Corona

Absage oder nicht? Wie Hochzeitspaare alles richtig machen

Julia Keggenhoff aus Sundern von der Agentur Traumhochzeit Sauerland ist Hochzeitplanerin und Traurednerin. Viele ihrer Paare haben wegen des Coronavirus bereits abgesagt oder überlegen dies zumindest. F

Julia Keggenhoff aus Sundern von der Agentur Traumhochzeit Sauerland ist Hochzeitplanerin und Traurednerin. Viele ihrer Paare haben wegen des Coronavirus bereits abgesagt oder überlegen dies zumindest. F

Foto: HO / WP

Sundern  Manche Paare planen anderthalb Jahre lang den schönsten Tag des Lebens. Eine Hochzeitsplanerin erzählt, wie es jenen ergeht, die absagen müssen.

Träume zu erfüllen, ist der Job von Julia Keggenhoff (31). Aber die Produktion steht gerade still. „Wir befinden uns kurz vor dem Beginn der Hochzeitssaison, die sonst mit dem April startet“, sagt die Sauerländerin. Sie ist Hochzeitsplanerin und macht den schönsten Tag zum schönsten Tag des Lebens. Nur halt jetzt gerade nicht. Aus dem Traum ist ein kleiner Albtraum geworden.

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Die vier Paare, die im April dran gewesen wären, haben der Hochzeitsplanerin bereits abgesagt, auch die Herrschaften, die sich im Mai und Juni ehelichen wollen, haben die Hand schon an der Reißleine. Ein August-Paar hat bereits alles über den Haufen geworfen. „Wir können derzeit nur zuhören, Rat geben und versuchen, die Angst zu nehmen“, sagt Julia Keggenhoff, die für die europaweit agierende Agentur Traumhochzeit im Sauerland arbeitet und Hochzeiten in ganz Südwestfalen organisiert. Manchmal ist sie auch dabei, wenn Braut und Bräutigam in Italien oder an der Nordsee feiern.

Corona: Auch Hochzeiten im August sind schon abgesagt

„Die meisten Paare planen ihre Hochzeit rund anderthalb Jahre lang“, sagt die Frau aus Sundern. Die durchschnittliche Hochzeit wird 100 Stunden gedacht, sieht 100 Gäste vor – und kostet 20.000 Euro. „Der Wert ist nach oben offen“, sagt Julia Keggenhoff. Eine Doppel-Hochzeit in Kierspe ist schon abgesagt, die XXL-Feier in Sundern mit 180 Gästen steht auf der Kippe. In einem weiteren Fall ist die Braut schwanger, die Hochzeit sollte unbedingt vor der Niederkunft stattfinden. Daraus wird nichts. Und das Paar, das die Verwandtschaft aus den USA hatte einfliegen lassen wollen? Muss ebenfalls verschieben. Egal, ob die Tickets schon gebucht sind oder nicht.

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Dort, wo sonst Träume gemacht werden, muss nun ein bisschen Trost gespendet werden. Liegen die Nerven blank? Rufen in Tränen aufgelöste Bräute im Minutentakt an?

Enttäuschung ja, Panik nein

„Ich habe ehrlicherweise auch mit solchen Szenen gerechnet“, sagt Julia Keggenhoff, „aber die Paare in diesem Jahr scheinen außergewöhnlich entspannt zu sein und reagieren sehr gefasst. Man merkt ihnen schon die Enttäuschung an, aber sie sehen, dass es keinen anderen Weg gibt.“

Mit den Paaren verschickt sie derzeit Karten. In Anlehnung an die „Save the date“-Karten sind es jetzt „Change the date“-Notizen. Die meisten verschieben von jetzt schon direkt auf das Jahr 2021. Dort kollidieren sie mit jenen, die sich die Termine im neuen Jahr schon 2019 ausgesucht haben. Alles nicht so leicht. Aber kein Grund zur Panik.

Rat der Hochzeitsplanerin: Ruhe bewahren

„Ich rate allen, die Ruhe zu bewahren und jetzt erst einmal bis Mitte April abzuwarten. Alle, die voreilig handeln aus der Angst heraus, dass es nichts werden könnte mit der Feier, riskieren Geld zu verlieren“, sagt Julia Keggenhoff. Erst wenn die Landesregierungen mit weiteren Erlassen einen rechtlichen Rahmen geschaffen haben, sollten weitere Schritte eingeleitet werden. Denn wenn die Location nicht öffnen, die Band nicht auftreten und der Caterer nicht liefern darf, dann werden auch keine vertraglichen Stornogebühren fällig.

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Und am Ende würde dann doch alles irgendwann gut werden – hofft Julia Keggenhoff. „Ich kenne keinen Fall, in dem die Hochzeit nicht nachgeholt werden soll. Die Dienstleister sind – nach allem, was ich mitbekommen habe – sehr kulant. Das heißt im Moment hilft nur: sprechen, sprechen, sprechen.“ Heißt: die Location, die Band, das Restaurant – alle bekommen ihr Geld. Und das Paar seine Traumhochzeit. Nur eben später.

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Das Erzbistum Paderborn hat schon vor einigen Wochen bekannt gegeben, dass Trauungen "in der kirchenrechtlich vorgeschriebenen Mindestform zunächst bis zum 19. April 2020 nicht möglich" sein werden.

Standesamtliche Hochzeiten gibt es durchaus noch. Die Stadt Hagen teilt auf seiner Homepage beispielsweise mit, dass das Standesamt "grundsätzlich geschlossen" bleibt, Bearbeitet werden nach telefonischer Terminabsprache z.B. Nottrauungen. "Eheschließungen, die bis zum 19. April 2020 terminiert sind, fänden nur noch im Trauzimmer statt. Die maximale Personenzahl ist auf vier (Brautpaar und ggf. zwei Trauzeugen) begrenzt.

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