Karneval

Sehr kurze Session: Schneller lachen hilft auch nicht

Gut gelaunt bei straffem Zeitplan: „Putzfrau Achnes Kasulke“ hat in diesen Wochen mehrere Auftritte täglich.

Gut gelaunt bei straffem Zeitplan: „Putzfrau Achnes Kasulke“ hat in diesen Wochen mehrere Auftritte täglich.

Foto: Volker Hartmann

Ruhrgebiet.   Der Rosenmontag liegt früh in diesem Jahr, Prinzenpaar, Büttenredner und Karnevalisten eilen von Termin zu Termin. Über Stress in der Bütt.

Drinnen im Gemeindesaal in Mülheim klatschen die Leute noch, da kommt Büttenrednerin Annette Eßer nahezu herausgerannt. Verspätung! In ihrer fülligen Bühnengestalt als Putzfrau Achnes Kasulke mit Eimer und Schrubber eilt sie zu Bodo Krohn, ihrem Manager, ihrem Fahrer, einem Freund, der schon ein dutzend Mal auf die Uhr geschaut hat.

„Wir sind 19.52 Uhr“, sagt er jetzt: „20.18 sind wir in Düsseldorf, 20.20 bist du drauf.“ Auf der Bühne in den Rheinterrassen. Nächster Saal, neues Publikum, gleiche Rede. Krohn gibt Gas.

„Sitzungen mittags, weil die Abende nicht reichen“

Man sieht es schon: Einzelnen Künstlern ist Zeitdruck im Karneval nicht fremd, wie die Szene aus dem letzten Jahr beweist; doch jetzt, 2018, ist die ganze Session außer Atem: Sie endet mitten im Februar, drei Wochen früher. Also, Herr Krohn, was macht eine solch kurze Session aus?

„Fast jeden Tag Veranstaltungen, selbst montags und dienstags. Sitzungen mittags, weil die Abende nicht ausreichen für alle Veranstaltungen. Und mancher Künstler steht zweimal am Tag in demselben Saal“, sagt der Musik-Manager aus Nettetal.

Gerade hat seine Achnes beim WDR Radiosendungen aufgenommen, jetzt essen die beiden am Appellhofplatz hastig zu Mittag. Es wartet die Mädchensitzung im Kölner Maritim auf die Büttenrednerin. Später noch eine Mädchensitzung in Düsseldorf. Und eine Moderation. An einem ganz normalen Werktag, zweieinhalb Wochen vor Rosenmontag. Die Zeit rast. Achnes Kasulke auch.

„Locker über 200 Termine bis Aschermittwoch“

Oder die Prinzessin von Essen: „Es kommen locker über 200 Termine bis Aschermittwoch zusammen, die Session ist ja sehr kurz“, sagt Vivian I. Manchmal bliebe sie lieber auf dem Sofa sitzen, aber „sobald ich mein Kleid anhabe, kehrt die Motivation zurück“.

„Die Termine bleiben die gleichen, das ist dreistellig, ob Karneval bis Anfang März geht oder bis Anfang Februar“, sagt Manfred Uferkamp (47), der Präsident des „Hauptausschusses Gross-Mülheimer Karneval“: „Das ist schon ein strammes Programm.“ Eine Hetzerei? „Man muss Karneval als Spaß und Hobby sehen. Wenn man sich gehetzt fühlt, sollte man aufhören“, so der frühere Prinz.

Die fünfte Jahreszeit kann schon am 4. Februar enden

Denn Aschermittwoch kann stark schwanken. Die fünfte Jahreszeit ist im kürzesten Fall am 4. Februar vorüber, sie kann sich aber auch ziehen bis zum 10. März. Karneval hängt ja an der Fastenzeit vor Ostern.

Die genaue Rechnung geht so: Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling, der am 21. März beginnt. Und Aschermittwoch ist immer 46 Tage vor Ostersonntag. Wenn der auf den 1. April fällt wie diesmal, dann ist Aschermittwoch eben am 14. Februar und Rosenmontag am 12. und Weiberfastnacht am 8. Den Leuten sitzt der Schalk im Nacken, diesmal auch die Zeit.

Der Aufwand ist der gleiche

„Rein ins Auto, raus aussem Auto“, sagt der Duisburger Karnevalist Michael Jansen: „Da haben Sie an einem Abend nicht mehr zwei, drei, vier Veranstaltungen, sondern sechs, sieben, acht.“ Schneller lachen hilft ja auch nicht.

Klaus Kösling aus Oberhausen sieht aber auch den Vorteil solch einer, sagen wir, knackigen Session: „Der Aufwand für die Prinzenteams, Anziehen und so, ist für einen Termin der gleiche wie für mehrere am gleichen Tag.“

Komitees planen schon für 2021

Im Gürzenich, dem Erdbebenherd des rheinischen Karnevals, schunkeln sie jetzt schon täglich in mehreren Sitzungen. Mädchensitzung, Galasitzung, Hörfunksitzung, Prunk- und Fremdensitzung, Herrenfrühschoppen. Sogar Montag, traditionell (außer Rosenmontag) der karnevalsfreie Tag. Montag also: „Loss mer singe – Hück su schön wie domols em Jözenich.“ Das muss man nicht verstehen.

Allerdings gibt es ein Mittel, Kollisionen und Überschneidungen zu verringern. Planung. Und zwar weit im Voraus, sehr weit. „Die Planung für 2018 haben wir 2016 abgeschlossen“, sagt Gerd Schwenzfeier vom „Festkomitee Gelsenkirchener Karneval“: „Derzeit blicken wir auf die Session 2021.“ Dann ist Rosenmontag am 24. Februar. Lesen Sie dann: Was machen Karnevalisten nur die ganze Zeit?

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