Festspiel-Tagebuch

Mein Bayreuth II: Opernmäntel im Zeitalter der Tiefgaragen

Bayreuth.  Opernmäntel sind nicht mehr zeitgemäß, zur Abendgarderobe müssen Wanderanoraks her. Kombinationen aus Sandaletten mit Socken sind das Ergebnis.

Der Opernmantel ist das überflüssigste Kleidungsstück der Welt. Er wurde allein zu dem Zweck entworfen, die Trägerin auf den 50 Metern vom Parkplatz (oder früher der Kutschenstation) zum Foyer zu beschützen. Im Zeitalter der Tiefgaragen ist der Opernmantel daher ausgestorben.

Und doch sehnen sich die Wagnerianerinnen derzeit inniglich nach Opernmänteln. Denn es schüttet und ist kalt wie seit Jahrzehnten nicht mehr zum Auftakt der Festspiele. Auf dem Grünen Hügel sieht man in Ermangelung von Seidencapes und Samtumhängen daher robuste Wanderanoraks, die in den Pausen irgendwie über die Abendkleider gewurstelt werden.

Das meist gehörte Geräusch ist „Hatschi!“

Und untenherum sind merkwürdige Kombinationen aus Sandaletten mit Socken zu bewundern, falls die Trägerin sich nicht gleich für die Variante ,Straßenschuh zum Abendkleid’ entschieden hat. Trotzdem bleiben die Folgen nicht aus. Das meist gehörte Geräusch in diesem Jahr ist ein beherztes „Hatschi!“.

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