Stromausfall

Was passiert, wenn der Strom für mehrere Tage ausfällt

Kurze Stromausfälle sind keine Seltenheit. Doch was passiert, wenn das Licht für mehrere Tage ausgeht?

Kurze Stromausfälle sind keine Seltenheit. Doch was passiert, wenn das Licht für mehrere Tage ausgeht?

Foto: Gregory Dubus/Getty

Essen.   Naturkatastrophen oder gezielte Angriffe auf Stromversorger können zu einem mehrtägigen Stromausfall führen. Was man im Ernstfall beachten sollte

Züge und U-Bahnen kommen auf einmal zum Stehen. Die Telefonleitung ist tot. Das Internet ist weg. Das Licht geht aus. Blackout. Wie sehr der Mensch auf Strom angewiesen ist, vergessen wir gerne – schließlich ist er rund um die Uhr problemlos verfügbar. Doch was passiert, wenn der Strom für längere Zeit ausfällt?

Unsere moderne Welt ist abhängig. Schon bei einem kurzen Stromausfall bekommen wir die Auswirkungen schnell zu spüren; Elektrische Türen im Supermarkt geben den Geist auf, Fahrstühle bleiben stehen, Ampeln und Heizungen fallen aus. Ist der Strom nur für ein paar Stunden weg, hält der Akku vom Handy noch durch. Doch bei längerfristigen Stromausfällen häufen sich die Probleme schnell: Lebensmittel verderben in ungekühlten Kühlschränken, es gibt kein Benzin mehr, die Banken sind geschlossen und die Kommunikation fällt weitestgehend aus.

Gefahr durch Wetter und Cyberangriffe

Das deutsche Stromnetz gilt allerdings als sehr sicher; wie das Wirtschaftsministerium NRW mitteilt, liegt die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je Stromanschluss und Jahr gerade einmal bei 15 Minuten, und das schon seit Jahren. Auslöser können Defekte in Kraftwerken oder Beschädigungen an Leitungen sein. Diese lokalen Ausfälle können durch Schaltmaßnahmen der Netzbetreiber oft auf wenige Minuten begrenzt werden. Zusätzlich sorgt der Zusammenschluss der europäischen Stromnetze für Stabilität. Die Mitglieder dieses Verbundnetzes helfen sich, beispielsweise bei einem Kraftwerksausfall, gegenseitig.

Dennoch kann das System durch mehrere Einwirkungen auf das Stromnetz zum Erliegen kommen. So haben zum Beispiel Umweltkatastrophen in den letzten Jahren häufiger zu sogenannten Blackouts geführt. So wie 2016, als Starkregen und Hochwasser für tagelangen Stromausfall im Rottal-Inn-Kreis in Niederbayern führten. Aber auch die extreme Hitze, die NRW im letzten Jahr zum Schwitzen brachte, bringt die Stromnetze an ihre Grenzen, einige Städte haben mit Kabelschäden zu kämpfen. Auch die Gefahr durch Hacker-Angriffe auf die Netze der Stromversorger wird größer.

Kreis Recklinghausen installiert Notfall-Infopunkte

Mit Blick auf solche Szenarien hat der Kreis Recklinghausen Anfang des Jahres als erste Region sogenannte Notfall-Infopunkte eingeführt. Die insgesamt 81 Punkte sind mit großen Hinweisschildern versehen und vornehmlich an öffentlichen Gebäuden angebracht. Das Konzept der Kreisfeuerwehr soll aktiviert werden, wenn Telefone wegen eines länger andauernden Stromausfalls nicht mehr funktionieren.

Die Punkte dienen im Ernstfall als Anlaufstellen, um Hilfe zu erhalten. Dann werden sie mit Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei, DRK, THW oder DLRG besetzt. Gibt es einen Notfall im Haushalt oder einen Brand, können Notrufe über diese Stellen abgesetzt werden. Eine Idee, die auf offene Ohren stößt. Wie der Kreis Recklinghausen bekannt gibt, erkundigen sich bereits andere Städte nach dem Konzept.

„Der Katastrophenschutz kann nicht alles abdecken“

Die Idee zu diesem Projekt kam von Kreisbrandmeister Robert Gurk, der nach einer Krisenstabsübung feststellte, dass die Einsatzkräfte nicht genug auf so einen Fall vorbereitet waren. „Die Kommunikation fällt relativ schnell aus, viele Funkstationen haben keine Notstromversorgung“, erklärt er. Deshalb sind die zentralen Infopunkte überall dort angebracht, wo viele Bürger im Notfall Hilfe suchen; bei Feuerwehr und Polizei. Liegen diese ungünstig, gibt es aber auch Infopunkte an Schulen oder Marktplätzen.

