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The Voice of Germany: Mit Lucas Rieger steht ein Sänger alter Schule im Finale

Lucas Rieger aus Kamen im Halbfinale bei „The Voice of Germany“. Am Sonntag singt er im Finale der Castingshow um den Sieg.

Lucas Rieger aus Kamen im Halbfinale bei „The Voice of Germany“. Am Sonntag singt er im Finale der Castingshow um den Sieg.

Foto: André Kowalski / Sat1

Kamen/Berlin.  Im Finale von „The Voice of Germany“ steht Lucas Rieger aus Kamen: Sein Blues passt nicht in die Zeit – aber das könnte sein Vorteil sein.

Nach dem Halbfinale kam das Halsweh. Ausgerechnet! Dabei will Lucas Rieger aus Kamen am Sonntagabend das Finale von „The Voice of Germany“ gewinnen. Ein Popstar wird aus dem 19-Jährigen dennoch nicht werden: Rieger, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Popsänger, singt Musik aus längst vergangenen Zeiten. Und er sieht auch so aus. Dieser Lucas lebt den Blues.

In seiner alten Schule wird sein Erfolg niemanden überrascht haben. „Elvis“ nannten sie ihn da, und als er wieder einmal die Aula zum Toben gebracht hatte, sagten seine Lehrer: „Du wirst noch mal im Fernsehen enden.“ Nun, es fängt gerade erst an. Mit „Tutti Frutti“ sang sich der 19-Jährige vor wenigen Tagen ins Finale, aber was heißt „sang“: Er tanzte, spielte Mundharmonika mit seiner Nase, flirtete mit dem Publikum, seine Mutter Christina nennt es „Spielfreude“ – er tat, was die Coaches in der Jury so penetrant „performen“ nennen, aber bei Lucas Rieger passt’s.

Die Blues Brothers haben ihn geprägt

Unten Lackschuh, oben Pomade im Haar, dazwischen Anzüge mit Streifen: So geht Lucas nicht nur auf die Bühne, sondern auch durchs Leben. Es fing an, als er zwölf war, mit den „Blues Brothers“ und Cab Calloway, den Film hat er inzwischen 48-mal gesehen. Heute, sagt er, weiß er alles über jene Zeit, „wirklich alles“, was ihn froh und zugleich traurig macht: „Ich werde nie wieder etwas Neues darüber lernen.“

Lucas Rieger spielt Bass, Gitarre, Banjo, Trompete, Schlagzeug, zu jedem Anlass hat er sich ein neues Instrument gewünscht. Er hat sich alles selbst beigebracht wie irgendwann auch das Singen. Im Stimmbruch, sagt er, war das eine schlimme Zeit, „ich wollte nie klingen wie ein Engel, lieber wie ein Sack Nägel“. Es ist wohl etwas dazwischen geworden; für seine Stimme drehten sich nach erfolgreichem Casting immerhin zwei Coaches um – seine Show konnten sie damals ja noch nicht sehen.

Inzwischen ist Lucas „dankbar, dass die Leute entscheiden, nicht nur Sido“. Es ist auch sein Glück: Mehrfach waren Zweifel laut geworden, Lucas’ Musik, seine Art zu singen, war den Coaches nicht modern genug. Aber beim Publikum, das seit dem Halbfinale abstimmt, kommt der Stil an. „Er hat die Gabe, das Publikum bei sich zu haben“, sagt Mutter Christina. „Toll, dass die Leute ihn mögen.“ Es spricht Erleichterung aus ihrer Stimme. Christina Rieger weiß, dass ihr Sohn „immer schon anders“ war. Seinen ersten TV-Auftritt sah sie mit Sorge: „Was, wenn ihn alle doof finden? Man will als Mutter sein Kind ja schützen.“

Lucas Rieger singt – und der „The Voice of Germany“-Saal tobt

Aber niemand findet Lucas doof. In Berlin tobte der Saal, forderte Zugaben nach jedem Auftritt. Vielleicht ist Lucas Rieger aus der Zeit gefallen, aber damit nicht auf die Nase. Er sagt über die Musik der 1920er-, 1930er-Jahre: „Es ist eine große Ehre für mich, dieses Erbe weiterzutragen. Ich hoffe inständig, dass meine Musik bei den jungen Leuten ankommt.“

Einen kurzen Moment der Enttäuschung hat es gegeben, als Coach Sido den 19-Jährigen nach „Blind Audition“ und „Battles“ in den „Sing Offs“ vom Heißen Stuhl stieß: Ein Platz auf dem „Hot Seat“ hätte Lucas direkt ins Halbfinale gebracht. Doch Comeback-Coach Nico Santos („Rooftop“) rettete ihn vor dem Ausscheiden, holte Lucas in sein Talente-Team. Neue Chance, neues Glück: Mit seiner Version von „Georgia on my Mind“ stellte er nicht nur Santos die Armhärchen auf.

Im „The Voice“-Finale singt Lucas Rieger mit Max Raabe

Dabei ist der Student keiner, der bei Applaus jubelnd die Arme hochreißt, der über die Bühne hüpft oder „geil“ sagt. Lucas Rieger verbeugt sich, gern mit der Hand auf dem Herzen, und sagt lachend Sätze wie: „Für meine Verhältnisse freue ich mich überdurchschnittlich sehr.“ Die anderen Kandidaten sind für ihn nicht Konkurrenz, sondern „Konkufriends“. Hauptsache, er darf singen und am liebsten live. „Für ihn ist es das größte Geschenk, dass er auf der Bühne stehen darf“, sagt Mutter Christina.

Natürlich ist sie am Sonntag bei "The Voice of Germany" in Berlin, „die Eltern sind ja aufgeregter als er selbst“. Sie haben ihrem Sohn gesagt: „Nimm alles mit, mach dir eine schöne Zeit.“ Lucas, so viel sei verraten, singt im Finale mit Max Raabe („mein größtes noch lebendes Vorbild“). Und, neben Blues und gutem alten Swing, diesmal „etwas ganz anderes“. Man darf gespannt sein, dem Interpreten jedenfalls gefällt’s: „Es wird schön! Wenn Sauce Hollandaise Musik wäre, dann das.“

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