warum lohnt der Besuch eines uralten Schlosses noch heute?

Man kann nur sicher in die Zukunft gehen, wenn man die Vergangenheit halbwegs kennt. Und unsere Schlösser sind ein Teil davon. Es gibt hunderte davon. Auf Schloss Lembeck war früher das Gericht, hier wurden Steuer eingezogen und Soldaten in den Krieg geschickt. Heute wird es anders gemacht, aber man kann noch sehen und fühlen, wie es damals war.

Ihr persönlicher Blick in die Zukunft?

Ich bin sehr froh, dass mein ältester Sohn sich nach mir um den Erhalt von Schloss Lembeck kümmern will. Jetzt sind die Kinder zwar alle ausgeflogen, aber er wird wieder hier einziehen. Sorgen macht mir der Klimawandel. Wir haben zu wenig Regen, die Bäume und Rhododendren leiden schon. Auch die Schlossgräfte hat zu wenig Wasser. Wir finden immer häufiger Risse, die früher nicht da waren. Die Wände fangen schon an zu wackeln.

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>>>Fürs Erste: fünf lohnende Ziele

1. Wasserschloss Lembeck in Dorsten: Die dreiflügelige Schlossanlage ist von einem Graben umgeben und liegt mitten in einem englischen Park. Die Pläne für Garten und einige der prunkvollen Zimmer stammen von Johann Conrad Schlaun, dem Star der barocken Baumeister-Szene. Derzeit ist nur der Park geöffnet, Corona_bedingt bleiben die beiden Museen vorerst noch geschlossen.
Info: www.schlosslembeck.de.

2. Burgruine Hardenstein in Witten: Für Gruselfans: Denn hier lebte der Sage nach einst Zwerg Goldemar – unsichtbarer Gast der Burg zu Zeiten eines Neveling von Hardenstein. Er verspeiste den armen Küchenjungen, der ihn erzürnt hatte, und verhängte einen Fluch über die Familie des Burgherrn. Info: burgfreunde-hardenstein.de

3. Schloss Schwansbell in Lünen: Der dreigeschossige, neugotische Putzbau, flankiert von zwei achteckigen Türmen, entstand um 1875 nach Plänen des Dortmunder Braumeisters Fritz Weber. Einst war er Stammsitz derer von Westerholt, heute findet man hier u.a. das Stadtmuseum. Info: www.luenen.de/freizeit-tourismus/freizeit-tipps/museen.

4. Schloss Horst in Gelsenkirchen: Gilt als wichtigster Renaissancebau des Reviers und beherbergt ein Museum, das in Nicht-Corona-Zeiten Themenführungen und mehr anbietet, etwa: Frauen auf der Schlossbaustelle oder Medizin im Mittelalter. Führungen gibt’s derzeit (fast) nur digital, dafür ist der Eintritt ins Museum frei. Info: www.schloss-horst.de.

5. Burg Altendorf in Essen: Im 12. Jahrhundert als Rittersitz errichtet. Der Wassergraben ist längst versandet, doch der größte erhaltene Wohnturm (fünf Geschosse und 20 Meter hoch!) zwischen Rhein und Weser noch zu bestaunen (und an Wochenende zu besteigen). Der Heimat- und Burgverein Burgaltendorf kümmert sich darum. Info: www.hbv-burgaltendorf.de

>>>> Hier finden Sie weitere Ausflugstipps, Informationen und Tourenvorschläge

Wer Versailles, Sanssouci oder Neuschwanstein bestaunen will, muss nach Frankreich, Potsdam oder Bayern. Keine Frage. Aber: Auch im Kohlenpott gibt’s romantische Schlösser, trutzige Burgen oder fantastische Herrenhäuser – herrlicher, als mancher ahnt. Und es gibt jede Menge davon. Die fünf ausgewählten Beispiele auf dieser Seite sollen nur Lust auf mehr machen. Wer sich einen vollständigeren Überblick verschaffen möchte: An Info-Material mangelt es nicht; hier reicht der Platz ebenfalls nur für einige wenige Empfehlungen. Weiterführende Informationen finden sich zumeist auf den Homepages der einzelnen Ziele – die man sich vor dem Besuch unbedingt anschauen sollte. Wegen der Corona-Pandemie sind einige Schlösser oder deren Museen und Gastronomie noch nicht wieder für Besucher geöffnet.

Unser Favorit: „Schlösser, Burgen und Ruinen. Historische Gemäuer und ihre Geschichte im und um das Ruhrgebiet“. Die WAZ-Redakteure Maren Schürmann und Georg Howahl haben 2017 für eine Serie im WAZ-Wochenende über 40 Wasserschlösser, Adelshäuser, Rittersitze im Umkreis von 150 Kilometern besucht und tolle Geschichten darüber geschrieben. Inzwischen erschien die Serie als Buch: Klartext-Verlag, 160 S., 14,95 €, ISBN: 978-3-8375-1931-0.

