Buchhandel

Buchhändler Thalia: Bestes Ergebnis der Firmengeschichte

Michael Busch, geschäftsführender Gesellschafter von Thalia.

Michael Busch, geschäftsführender Gesellschafter von Thalia.

Foto: Lars Heidrich / Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Hagen.  Thalia mit Sitz in Hagen schreibt die besten Zahlen seit 100 Jahren. Nun sucht der Filialist Verbündete für eine neuartige Lesekampagne

Der Buchhandel wird zum Rettungsanker für die Innenstädte. Denn die Buchbranche insgesamt gewinnt Käufer zurück und freut sich, anders als der restliche Einzelhandel, wieder über gute Zahlen. „Das Geschäftsjahr 2018/19 war das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte“, bilanziert Thalia-CEO Michael Busch.

Der Filialist mit Sitz in Hagen verzeichnet ein Umsatzplus über alle Vertriebskanäle hinweg. Im Sortimentsbuchhandel stieg der Umsatz auf vergleichbarer Fläche um zwei Prozent, im E-Commerce um fünf Prozent. Rechnet man Zukäufe (13) und Neueröffnungen (5) hinzu, wuchs der Gesamtumsatz im stationären Geschäft sogar um 6 Prozent. Thalia ist nach der Restrukturierung 2016 im zweiten Jahr schuldenfrei. Auch die Mayersche Buchhandlung ist zufrieden, der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Hartmut Falter spricht von einem Umsatzplus von 3,5 Prozent, „das haben wir lange nicht mehr gehabt“.

Stationär und digitales Geschäft verzahnt

2018 erschütterten noch Hiobszahlen die Branche. Von sieben Millionen abgewanderten Käufern war die Rede. Der unerwartete Aufschwung bedeutet nun möglicherweise, dass der digitale Wandel erfolgreich greift. Für Michael Busch ist das hervorragende Ergebnis eine Bestätigung seiner Strategie, den stationären Handel und das digitale Geschäft zu verzahnen. „Unsere Omni-Channel-Strategie hat sich ausgezahlt.“ Ohne die Mayersche beträgt der Marktanteil von Thalia im stationären Segment 19 Prozent und im Online-Sektor 12 Prozent. Busch: „Der Marktanteil wächst stationär, weil wir mit dem E-Commerce das stationäre Geschäft befeuern. Der Anteil der Filialabholungen wächst im zweistelligen Bereich. Bücher im Internet bestellen und in der Filiale abholen, das ist die ökologisch nachhaltigste Darreichungsform.“

Angesichts der Bedrohung durch den Internetriesen Amazon schien der gute alte Buchladen am Ende. Doch neuerdings setzt eine Gegenbewegung ein. Busch: „Wir glauben an den stationären Buchhandel. Wir investieren einen zweistelligen Millionenbetrag, und das tun wir auch rentabel. Wir wachsen auf vergleichbarer Fläche. Das bestärkt uns darin, diesen Weg weiterzugehen.“Das stationäre Standbein kann aber nur dann zum Umsatzmotor werden, wenn der Service stimmt. Das bedeutet neben der Beratung vor Ort inzwischen die Verzahnung von analogen und digitalen Services. „Dahinter steckt eine enorme Innovationskraft“, analysiert Michael Busch. „So haben wir unsere Buchhandlungen flächendeckend mit Tablets ausgerüstet. Damit können die Kunden unmittelbar beim Buchhändler bezahlen und müssen nicht zur Kasse gehen. Das ist für das Weihnachtsgeschäft wichtig.“

Persönliche Ansprache der Kunden

Um die persönliche Ansprache der Kunden zu intensivieren, werden an den Standorten Hagen, Münster und Berlin weitere Programmierer und IT-Fachleute eingestellt. „Am Standort Berlin arbeiten wir an digitalen Themen nicht mehr nur für Thalia, sondern auch für andere Einzelhändler.“ Wichtig für die Aufenthaltsqualität in den Buchhandlungen wird in Zukunft die Symbiose mit der Gastronomie. In diesem Punkt bringt die Mayersche Expertise mit ihren Cafés ein. Die soll ebenso genutzt werden wie die Erfahrung der Mayerschen mit dem Verkauf von Spielwaren begleitend zum Buch. „Spielwaren haben eine sehr hohe Akzeptanz im Buchhandel“, so Hartmut Falter. Die beiden Marken Mayersche und Thalia sollen zukünftig unter dem gemeinsamen Dach mit eigenem Profil weiterentwickelt werden; die Familie Falter gehört neben den Familien Herder, Kreke, Busch und Göritz nun zu den Gesellschaftern von Thalia/Mayersche.

Die rückläufige Frequenz in den Innenstädten kann Thalia ausgleichen durch mehr Verkäufe pro Kopf. „Wir haben die Conversionsrate gesteigert. Darin zeigt sich die hohe Beratungskompetenz unserer Buchhändler. Der Kauf pro Kunde hat sich über drei Prozent gesteigert. Das führt zu Wachstum“, lobt Busch. „Um mit relevanten Inhalten die Gesellschaft besser zu machen, muss man am Ende des Tages bei den Menschen vor Ort sein. Um den abnehmenden Frequenzen gegenzusteuern braucht es die geschickte Verknüpfung beider Kanäle. Das Internet als Bestellkanal nutzen und die Vorteile der physischen Verfügbarkeit erkennen: Dafür braucht es eine Verdichtung des Buchhandelsnetzes und Investitionen in Technologie und in Marketing.“Thalia baut sich derzeit zur Plattform aus, die anderen Buchhandlungen Dienstleitungen zur Verfügung stellt. Mit Blick auf mögliche Partnerschaften, etwa im Sinne der altersbedingten Betriebsübergabe, unterstreicht Busch: „Wer sich vorstellen kann, in dieses Netzwerk Thalia/Mayersche hineinzugehen, muss seine eigene Marke nicht aufgeben.

“Kampagne Welt, bleib wach“

Das Lesen als Kulturtechnik ist nicht mehr selbstverständlich. Vor allem die Fähigkeit zum vertieften Lesen droht verloren zu gehen. Daher hat Thalia mit Verbündeten die Kampagne „Welt, bleib wach“ ins Leben gerufen. Im Herder-Verlag ist soeben der Band „Welt, bleib wach. Das große Buch vom Lesen – eine Anleitung“ erschienen, den Michael Busch herausgegeben hat. Darin macht zum Beispiel Autor Sebastian Fitzek mit den Lesern den Serienkiller-Test. Fußballer Philipp Lahm berichtet, wie er die Welt hinter den Buchstaben entdeckte. Historiker Jürgen Osterhammel analysiert die Aufmerksamkeitsökonomie im Spannungsfeld der Widersprüche: Das Digitale macht der Wissenschaft Quellen in ungeahntem Ausmaß zugänglich. Das Digitale generiert Informationsüberflutung. Julia Becker, Verlegerin der Funke-Mediengruppe, beschreibt, warum sich Zeitung und Buch ergänzen. Und Michael Busch erläutert, warum disruptive Technologien wie die digitalen zur großen Menschheitsherausforderung werden.

Michael Busch (Hg): Welt, bleib wach. Das große Buch vom Lesen – eine Anstiftung. Herder-Verlag, 333 Seiten, 20 Euro. www.thalia.de

Thalia ist Marktführer im Sortimentsbuchhandel und beschäftigt in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 5000 Mitarbeiter in etwa 315 Filialen. Dazu kommen seit dem Zusammenschschluss mit der Mayerschen Buchhandlung weitere 56 Filialen mit etwa 1000 Mitarbeitern. Www.thalia.de

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