Frau Willers Wagner

Wagners versehrte Männer – Die Opernhelden 2017

Stefan Vinke als Siegfried "Probenfoto von 2015"

Foto: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath/dpa

Stefan Vinke als Siegfried "Probenfoto von 2015" Foto: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath/dpa

Hagen/Bayreuth.  Wagners Heldinnen sind ehrenwert und stark – die Männer dagegen: unsympathisch, gierig, gewalttätig. Ein Überblick über die Helden 2017.

Während die Frauengestalten in den Opern Richard Wagners stark, mutig und empfindungsfähig sind, fallen die Männer nicht selten durch unsympathische Charaktereigenschaften auf. Sie sind gierig, gewalttätig und gefangen in Neurosen. Sie sind in ihren Verwerfungen ungebrochen aktuelle Figuren. Diese Helden spielen bei den Bayreuther Festspielen 2017 eine Hauptrolle:

Siegfried, der Drachentöter, ist die deutscheste aller deutschen Heldengestalten. Bei Richard Wagner hat er in „Siegfried“ und der „Götterdämmerung“ jedoch viel von einem asozialen Quälgeist. Vater- und mutterlos aufgewachsen, erschlägt er jeden, der ihm in die Quere kommt. Aber Muskeln allein reichen nicht, man braucht auch Hirn. Siegfried fällt in der „Götterdämmerung“ auf eine dämliche Intrige herein, die ihn schließlich das Leben kostet. Frauen sind dem Helden anfangs fremd. Wenn er Brünnhilde schlafend auf ihrem Felsen erblickt, ruft er „Das ist kein Mann!“ - bis heute einer der genialsten Opernsprüche.

Wotan, der Göttervater, hat alles, doch das ist nicht genug, er will mehr. Er will den Ring, den Alberich aus dem Rheingold geschmiedet hat, das er sich durch Liebesverzicht sozusagen redlich erworben hat. Aus Gier wird Wotan vertragsbrüchig und setzt damit eine Ereigniskette in Gang, an deren Ende die Welt brennt. Wagners Wotan meint, dass Regeln für ihn nicht gelten, weil er ja der Göttervater ist. Doch gerade weil er in dieser Eigenschaft über die Gesetze wacht, müsste er sie einhalten, wenn die Welt Bestand haben soll. Wotans maßlose Machtgier, seine Liebelosigkeit, gegen die er mit Affären nicht ankommt, seine Unruhe, sein Getriebensein wirken in ihrer Ambivalenz erschüttern aktuell.

Parsifal ist der reine Tor. Von seiner Mutter vaterlos alleine im Wald aufgezogen und völlig unwissend gehalten, kennt er die Regeln nicht, kennt noch nicht einmal seinen eigenen Namen. In die Welt der Gralsritter führt er sich in der gleichnamigen Oper äußerst roh ein, indem er einen heiligen Schwan tötet. Parsifal muss eine Heldenreise absolvieren, die den Konflikt zwischen Lust und Pflicht zum Thema hat. Seine Aufgabe ist es, den unheilbar verwundeten Gralskönig Amfortas zu heilen, damit das System der Gralsritter fortexistieren kann. Auf Parsifal lastet ein gewaltiger Erlösungsdruck. Dieser Erlösungsdruck macht Wagners Bühnenweihfestspiel auch heute noch so aktuell.

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