Mobilfunk

Bei 5G steckt Südwestfalen noch im Tal der Ahnungslosen

In der Mitte klafft ein Loch: An diesen Orten will Vodafone zunächst den 5G-Standard installieren.

In der Mitte klafft ein Loch: An diesen Orten will Vodafone zunächst den 5G-Standard installieren.

Hagen/Brilon.  Wann kommt der schnelle Mobilfunkstandard 5G eigentlich nach Südwestfalen? Die Antwort ist nicht einfach.

Kennen Sie Wilsdruff? Nein? Macht nichts. Wilsdruff liegt in Sachsen, nicht weit entfernt von der polnischen Grenze, am Bach Wilde Sau. Im Rathaus befindet sich das erste Turm-Glas-Glockenspiel der Welt. Wilsdruff hat 14.000 Einwohner – und bald das schnelle mobile Internet 5G.

Kennen Sie Südwestfalen? Klar. Sie leben ja dort. Drittgrößte Industrieregion Deutschlands, Heimat zahlreicher Weltmarktführer, gut 1,4 Millionen Einwohner. Und noch lange kein 5G.

Vodafone hat in dieser Woche das 5G-Zeitalter für Privatkunden in Deutschland gestartet. Der Telekommunikationskonzern aktivierte die ersten 25 Stationen mit mehr als 60 Antennen in 20 Städten und Gemeinden. „Wir demokratisieren 5G“, sagte Hannes Ametsreiter, Deutschland-Chef von Vodafone.

Die Abkürzung 5G steht für die fünfte Mobilfunkgeneration; da es bis zu 100 Mal schneller ist als 4G (LTE), soll 5G vor allem in der Industrie sowie beim Einsatz von Zukunftstechnologien wie der Telemedizin und dem autonomen Fahren zum Einsatz kommen.

Nächstes Jahr 20 Millionen potenzielle Kunden

Bis August will das Vodafone die Zahl der Städte ausbauen. Und wer sich die 5G-Karte von Vodafone so anschaut, die findet ziemlich viele Standorte in Nordrhein-Westfalen, aber eben nicht im Sauer- und Siegerland. Zwischen Dortmund und Erfurt klafft eine große Lücke. Nein, das sei kein Misstrauensvotum gegen Südwestfalen, sagt Vodafone-Sprecher Tobias Krzossa. „Irgendwo mussten wir die ersten Sendemasten setzen.“ Schon im kommenden Jahr will der Konzern zehn Millionen Menschen mit der neuen Technik erreichen, ein Jahr später bis zu 20 Millionen. „Wir werden den Ausbau nächstes Jahr stark beschleunigen, auch in Südwestfalen“, sagt Krzossa.

Hunderttausende Antennenstandorte

Was zur Folge hat, dass in ein paar Jahren wahrscheinlich ziemlich viele Antennen in der Landschaft herumstehen werden, in Südwestfalen angesichts der hügeligen Landschaft vielleicht sogar mehr als anderswo. In Ganz Deutschland geht es um mehrere hunderttausend Standorte. Schließlich wollen neben Vodafone auch die Telekom, Telefonica und 1&1 Drillisch mit dem Highspeed-Internet Geld verdienen. Die Telekom will in Berlin und Bonn starten und dann in Darmstadt, Hamburg, Leipzig und München weiter 5G-Stationen zu errichten. Irgendwann ist das Sauerland bestimmt auch mal dran...

Kennen Sie Amberg-Weiden? Nein? Keine Bildungslücke. Dort steht die Ostbayerische Technische Hochschule. Und die bekommt bald vom Bund mehrere Millionen Euro Fördermittel, weil die Gegend als 5G-Modellregion ausgewählt wurde. Sie soll Vorreiter bei der medizinischen Versorgung ländlicher Räume werden. Ebenfalls auf der Förderliste des zuständigen Bundesverkehrsministeriums: Hamburg, Aachen, Kaiserslautern, die Lausitz, sowie eine Region rund um Braunschweig und Wolfsburg. Insgesamt hat der Haushaltsausschuss des Bundestags unlängst 44 Millionen Euro für sechs Test-Gebiete freigegeben. Mit dem Geld sollen „die Potenziale von 5G anschaulich und praxisnah entwickelt, erprobt und demonstriert werden“.

Bewerbung für Förderprogramm steht an

Südwestfalen hat sich nicht beworben. „Kein Problem“, sagt der Briloner CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg. „Es wird weitere Förderprogramme geben, es ist noch nichts verloren.“ Das bestätigt das Bundesverkehrsministerium: „Die Strategie der Bundesregierung sieht nun vor, geeignete 5G-Projekte in 50 Pionierregionen entwickelt zu lassen und mit einer Konzeptförderung von bis zu 100.000 Euro zu fördern“, teilte die Behörde auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Im Anschluss daran sollen ausgewählte, besonders herausragende Projekte mit einer Umsetzungsförderung unterstützt werden.“ Bewerbungen seien voraussichtlich ab Anfang August möglich.

Und dann werde Südwestfalen seinen Ring in den Hut werfen, sagt Stefan Glusa, Geschäftsführer der Telekommunikationsgesellschaft Südwestfalen. Die Bewerbungsunterlagen seien in Arbeit. „Wir kommunizieren sehr eng mit dem Ministerium.“ Da abzusehen ist, dass deutlich mehr als 50 Regionen vom Berliner Fördertopf profitieren wollen, kann ein bisschen politische Unterstützung im Entscheidungsprozess sicher nicht schaden. Sowohl Sensburg und die südwestfälische CDU als auch der Briloner SPD-Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese und die Sozialdemokraten aus der Region haben Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU) auf die Bedeutung von 5G für Südwestfalen hingewiesen. Wiese hält in dieser Frage nicht viel von Parteienklüngel: „ Man muss solche Projekte als Region gemeinsam voranbringen, um letztlich erfolgreich zu sein.“

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