Erst im Februar dieses Jahres im selben Verlag erschienen: „RuhrTOUR Schlösser & Burgen“. Der handliche Ruhrgebietsführer von Achim Nöllenheidt stellt interessante Ziele vor, beinhaltet auch praktische Tipps: Wo ist eine Trauung möglich? Welche Schlösser bieten ein Museum an? Klartext Verlag, 120 S., 13,95 €, ISBN: 978-3-8375-2186-3.

„Unterwegs in alten Gemäuern“ nennt sich ein informatives Online-Angebot auf www. ruhrgebiet-industriekultur.de. Von A (Abtei Werden) bis S (Sylvesterkapelle) werden dort Burgen, Schlösser, Klöster, Gutshöfe, Herrensitze und historische Altstädte vorgestellt – samt Literaturempfehlungen, Karten für Wander- und Radtouren, ausführlicher Info, Kombi-Tipps und vielen Fotos. https://www.ruhrgebiet-industriekultur.de/burgen-und-schloesser.html

Unter „kulturreise-ideen.de“ findet man eine „Tour zu den schönsten Schlössern und Burgen im Ruhrgebiet“. Sie umfasst stolze 31 Stationen, beginnt an Schloss Heessen in Hamm und endet bei Schloss Lüntenbeck in Wuppertal. Zu jedem einzelnen Bauwerk gibt’s reichlich Wissenswertes und Unbekanntes zu lesen. https://www.kulturreise-ideen.de/architektur/schlossanlagen/Tour-schloesser-burgen-im-ruhrgebiet.html

„Wenn Ihr denkt, das die Metropolregion Ruhr nur aus Industriekultur und Zechen besteht ...“ – die Ruhrtourismus GmbH, gegründet um, das Revier als attraktives Reiseziel publik zu machen, widmet sich natürlich ebenfalls dem Thema „Schlösser und Burgen im Revier“. Sie erzählten, heißt es im Online-Portal, „die Geschichte der Metropole Ruhr vor der Industrialisierung“. https://www.ruhr-tourismus.de/de/themen/erlebnis/schloesser.html

Auch im „Ruhr-Guide“, einem Online-Magazin fürs Ruhrgebiet, werden interessante Schlösser und Burgen empfohlen – vor allem solche, auf denen etwas los ist: Hexen- oder Weihnachtsmarkt, Ritterspiele oder Lichtfestival. Gut für alle, die ein historisches Gemäuer allein nicht zu locken vermag. Allerdings sind die Informationen derzeit nicht up-to_date, was an Corona liegen mag. https://www.ruhr-guide.de/freizeit/burgen-und-schloesser/0,0,0.html

Wer sich den vollständigen Überblick wünscht, sollte einen Blick auf die entsprechende Wikipedia-Seite werfen. Hunderte von „Burgen, Schlösser, Festungen in NRW“ finden sich dort, und das sind nur die „mit überregionaler Bedeutung“. Die nach Regierungsbezirken sortierte Liste reicht von „Haus Bärendorf in Bochum-Weitmar“, einem Rittergut aus dem dem Jahr 1479, bis Schloss Freckenhorst im Kreis Warendorf. Als Planung für den Ferienausflug ist diese Quelle aber nur bedingt geeignet, will heißen: man sollte genau hingucken: Rittergut „Bärendorf“ etwa lohnt die Anreise kaum. Es wurde bereits 1792 abgerissen. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Burgen,_Schl%C3%B6ssern_und_Festungen_in_Nordrhein-Westfalen

Garantiert lohnende Ausflugs-Empfehlungen liefert dagegen „komoot“: Routenplaner und Navigations-App in einem, 2010 von sechs Outdoor-Enthusiasten für Wanderungen und Radeltouren konzipiert. Als „Abstecher in die Geschichte“ sind Touren zu „20 schönen Schlössern und Burgen“ im Revier angelegt, der erste führt zu Schloss Wittringen in Gladbeck, der letzte zu Schloss Beck, dem spätbarocken Lustschlösschen bei Bottrop, das heute in einem Freizeitpark liegt. Die Routen (mit vielen Detailinformationen und Tipps) können einfach aufs Smartphone geladen werden. Der Clou: diese „Fahrrad- oder Wander-Highlights“ wurden von anderen zuvor getestet und für gut befunden. Wer mag, kann sich auf „komoot“ aber auch eine ganz eigene Runde zusammen stellen – und dieses dann wiederum anderen vorschlagen. https://www.komoot.de/guide/208851/schloesser-und-burgen-im-ruhrgebiet

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