Ferienbeginn

Wie das Ruhrgebiet in die Sommerferien gestartet ist

Lara wartet auf den Zug nach Berlin.

Lara wartet auf den Zug nach Berlin.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Ruhrgebiet.  Das halbe Ruhrgebiet geht jetzt auf Reisen. Wir trafen Menschen, die träumen von Festival, Campingplatz, Bötchenfahrt und Sternenhimmel.

Laras Zelt ist schon am Ziel. Freunde haben es am Donnerstag mitgenommen nach Lichterfeld in Brandenburg, zum Musikfestival „Feel“, während sie noch eine Nachtschicht vom Urlaub trennte. So, das war’s: Von dieser Nachtschicht ist die junge Frau zum Essener Hauptbahnhof gelaufen, hat ihren Klappstuhl auf Bahnsteig 4 aufgebaut, ganz am Ende, da, wo keine anderen Leute sind; da sitzt sie nun neben ihrem Riesen-Rucksack und harrt des Zuges.

Und zwar länger. 8.23 fährt ein ICE nach Berlin, 10.23 Uhr der nächste – da hat sie doch entschlossen den um 9.23 Uhr nehmen wollen. Nun gut. Dinge passieren. „Ich versuche, immer Bahn zu fahren“, sagt die junge Frau aus Dortmund. In Berlin wird sie umsteigen in den Regionalexpress nach Finsterwalde, „und dann muss man noch ein Stück laufen, ich gucke dann da.“ 10.23 Uhr. Gute Fahrt zum Festival! „Ich freue mich da schon das ganze Jahr drauf.“

2,5 Millionen Schüler in NRW haben jetzt Ferien

Der letzte Schultag ist vorbei. Endlich! 2,5 Millionen Schüler haben jetzt Sommerferien in NRW, 200.000 Lehrer auch. Das Ruhrgebiet reist ab. Freitag, Samstag, Sonntag. Manche werden Montag wieder hier sein, andere in drei Wochen. Zu Lande reisen sie ab, wo irgendwelche Menschen Stau-Kilometer zusammenzählen; in der Luft, wo das befürchtete Kontroll-Chaos am Flughafen Düsseldorf zum wiederholten Mal ausbleibt.

Die Kritik an der gefürchtet langsamen Gepäckauslieferung kommt an diesem Tag von Flughafen-Chef Thomas Schnalke selbst: „Verspätungen kommen in unseren Augen deutlich zu oft vor“, sagt er der Zeitung „Rheinische Post“ und macht die Fluglinien verantwortlich.

Sie nehmen an Bord keine Plastikbecher – sondern eine Thermoskanne

Beata Stoltysek, Hans Georg Seyl und ihre Carolina (7) haben damit gottlob nichts zu tun, sie fliegen ja erst ab. In dreieinhalb Stunden, da kann man gut in Terminal 1 noch Bananen essen und harte Eier und locker drauf sein. Das passende Ziel heißt: San Francisco. Wieder mal. Denn da leben Freunde. „Wir fahren durch Kalifornien“, sagt Hans Georg. Die Freunde, „die Natur, die Berge, die Nationalparks“. Sie sagt: „Ich habe erst festgestellt, wie zugebaut hier alles ist, als ich alleine in der Wüste stand. Und der Sternenhimmel!“

Das Paar ist aus Köln gekommen. Mit dem Zug. „Wenn wir schon fliegen, wollen wir wenigstens mit der Bahn herkommen“, sagt er. Und, dass sie keine Getränke in Plastikbechern an Bord des Fliegers annehmen. „Ich habe eine Thermoskanne mit, da lasse ich mir einfüllen.“ Noch ein Tipp an dieser Stelle, der das Zeug hat, das allgemeine Umweltbewusstsein stark zu fördern: Mit Thermoskanne kriegt man auch mehr.

„Die Weizenschwestern“ fahren in ein Sauerland-Hotel

Eine Stunde später, Fernbusbahnhof, Essen. „Da kommen die beiden“, sagt Gisela Landrath und zeigt auf die andere Straßenseite. Bald werden sie vollständig sein, werden alle acht Damen da sein vom Kegelverein „Die Weizenschwestern“. Es geht mit dem Bus nach Attendorn ins Sauerland. „Anstrengend“, sagt Gabi Lemke, „wir haben lauter Nachteulen dabei, und es wird viel Kaffee getrunken“.

Einmal im Jahr machen sie so ein langes Wochenende. Spazieren gehen. Eine Bötchenfahrt auf dem Biggesee. „Wir lassen uns treiben“, sagt Landrath. Das Hotel hat irgendein Programm vorbereitet, „da lassen wir uns überraschen“. Im Mittelpunkt stehe in den nächsten Tagen „die Gemeinschaft, das Zusammensein“. Trinken stehe im Hintergrund. „Das hat schon nachgelassen.“

„Wir machen Camping wegen des Hundes“

Und dann gibt es ja noch die, die auf ihrem Weg in den Urlaub durch das Ruhrgebiet kommen, wie Sandra und Ingo Justus aus der Gegend von Marburg in Hessen. Da sind sie um 6.45 Uhr losgefahren und parken ihren Wohnwagen um 11.15 Uhr auf der A2-Raststätte „Resser Mark“ ein. „Baustelle, Stau, Baustelle, Stau“, sagt die 32-Jährige. Der Weg in den Urlaub ist mit geplatzten Zeitplänen gepflastert.

Holland ist das Ziel, ein Campingplatz bei Zeewolde. „Freunde waren da und haben ihn empfohlen.“ Und dann natürlich: Holland! „Das Land ist toll, die Menschen sind toll, das Meer ist toll“, sagt Ingo Justus. Und nicht zu vergessen: Der Campingplatz, den sie ansteuern, soll hundefreundlich sein. Sie haben nämlich Kimi mit, 13, „rasseechter Straßenköter“, sagt der 35-Jährige. Mit einem Hund auf dem Campingplatz könne man Glück oder Pech haben. In Zeewolde, haben die Freunde gesagt, würden sie Glück haben. Bester Dinge sagt Sandra Justus: „Wir machen Camping wegen des Hundes.“

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