Corona

Enttäuschung im Herzen: Wenn der Weiße Sonntag ausfällt

Jakob Ungemach (rechts unten) hätte jetzt gerne seine Erstkommunion gefeiert. Vor drei Jahren war sein großer Bruder Justus (zwischen seinen Eltern Christian und Anna sowie Schwester Franziska) bereits Kommunionkind.

Jakob Ungemach (rechts unten) hätte jetzt gerne seine Erstkommunion gefeiert. Vor drei Jahren war sein großer Bruder Justus (zwischen seinen Eltern Christian und Anna sowie Schwester Franziska) bereits Kommunionkind.

Foto: privat

Hagen.  In der Corona-Krise wurden auch die Erstkommunion-Feiern abgesagt. Die Kommunionkinder sind enttäuscht, verstehen aber die Entscheidung.

Es sollte ihr großer Tag werden, sie hatte sich schon so auf ihre Erstkommunion gefreut. Als Sophie (9) erfuhr, dass die Feier wegen der Corona-Krise abgesagt werden musste, sind einige Tränen geflossen. „Sie war sehr traurig“, sagt ihre Mutter Barbara Kotthoff, „aber sie konnte die Entscheidung verstehen.“

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: „Wir wissen, dass die Termine für die Erstkommunion nach dem 30. Juni liegen werden. Mehr noch nicht“, so die Mutter aus Meschede. Niemand weiß, wie lange noch das Coronavirus das öffentliche Leben lahm legt, wie lange noch Sophies Kommunionkleid im Schrank hängen bleiben muss.

Die dritte Kinderkommunion bei den Kotthoffs

Es sollte die dritte Kinderkommunion bei den Kotthoffs sein. „Im Grunde hatten wir fast alles schon organisiert“, sagt Barbara Kotthoff. Fünf von sechs Katechesen (Kommunionunterricht) hatten bereits stattgefunden.

Auch Jakob (9) hatte dem Tag seiner Erstkommunion in der St-Walburga-Gemeinde Meschede entgegen gefiebert. Dass es damit nichts wird, findet er „blöd“, wie er am Telefon sehr ehrlich zu dem Reporter sagt und damit vielen Kommunionkindern, aber auch Konfirmanden im Land aus der Seele spricht. Und ja, er sei traurig – „ein bisschen“. Ihr Sohn verstehe natürlich, ergänzt seine Mutter Eva Ungemach, „dass es in diesen Zeiten einfach nicht geht“.

Auch Enttäuschung bei Pfarrern

Vernunft im Kopf und Enttäuschung im Herzen - das gehört in diesen Tagen rund um die Absage von Kommunionfeiern zusammen. Geistliche machen da keine Ausnahme: „Auch für mich - und die Vorbereitungsgruppen - ist das Ganze sehr schade“, sagt Pfarrer Daniel Meiworm von der St.-Petri-Gemeinde in Hüsten, „alle haben auf dieses Ziel hingearbeitet.“

Das Wort- und Liederprogramm für den Gottesdienst war ebenso fertig wie die Planungen für die Begleitung der Kommunionkinder durch die Osterzeit. „Die Jungen und Mädchen erleben den Kern unseres Glaubens nicht mehr so hautnah, wenn sie nicht mit Palmzweigen in die Kirche einziehen oder an der Fußwaschung an Gründonnerstag teilnehmen.“ Stattdessen erhalten sie das Osterlicht an der Haustür, „Handreichungen“ gibt es per E-Mail oder stehen auf der Internetseite der Kirchengemeinde.

Neue Termine in der zweiten Jahreshälfte

Pfarrer Meiworm hofft auf . Mit einer Verschiebung auf das kommende Jahr könnte er sich wie viele Eltern nicht so recht anfreunden: „Zwei Jahrgänge: Das würde personell und organisatorisch schwierig. Und wir liefen Gefahr, dass uns Kinder von der Stange gehen.“

Sophie Kotthoff und Jakob Ungemach haben in dieser Woche Post vom Mescheder Pastoralteam bekommen: „Ein kleines Buch mit Anregungen, wie die Kommunionvorbereitungen weitergehen und das Osterfest auch zu Hause gefeiert werden kann“, sagt Barbara Kotthoff, „eine sehr schöne Idee.“ Die Osterzeit, ergänzt Eva Ungemach, sei eigentlich die wichtigste Zeit als Kommunionkind. „Wir haben jetzt Materialien und Hilfestellung im Kleinen.“

Wichtiges Geschäft für die Gastronomie

Die Restaurant-Reservierung für die Kommunionfeier hat Familie Ungemach „auf unbestimmte Zeit“ verschoben. So wie andere Familien von Kommunionkindern auch. Bei Ingo Schneider vom gleichnamigen Landgasthof in Schmallenberg-Westfeld ging noch am Dienstag eine Stornierung ein. „Kommunionfeiern sind für uns Gastronomen sehr wichtig, insbesondere in dem eher ruhigen Monat April. Diese Umsätze fehlen uns jetzt auch noch.“

Derweil blickt Andreas Wallentin von der Buchhandlung Daub in Menden auf ein prall gefülltes Kommunion-Regal in seinem Geschäft. Angesichts abgesagter Kommunionfeiern sind religiöse Kinderbücher oder das Gotteslob („es gehört nach wie vor zur Grundausstattung jedes Kommunionkindes“) eher Ladenhüter: „Für den Buchhandel sind die Absagen für den Moment schlecht. Aber, was auch für uns eine gute Nachricht ist: Die Erstkommunionfeiern sollen ja nachgeholt werden.“

Buchverkauf nicht zum Erliegen gekommen

Auch wenn sein Geschäft derzeit geschlossen ist, ist der Buchverkauf nicht zum Erliegen gekommen. „Die Bestellungen über unsere Internetseite retten uns derzeit.“ Die Familien hätten durch den Stillstand des öffentlichen Lebens wieder mehr Zeit für ein Buch.

Neben dem Buch ist auch ein Kreuz ein traditionelles Kommunionsgeschenk. „Seit vielen Jahren“, sagt Stefan Breuer vom Mendener Traditionsunternehmen Kissing. „Im Laufe der Zeit ist nur die Palette breiter geworden. Früher gab es nur Bronze-Kreuze, heute sind insbesondere Schmuckkreuze aus Edelstahl stark nachgefragt.“

Kommunion-Geschenke werden früh gekauft

Die Absagen von Kommunionfeiern haben den Produzenten von religiösen Devotionalien, Glaubenssymbolen und Hostienbackgeräten für den Einzel- und Großhandel nicht unmittelbar getroffen. „Wir hatten den überwiegenden Teil unserer Produkte bereits ausgeliefert. Die Leute kaufen Kommunion-Geschenke relativ früh.“

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Man kann es nicht oft genug sagen. Für Familie Ungemach könnte dies in der Nach-Coronazeit ein Besuch in einem Modegeschäft zur Folge haben. „Der Kommunionanzug von seinem großen Bruder (11) passt Jakob perfekt“, sagt Anne Ungemach, „das kann zu einem späteren Zeitpunkt ganz anders sein. Jakob wächst ziemlich schnell.“

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