Elektromobilität

Arndt G. Kirchhoff: „Die kommenden Monate sind entscheidend“

Eine Ladestation an der neuen Zentrale der Funkemediengruppe in Essen. Die Automobilindustrie fordert von der Politik, endlich die „rückständige Infrastruktur“ (Arndt G. Kirchhoff) auf Vordermann zu bringen.

Eine Ladestation an der neuen Zentrale der Funkemediengruppe in Essen. Die Automobilindustrie fordert von der Politik, endlich die „rückständige Infrastruktur“ (Arndt G. Kirchhoff) auf Vordermann zu bringen.

Foto: Lars Heidrich

Hagen.   Die Automobilbranche in Deutschland verabschiedet sich von Technologieoffenheit und setzt zunehmend auf Elektromobilität – getrieben von China.

Die Nervosität in der Automobilbranche steigt. Das Vorpreschen von VW-Chef Herbert Diess zugunsten von Elektrofahrzeugen war kein Alleingang. Hersteller wie BMW und Daimler, der Verband der Automobilindustrie und damit auch die Zulieferer erhöhen den Druck auf die Politik. „Wenn wir die CO2-Reduktionsziele der Europäischen Union bis 2030 erreichen wollen, dann muss die Politik dafür auch die Rahmenbedingungen in gleicher Geschwindigkeit anpassen“, fordert NRW-Unternehmerpräsident Arnd G. Kirchhoff gegenüber der WESTFALENPOST.

Die Infrastruktur für Elektromobilität sei rückständig. „Wir sehen die Notwendigkeit, dass die Politik vom Bund bis zu den Kommunen schnell handelt. Die kommenden Monate bis drei Jahre sind entscheidend. 2019 und 2020 kommen sehr viele elektrische und teilelektrische Modelle auf den Markt. Fehlt dafür die Infrastruktur, wird niemand diese Fahrzeuge kaufen“, warnt Unternehmer Kirchhoff.

Ein Scheitern der bei VW mit Milliardeninvestitionen eingeleiteten Mobilitätswende wäre bedrohlich, nicht nur für den weltgrößten Hersteller Volkswagen, sondern auch für Zulieferer, die – noch – rund 80 Prozent der Komponenten für Pkw herstellen. Allerdings denken Autobauer vermehrt darüber nach, wieder mehr Wertschöpfung unter das eigene Dach zu holen.

Die Forderung von VW-Chef Diess, die steuerliche Subventionierung des Diesels zugunsten von E-Autos umzulenken, hält Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr beim Deutschen Institut für Wirtschaft, für richtig: „Die CO2-Grenzwerte in der EU müssen verschärft werden, die Dieselsteuer angehoben auf das Niveau von Benzin.“ Kirchhoff hält den Diesel dagegen sogar für „den Rettungsanker, um die Klimaziele einzuhalten, weil er 15 bis 20 Prozent weniger CO2 ausstößt als Benziner.“ Massiven Arbeitsplatzabbau durch die Beschleunigung der Mobilitätswende fürchtet er nicht. Nach wie vor sähen die Zulieferer in Südwestfalen mit der E-Mobilität mehr Chancen als Risiken verbunden.

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