Landwirtschaft

Erntebilanz: Landwirte im Sauerland fühlen sich missachtet

Margit, Franz, Johannes und Marie Greitemann (mit Tochter Frieda) im familienbetriebenen Hofladen in Sundern.

Margit, Franz, Johannes und Marie Greitemann (mit Tochter Frieda) im familienbetriebenen Hofladen in Sundern.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Sundern.  Erntedank-Pressekonferenz im Hochsauerland: Bauern sind mit einem blauen Auge davongekommen. Wenig Gras, genug Getreide, Katastrophe im Wald.

„Vor einem Jahr haben wir gemeint: Noch so ein Jahr überstehen wir nicht“, sagt Josef Schreiber. „Aber jetzt sind wir doch noch mit einem blauen Auge davongekommen.“ Die Hoffnung nun: „Bitte nicht noch ein drittes trockenes Jahr.“ Schreiber ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland und zieht bei der diesjährigen Erntedank-Pressekonferenz eine Saison-Bilanz. Sie fällt nicht viel anders aus als im Märkischen und im kurkölnischen Sauerland: ein guter erster Schnitt beim Grünland. Auch der zweite im Juni habe gutes Gras für die Fütterung der Milchkühe eingebracht. „Und dann war Schluss. Das fehlende Wasser hat kein Graswachstum mehr möglich gemacht.“ Beim Heu war es ähnlich: eine gute erste Ernte, aber „die zweite steht immer noch auf den Wiesen.“

Futtervorräte aufgebraucht

Das ist ein Problem für Milchbauern wie Familie Greitemann, auf deren Hof in Sundern-Seidfeld das Gespräch stattfindet. Die Futtervorräte sind aufgebraucht, weil aus dem Trockenjahr 2018 nichts übrig geblieben ist. Deshalb müssen viele Rinderhalter auch das Grundfutter teuer zukaufen. Andere haben halb reifes, grünes Getreide geerntet, um es später als Silage zu verfüttern.

Der Futtermais hat sich nach Angaben Schreibers regional sehr unterschiedlich entwickelt. Prinzipiell kann Mais mit Hitze und Trockenheit umgehen, aber im Durchschnitt sind die Erträge geringer ausgefallen, und häufig konnten die Pflanzen keine Kolben entwickeln, wodurch das Futter weniger energiereich ausfällt.

Sehr ordentlich ist dagegen die Getreideernte – im Sauerland in erster Linie als Viehfutter angebaut – ausgefallen: „Qualität und Quantität waren überdurchschnittlich gut“, sagt Markus Stratmann. Junglandwirt mit Biobetrieb und Sprecher des Öffentlichkeitsausschusses im Kreisverband: „Bei langfristig trockenem Wetter verlief die Ernte stressfrei.“

Trockenheit ist also mancherorts kein Problem. Andernorts mehr als das: „Die Katastrophe spielt sich im Wald ab“, sagt Josef Schreiber. Rund drei Viertel der Bauern im HSK haben auch Wald. Der war oft als Sparkasse fürs Alter vorgesehen. Und die ist jetzt vielfach weg. „Das dringt erst langsam ins Bewusstsein“, sagt der Kreisvorsitzende. „Wir haben vielfach einen Ertragsausfall für mindestens eine Generation.“

Bei Familie Greitemann ist die nächste Generation schon aktiv dabei. Franz Greitemann und sein Sohn Johannes haben sich nach dessen Studium mit einem Nachbarbetrieb zusammengetan und beginnen in wenigen Wochen mit dem Bau eines neuen Kuhstalls. Um den zu finanzieren, müssen sie noch mehr Milchkühe anschaffen. 250 werden es dann sein. „Anders geht es nicht“, sagt Vater Greitemann. „Die Auflagen sind inzwischen so hoch, dass kleinere Betriebe sich das nicht mehr leisten können und aufgeben.“ Und das könne wohl nicht das Ziel der Landwirtschaftspolitik sein.

Die Stimmung ist schlecht

Die Stimmung ist schlecht bei den Landwirten. Und mehr noch als am Wetter und Klima liegt das an der Politik, meint Schreiber. Man fühlt sich überfordert, missachtet. Auch in der Öffentlichkeit. „Wir müssen uns für hohe Nitratwerte im Wasser rechtfertigen, obwohl wir im Sauerland gar kein Gülleproblem haben“, sagt Michael Hellermann, Vertreter der Junglandwirte.

„Das liegt auch daran, dass viele Menschen, auch auf dem Land, gar nichts mehr über Landwirtschaft wissen“, sagt Franz Greitemann. Das merkt seine Frau Margit bei den oft ausführlichen Gesprächen im Hofladen, der kommendes Jahr 20-jähriges Bestehen feiert. Der ist somit nicht nur fürs Familieneinkommen hilfreich, sondern auch als Instrument der Aufklärung.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben