Titan-Spezialisten

Arconic-Tital hilft der Luftfahrt Treibstoff zu sparen

Arconic Tital stelle am Standort Bestwig Komponenten für die Flugzeugbau her.

Foto: Arconic Tital

Arconic Tital stelle am Standort Bestwig Komponenten für die Flugzeugbau her. Foto: Arconic Tital

Bestwig.   Feinguss-Spezialisten aus Bestwig beliefern alle großen Flugzeugbauer mit Komponenten aus Aluminium und Titan. 2018 Verdoppelung der Kapazität.

Vom mittelständischen Unternehmen zum Teil eines Weltkonzern: Nach fast drei Jahren hat der Feinguss-Spezialist Tital in Bestwig sowohl die Integration in die Alcoa-Gruppe wie auch die anschließende Neuaufstellung dieses Konzern bewältigt. Das Werk im Hochsauerland gehört inzwischen zu Arconic, einer eigenständigen Unternehmensgruppe, nachdem sich Alcoa im November letzten Jahres in zwei separate Unternehmen getrennt hat. Thomas Stephan, seit 2002 bei Tital, hat den Schritt in den Konzern nicht bereut: „Mit früheren Wettbewerbern innerhalb der Arconic-Gruppe können wir heute offen reden und uns austauschen – und gegenseitig voneinander lernen“.

Millioneninvestition

Thomas Stephan, Direktor für das Europa-, Asien- und Südamerika-Geschäft des Konzernteils APP (Arconic Power and Propulsion), zählt alleine neun Strukturgießereien auf, die Arconic weltweit betreibt. Früher waren acht davon Tital-Konkurrenten. Heute sind es Konzerntöchter, also Geschwister der Tital GmbH, die ihren Platz in der Arconic-Familie gefunden hat. Und offenbar keinen schlechten: Die Erweiterung des Standorts steht für die Aufbruchstimmung.

Zwei Hallen sind bereits in die Höhe gezogen worden. Eine „komplette zusätzliche Titanfertigungsstraße“ hat dort Platz gefunden. Über die genaue Höhe der Investition schweigen Stephan wie auch Jasper van Zon, Konzernsprecher für Europa. Mit Details halten sie sich zurück, verweisen darauf, dass der Konzern ein börsennotiertes Unternehmen ist. Aber sie lassen durchblicken: Es ist eine Millioneninvestition. Das spricht dafür, dass der Standort Bestwig eine feste und auch zukünftig wichtige Größe innerhalb des Konzerns ist.

In der ersten Jahreshälfte 2018 soll die Serienproduktion in der neuen Titanfertigung beginnen. „Damit verdoppeln wir unsere Kapazitäten in Bestwig“, erklärt Stephan die Bedeutung.

Komponenten für die Luftfahrt

Die Bestwiger Feingussspezialisten profitieren davon, dass die Luftfahrtbranche sparen muss. An Kosten und Gewicht bei den Flugzeugen. Um den Treibstoffverbrauch zu reduzieren. Oder mehr Passagiere oder Fracht transportieren zu können. Die verbauten Komponenten sollen leichter werden, aber gleichzeitig nicht an Stabilität einbüßen. Genau darauf hat sich das Arconic Werk in Bestwig spezialisiert. Auf die Herstellung von hoch komplizierten Bauteilen aus Titan und Aluminium: vom Lufteinsaugstutzen über Türbeschläge bis hin zu Triebwerkskomponenten. Die Bestwiger schaffen dabei im Feinguss kleine, geradezu filigrane Bauteile wie auch kompakte, schwere Komponenten. 2008 ist „der größte Titanschmelzofen Europas“ in Betrieb gegangen. Auch fast zehn Jahre später hat sich an dem Alleinstellungsmerkmal nichts geändert. Arconic Tital kann Titanbauteile bis zu einem Gewicht von einer halben Tonne und einem Durchmesser von 1,5 Meter abgießen.

Teile für Zivil- und Militärmaschinen

Um den Anforderungen der Luftfahrtindustrie – „Alle großen Flugzeughersteller gehören zu unseren Kunden“ –, gerecht zu werden, schauen die Arconic-Ingenieure, wie sich etwa zwei Bauteile, die bisher einzeln bearbeitet und anschließend zusammengesetzt werden, als ein einziges Teil gießen lassen. „Wir sind in einem anspruchsvollen Markt stark gewachsen“, urteilt Thomas Stephan über die Arconic-Strategie. Zu 90 Prozent bedient das Werk in Bestwig die Luftfahrtindustrie – und zwar sowohl die zivile wie die militärische.

Belegschaft deutlich gewachsen

900 Mitarbeiter beschäftigt Arconic in Bestwig. Probleme mit dem Fachkräftenachwuchs hat das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht. „Wir finden die Menschen, die wir brauchen“, sagt Thomas Stephan. Überwiegend in der Region. Innerhalb der letzten zwölf Monate ist die Belegschaft laut Stephan um 20 Prozent gewachsen. Das mag am interessanten Tätigkeitsfeld liegen. Und daran, dass die Marke offenbar einen guten Ruf genießt.

Früherer Mittelständler heute im Weltkonzern

Die Tital GmbH (Titan- und Aluminium-Feinguss) wurde 1974 von den Unternehmen Honsel und Heraeus in Bestwig gegründet; 2002 übernahm Heraeus alle Anteile. 2010 folgte die Übernahme durch das damalige Tital-Management. 2015 ließ sich Tital von Alcoa übernehmen, ein Jahr später folgte die Aufteilung des Konzerns in Alcoa (Aluminium- und Bauxitabbau) und Arconic.

Arconic hat in Deutschland, inkl. Bestwig, neun Standorte und beschäftigt nach eigenen Angaben 1600 Mitarbeiter davon 900 in Bestwig. Weltweit hat Arconic 2016 einen Umsatz von 12,4 Milliarden Euro gemacht.

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