Pandemie-Paket

Was bringen die Corona-Hilfen den Betroffenen wirklich?

Uwe Pews, Sicherheitstechniker aus Duisburg, sieht sich in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht - trotz Corona-Zuschuss.

Uwe Pews, Sicherheitstechniker aus Duisburg, sieht sich in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht - trotz Corona-Zuschuss.

Foto: Kai Kitschenberg / FFS

Milliarden fließen derzeit in Hilfsangebote für Unternehmen, Selbständige und Künstler. Doch was bringen die Maßnahmen. Betroffene berichten.

Ein umfangreiches Paket für die wirtschaftliche Abfederung der Corona-Krise hat der Bundestag am Mittwoch beschlossen. Andere Hilfen hat das Land bereits auf den Weg gebracht. Doch wie sehen Betroffene die Maßnahmen, was bringen sie ihnen? Ein Firmeninhaber und eine Künstlerin berichten.

Eine Übersicht der Hilfsangebote finden Sie hier.

Der Unternehmer

„Für mich ist das womöglich die Schließung“, sagt Uwe Pews. Mit einem Partner betreibt er eine Firma für Sicherheitstechnik im Duisburger Süden. Etwa zwei Drittel seines Umsatzes entfallen auf den Verkauf und den Einbau von Riegeln, Kameras, Meldern, etwa ein Drittel auf den Rolladenbau, nur einen kleinen Teil bringt der Schlüsseldienst, „wir konkurrieren hier nicht mit den Haien am Markt“. Das Geschäft ist fast zum Erliegen gekommen. Nur einige Bestellungen von Stammkunden bedient er noch, indem er die Teile zur Abholung vors Geschäft legt. „Ein Panikschloss, das fehlt, kann Leben kosten.“

Die Hoffnung hat Uwe Pews noch nicht ganz aufgegeben, aber einen Mitarbeiter musste er bereits abmelden. Seine zwei Teilzeitkräfte, eine für Reinigung, einer für kleinere Reparaturarbeiten, kann er bald auch nicht mehr weiter beschäftigen. Für seine zwei Vollzeitstellen wird er Kurzarbeit beantragen. Auf Gehalt verzichten die Inhaber.

Über seinen Steuerberater will Pews die Angebote des Staates natürlich ausschöpfen - von der Steuerstundung über die Soforthilfe für kleine Unternehmen, die seit Freitagmittag beantragbar ist. 9000 Euro macht das in seinem Fall - für drei Monate. „Aber wir haben mit den Gehältern Fixkosten von 15.000 bis 17.000 Euro pro Monat.“ Auch ein Kredit und Steuerstundungen, sagt er, brächten ihm nicht viel. „Das muss ich ja zurückzahlen. Wenn 30.000 Euro übers Jahr fehlen, ist das für uns nur schwer aufzuholen. Wir leben seit langer Zeit von Monat zu Monat.“ Der 63-Jährige rechnet zudem damit, dass die Kaufkraft zurückgeht: „Wenn die Leute Angst vor Einbrechern haben, kaufen sie Sicherheitstechnik. Aber jetzt haben sie Angst, dass die Wirtschaft kaputtgeht - und geben kein Geld aus außer für Klopapier.“

Die Künstlerin

„Das sind wahrlich seltsame Zeiten, wenn ich schon beginne zu kochen“, schreibt Jelena Ivanovic auf Facebook. Dazu das Bild eines sehr ansehnlichen Auflaufes. Das ist natürlich heiter kokettiert, aber die Künstlerin aus Essen lebt gerade von ihrem Notgroschen. Die Tanzwoche Dresden, für die sie als Choreografin gebucht war - verschoben. Ob ihre Veranstaltungsreihe „Kunstbaden“ im Essener Grugabad im Mai startet? Unwahrscheinlich. Ihre Yoga- und Tangokurse - plötzlich verboten. Die Arbeit mit Kindern aus sozial schwachen Familien - unmöglich. Ihr Stück „Heimat?“ soll im August Premiere haben in Kleingärten des Ruhrgebiets. Herbst klingt wie Hoffnung.

„Ich hoffe sehr, dass es im Mai wieder los geht, und dass die Aufträge nur verschoben sind“, sagt Jelena Ivanovic. „Der Verdienstausfall von zwei Monaten entspricht ungefähr meinem Ersparten.“ Einige Freunde haben ihr schon Unterstützung angeboten. „Das ist super lieb, dass ihr an mich denkt“, hat sie öffentlich geschrieben. „Meine Antwort: noch nicht.“ Sie findet es „seltsam, dass einige Künstler schon am Tag eins der Krise anfangen auf Spendenbasis zu arbeiten“, indem sie etwa auf Crowdfunding setzen. „Ich möchte nicht, dass jemand mir Geld spendet und drei Monate später hat er Probleme“.

Dann lieber öffentliche Fördermittel. Aber auch hier „gibt es einen richtigen Run - was clever ist, aber nicht besonders sozial“. Am liebsten würde sie es allein schaffen. Für die 2000 Euro Soforthilfe des Landes für freischaffende Künstler hat die Choreografin sich allerdings auch sogleich beworben. Die erste Mail kam zurück - Postfach voll. Übers Wochenende hat die Bezirksregierung es offenbar bearbeitet, auf die zweite Mail kam sinngemäß die Antwort: Wir wurden überrannt. Und so war es dem Hörensagen nach bei allen Töpfen, sei es bei Gewerkschaften oder Stiftungen. Das Land will jedoch aufstocken. Ivanovic steht nun auf einer Liste. Während sie also wartet, schreibt sie Konzepte für Theater und Tanz, arbeitet an ihrem Kulturmanager-Abschluss und macht - endlich - die Steuern.

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