Reitsport

Balve Optimum: Die (Reiter-)Welt zu Gast bei Freunden

Manfred Sommer verkauft seit 30 Jahren beim Balve Optimum Hüte.

Manfred Sommer verkauft seit 30 Jahren beim Balve Optimum Hüte.

Foto: Ralf Rottmann

Balve.  Das Balve Optimum ist nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern auch ein gesellschaftliches. Gerühmt wird die familiäre Atmosphäre.

Die Welt ist ein Dorf. Es liegt in diesen Tagen zwei Kilometer vom Balver Stadtzentrum entfernt auf dem Gelände des Wasserschlosses Wocklum. Die (Reiter-)Welt ist zu Gast bei Freunden. Trotz der sportlichen Wettbewerbe rund um die Deutschen Meisterschaften im Spring- und Dressurreiten herrscht auch bei der 71. Auflage des traditionellen Balve Optimum eine entspannte Atmosphäre. Sozusagen Wellness-Tage im Sauerländer Wohnzimmer der Ross- und Reiter-Szene.

Alle sind locker drauf bei der sportlichen wie gesellschaftlichen Großveranstaltung, die der „Region so gut tut“, wie es Ralf Geruschkat, Hauptgeschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), ausdrückt. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, der kurzfristig seinen erkrankten Parteifreund Wolfgang Bosbach auf dem Podium des traditionellen Wirtschaftsgesprächs im Schloss Wocklum ersetzt, scherzt bei seiner Vorstellung als „junge Legende“: „Man kennt mich von Youtube.“

Das Videoportal – und Menschen wie Blogger Rezo – gab es es noch nicht, als Manfred Sommer zum ersten Mal als Hutverkäufer beim Balver Optimum dabei war – vor 30 Jahren. Der 79-Jährige steht an seinem Stand auf der Shopping- und Flaniermeile und preist seine Panama-Hüte an, die in vielen Reit-Stadien dieser Welt als Sonnenschutz und Modeartikel zum guten Ton gehören – quasi die Pendants zu den berühmten Damen-Hüten beim königlichen Pferderennen von Ascot.

Panama-Hüte gehören zum guten Ton

Der Mann aus Bad Rothenfelde („Ich bin seit 50 Jahren Hutverkäufer“), der nach eigenem Bekunden den Hut zieht vor der familiären Atmosphäre in Balve, zeigt ein in Ecuador handgeflochtenes Exemplar aus Palm-Blättern, für das nicht weniger als 28 Arbeitstage benötigt wurden. „Der Hut hält 200 Jahre“, sagt Sommer. Kostenpunkt: 428 Euro. „Ich habe aber auch ganz andere Preislagen.“ Das ist typisch Balve Optimum: Auf den Wegen schlendern die Wohlbetuchten einträchtig neben Otto Normalbürger. Hier ist jeder ein Mensch zum Anfassen.

Sonja Schulte und Neele Kobitz sind zum ersten Mal mit einem Verkaufsstand beim zweitgrößten Reitturnier in Deutschland. Die Hohenlimburgerin Schulte vertreibt „Sauerland-Seifen“ („Glück am Stück“) und schwärmt von der Anlage mit Parcours und Dressurviereck rund um das Wasserschloss, das sie bislang nur von Spaziergängen kannte. Neele Kobitz ist zum ersten Mal im Sauerland. Die Schleswig-Holsteinerin hat ein Start-up-Unternehmen gegründet und vertreibt die von ihr entwickelte „Panik-Schlaufe“: „Sie ermöglicht sicheres Anbinden des Pferdes am Putzplatz.“ Sie habe sich sofort vom Sauerland verzaubern lassen, erzählt die Jung-Unternehmerin, „ich war schon auf vielen Reitsport-Veranstaltungen. Aber das Ambiente der malerischen Anlage hier im Sauerland ist schon etwas ganz Besonderes.“

Solche Komplimente hört Steffie Friske gerne. Die Balverin gehört zu den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die sich auch aus ihrem Reiterverein rekrutieren. „Halb Balve ist hier auf den Beinen.“ Das Optimum ist für viele Einwohner so bedeutsam wie das Balver Schützenfest – das will im Sauerland schon etwas heißen.

Kombination aus Spitzensport und gesellschaftichem Ereignis

Für Steffie Friske jedenfalls hat der fortwährende Erfolg der Balver Reitertage einen einfachen Grund: „die Kombination aus Spitzensport – bei der Dressur ist alles dabei, was weltweit Rang und Namen hat – und gesellschaftlichem Ereignis“. Dass die Optimum-Organisatoren um Rosalie Gräfin von Landsberg-Velen immer mit der Zeit gehen, zeigt der „Aktionszirkel“ auf dem Turniergelände im Orlebachtal, auf dem sich unter anderem „Influencer“ tummeln.

Auch der „Prominenz“ der sozialen Netzwerke dürfte während der vier Veranstaltungstage klar werden: Die (Reiter-)Welt ist im Sauerland zu Gast bei Freunden.

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