Der Kreis arbeitet immer weiter an seinem Katastrophenplan und ist zurzeit in Gesprächen mit der Raffinerie in Gelsenkirchen und dem Verkehrsunternehmen Vestische, um Dieselreserven für Notstromaggregate in Krankenhäusern und in der Wasser- und Abwasserversorgung zu sichern. So können diese im Notfall auch über Tage am Laufen gehalten werden. „Die Infopunkte sind allerdings nur eine Teillösung“, betont der Kreisbrandmeister. „Der Katastrophenschutz kann nicht alles abdecken. Jeder Einzelne sollte sich zumindest grob selbst behelfen können.“

Vorbereitung ist alles

Die Selbsthilfe, so Gurk, sei entscheidend. Im März hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) einen neuen Leitfaden für Bürger herausgebracht. Dort wird erklärt, wie ein Stromausfall abläuft und welche Vorbereitungen getroffen werden können. Der Selbstschutz wird im Fall eines Blackouts groß geschrieben, da das öffentliche und soziale Leben innerhalb weniger Tage zusammenbrechen könnte. „Strom ist allgegenwärtig“, so Gurk, „doch die wenigsten Menschen wissen, was sie ohne ihn tun sollen.“

Die sogenannten „Prepper“ (englisch für „Preparation“= Vorbereitung) beschäftigen sich mit genau solchen Szenarien, trainieren für den Ernstfall und haben sich teils große Vorräte angelegt. Die „Prepper Gemeinschaft Deutschland“ ist der wohl größte Zusammenschluss von Preppern in Deutschland. Sie tauschen sich in Internetforen aus und teilen ihre Erfahrungen. Auch unter den Preppern gibt es Unterschiede; einige konzentrieren sich auf medizinische Versorgung, andere auf Selbstverteidigung.

BKK gibt Tipps für geeignete Vorräte

Es reicht allerdings oftmals, gewisse Basics im Haus zu haben. Das BKK hat eigens dafür eine Checkliste erstellt, die im Internet heruntergeladen werden kann. Dort wird den Bürgern geraten, immer einen 10-Tages-Vorrat mit den wichtigsten Lebensmitteln und Utensilien im Haus zu haben, falls die Versorgung zum Erliegen kommt.

Einige Tipps für die Vorsorge und zum richtigen Verhalten während eines Stromausfalls:

  • Informationen zum Stromausfall gibt es beim eigenen Stromnetzbetreiber. Die Notrufnummern von Polizei und Feuerwehr sind weiterhin nur für Notfälle reserviert. Bei längeren Stromausfällen sollte man sich bei der Stadtverwaltung informieren, wo und wie Informationen an die Bürger weitergegeben werden.
  • Genug Wasser, Getreide, Gemüse und Konserven sollte gelagert werden.
  • Für genug Licht sorgen Kerzen, Taschen- oder Campinglampen, die entweder mit einer Kurbel oder Batterien betrieben werden können.
  • Um kleine warme Mahlzeiten zubereiten zu können, ist es ratsam, einen Campingkocher im Haus zu haben.
  • Elektrische Geräte und Heizungen sind bei einem Stromausfall auszuschalten. So wird eine potenzielle Überlastung ausgeschlossen, wenn die Stromversorgung wieder anspringt.
  • Bei Hochwasser ist es besonders wichtig, elektrische Geräte und Heizungen zu sichern und die Stromversorgung für alle vom Wasser bedrohten Räume manuell auszuschalten. Sonst droht die Gefahr eines lebensgefährlichen Stromschlags.
  • Warme Kleidung hilft bei einer ausgefallenen Heizung.
  • Auch an pflegebedürftige Angehörige sollte gedacht werden; sie müssen notfalls einige Tage selbstständig gepflegt werden.
  • Informationen des Krisenstabs und der Stromversorger werden über den Rundfunk kommuniziert: ein batteriebetriebenes Radio oder das Gerät im Auto sind wichtige Werkzeuge, um mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben.

Die gesamte Checkliste zum Herunterladen gibt es hier.

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