Buchhandel

Thalia fordert in der Corona-Krise unbezahlte Überstunden

Die Buchhandelskette Thalia mit Sitz in Hagen wächst trotz Corona. CEO Michael Busch erwartet ein „sehr anspruchsvolles“ Weihnachtsgeschäft.

Die Buchhandelskette Thalia mit Sitz in Hagen wächst trotz Corona. CEO Michael Busch erwartet ein „sehr anspruchsvolles“ Weihnachtsgeschäft.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Hagen.  Trotz Krise ist der Umsatz bei Thalia gestiegen – aber mit Verlusten in zweistelliger Millionenhöhe. Hoffnung auf verkaufsoffene Adventssonntage.

Thalia und Mayersche Buchhandlung fordern verkaufsoffene Adventssonntage. Das unterstrich der geschäftsführende Gesellschafter von Thalia Mayersche, Dr. Hartmut Falter, am Dienstag bei der Jahreskonferenz des Unternehmens. Das Weihnachtsgeschäft werde entscheidend für den Einzelhandel im Corona-Jahr.

Obwohl die Buchbranche und damit auch Thalia Mayersche mit Umsatzzuwächsen durch die Corona-Krise gekommen sei, bleibe das Ergebnis hinter dem des Vorjahres. „Wir liegen um einen zweistelligen Millionenbetrag hinter unseren Erwartungen zurück. Von der Ergebnisseite ist es ein ganz schweres Jahr, nicht nur für Thalia“, so Michael Busch, CEO des Filialisten mit Sitz in Hagen.

Michael Busch hat die Mitarbeiter um zwei unbezahlte Überstunden pro Woche in der Vorweihnachtszeit gebeten. „Wir werden ein sehr anspruchsvolles Weihnachtsgeschäft im stationären Bereich haben.“ Wenn Mitarbeiter freiwillige Überstunden leisteten, könnten die Zusatzkosten für Aushilfen eingespart werden. Busch: „Wenn sich der Umsatz in den E-Commerce verschiebt, haben Sie die Kosten im stationären Bereich noch. Bei einer Umsatzverschiebung zwischen den Kanälen entsteht sofort ein niedrigeres Ergebnis.“

Krisenfest durch Omnichannel-Strategie

Grundsätzlich hält Busch Thalia Mayersche durch die konsequente Omnichannel-Strategie der vergangenen Jahre für krisenfest aufgestellt. Die digitalen und stationären Vertriebskanäle sind eng miteinander verzahnt. Zum Weihnachtsgeschäft sollen die digital basierten Serviceleistungen noch ausgeweitet werden. So kann der Kunde mit der Thalia-App sein gewünschtes Buch selber im Laden einscannen und den Betrag von seinem Kundenkonto abbuchen lassen. Er braucht sich nicht in die Schlange an der Kasse zu stellen. Außerdem soll die Funktionalität der Filialabholung verbessert werden, mit der die Kunden Bücher online bestellen, bezahlen und vor Ort abholen können.

„Wir haben den Umsatz auf über eine Milliarde Euro auf allen Kanälen gegenüber dem Vorjahr ausgebaut. Das entspricht einem Plus von rund 6 Prozent. Stationär haben wir etwa 10 Prozent Umsatz verloren, im E-Commerce etwas über 40 Prozent gewonnen. Damit baut Thalia im deutschen Buchmarkt seine Marktführerschaft mit einem Anteil von 20 Prozent aus“, so Busch. 16 neue Standorte in Deutschland wurden eröffnet, 3 in Österreich.

Kampf um Zeitfenster – Investitionen in Hörbücher

Die großen Corona-Gewinner heißen Amazon, Netflix und Disney. Mit diesen Digital-Unternehmen konkurriert die Buchbranche weniger um verkaufte Stückzahlen als vielmehr um die Zeit der Kunden. „Es gibt einen Kampf um Zeitfenster“, erläutert Busch. „Deshalb investieren wir stark in den Bereich Audio. Die Zeit, die wir abends gegen Netflix verlieren, müssen wir morgens gewinnen, zum Beispiel indem die Kunden beim Joggen Hörbücher hören“, betont Busch.

Der Wettbewerb um Inhalte wird über technologische Innovationen ausgetragen. „Wer sich das auf Dauer nicht leisten kann, wird das Risiko eingehen, Relevanz zu verlieren.“ Aus diesem Grund will Busch das Unternehmen verstärkt zu einer Plattform ausbauen. Einerseits hat Thalia mit shopdaheim.de in der Corona-Krise ein Netzwerk geschaffen, dessen Ziel es ist, lokale Händler bekannt zu machen. „Die Herausforderungen auf der Marktseite werden in den nächsten Jahren so groß sein, dass man sich auf die Frage konzentrieren muss: Was ist in der Zeit danach?“, sagt Busch.

Eine Antwort liegt in der Optimierung von Geschäftsfeldern, „die Idee einer Thalia-Plattform, um das Partnerschaftsmodell zu intensivieren. Wir wollen Partner gewinnen, die unternehmerisch selbstständig bleiben. Wir stellen Plattform-Elemente im IT-Bereich und in der Logistik zur Verfügung.“

Eigene Logistik weiter ausbauen

Dazu passt, dass sich Thalia Mayersche zunehmend von den Barsortimenten unabhängig machen will, auch aufgrund der Erfahrungen während des Shutdowns. „Die Lieferinfrastruktur ist bei den Großhändlern zum Teil in die Knie gegangen. Wir werden eine große Anzahl von Filialen als Versandzentren freischalten, so dass kein Versand über die Barsortimente mehr erforderlich ist.“

Auch die umstrittene Vermietung von Regalfläche in einigen Thalia-Buchhandlungen für chinesische Staatspropaganda war Thema beim Jahresgespräch. Michael Busch verteidigt die Kooperation mit chinesischen Staatsunternehmen. „Wir glauben, dass es die ursächliche Aufgabe eines Sortimenters ist, einem möglichst breiten Spektrum Raum zu geben und dabei auch Dingen Raum zu geben, mit denen man sich selbst nicht identifiziert. Wir wollen den Leuten die Möglichkeit geben, sich selbst ein Bild zu machen.“

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