Fußball

Titelträume der BVB-Fans enden im Dortmunder Regen

Die Fans des BVB erlebten beim Bundesliga-Finale am  Samstag ein Wechselbad der Gefühle. Für einige Minuten schien das Dortmunder Team  sogar noch eine Chance auf die Schale zu haben.

Die Fans des BVB erlebten beim Bundesliga-Finale am Samstag ein Wechselbad der Gefühle. Für einige Minuten schien das Dortmunder Team sogar noch eine Chance auf die Schale zu haben.

Foto: Kai Kitschenberg

Dortmund.   Tausende Fans von Borussia Dortmund strömten am Samstagnachmittag in die City, um das Finale der Fußball-Bundesliga live im TV zu verfolgen.

Kay Westphal ist der erste. Die Gastronomie rund um den Platz hat noch gar nicht geöffnet, da hat er sich seinen Tisch schon gesichert. Mit unverbaubarem Blick auf den Fernseher. „was sollen wir zuhause rumhängen“ sagt seine Frau, die ebenfalls Kay heißt. Ihr Mann nickt. „Wird bestimmt früh voll hier.“

Schon mittags sind alle guten Plätze belegt

Da hat er Recht. „Wer um 14 Uhr kommt und Dortmund sehen will“, hat Jörg Kemper, Wirt des „Wenkers“ am Tag zuvor noch gewarnt, „der muss nach Bochum fahren.“ Erste Reservierungen, sagt Kemper, seien bereits zu Saisonbeginn eingegangen. Tatsächlich gibt es dann am Mittag keinen freien Sitzplatz mit Sicht auf ein TV-Gerät – obwohl alle Lokale das Glück des guten Wetters genutzt und draußen große Schirme aufgebaut haben, unter die sie Tische, Stühle und Flachbildschirme stellen. Und für den Fall der Fälle haben sie ihre Vorräte aufgestockt. „Uns trinkt heute keiner leer“, beruhigt Kemper besorgte Fans.

Zwischen Hoffen und Bangen

Kurz nach 15 Uhr sind schwarz und gelb die bestimmenden Farben auf dem Platz. Die Sonne scheint, das Bierchen schmeckt. Schnell ist man per du, spricht über die kommenden Stunden. Die meisten geben sich nach außen realistisch, glauben aber insgeheim noch an die Sensation, die eher schon ein Wunder wäre. „Bayern muss verlieren, wir müssen gegen Gladbach gewinnen“, erklärt Alex (34) die Ausgangssituation und phrasiert: „Vorbei ist es erst, wenn es vorbei ist.“ Dann stimmt er ein in die gesungene Antwort auf die Frage nach dem neuen Titelträger: „Deutscher Meister wird nur der BVB...“

Das glaubt Lucas (23), gebürtiger Salzburger, aber seit sechs Monaten in Unna zu Hause, zwar auch, will sich aber dabei nicht nur auf das spielerische Können der Dortmunder Kicker verlassen. Kurz vor dem Anpfiff verschwindet er noch mal in der Reinoldikirche. „Kerze anzünden.“ Am Ende werden es drei. „Jetzt klappt es auch“, ist er anschließend überzeugt und hält den Rücken seiner linken Hand hoch. Das BVB-Logo hat er sich klein darauf tätowieren lassen. Am Montag soll nicht nur die Meisterschale folgen, sondern – auf dem Arm – auch alle Namen der Mannschaft. „Ich habe schon einen Termin beim Tätowierer.“

Hoffnung auf das Wunder währt nur kurz

15.30 Uhr: das Spiel in Mönchengladbach läuft, das Bier am Alten Markt ebenfalls. Weder die frühe Münchener Führung gegen Eintracht Frankfurt noch die Tatsache, dass Borussia Mönchengladbach zunächst die besseren Chancen hat, können die Stimmung ernsthaft trüben. „Dortmuund, Dortmuund.“ Und als der BVB – außerhalb der Stadt durchaus umstritten – mit 1:0 in Führung geht, ist sich der Platz einig: „Völlig verdient.“

Mit dem Anpfiff zur zweiten Hälfte öffnet der Himmel über Dortmund seine Schleusen. Es gießt in Strömen, doch das ist erst einmal egal. Es ist die Zeit der Träume. Frankfurt hat ausgeglichen, Dortmund auf 2:0 erhöht. „Da geht noch was“, ist nicht nur Lucas überzeugt. Doch die Träume platzen schnell. Bayern schießt Tor auf Tor und spätestens nach dem 4:1 ist die Stimmung auf dem Platz wie das Wetter: sehr schlecht.

„Nächste Saison packen wir die Bayern“

Beim Abpfiff ist bei vielen Fans aus Traurigkeit längst Trotz geworden. Sie singen, sie hüpfen, sie klatschen im Regen. Und sie reden sich ein: „Vize ist doch auch nicht schlecht.“ Dann blicken sie nach vorne. „Nächste Saison“, sagt einer, den sie Matze nennen, „packen wir die Bayern.“ Alle nicken.

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