Corona

Corona trifft vor allem die Chorszene hart

Chorleiterin und Gesangslehrerin Christa Maria Jürgens aus Lennestadt-Grevenbrück unterrichtet ihre Schülerin Anna per Video-Chat.

Chorleiterin und Gesangslehrerin Christa Maria Jürgens aus Lennestadt-Grevenbrück unterrichtet ihre Schülerin Anna per Video-Chat.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Wie trifft Corona die freischaffenden Künstler? Chorleiterin Christa Maria Jürgens aus Lennestadt berichtet

Wir Künstler sind von Natur aus kreativ. Wir finden Wege, wie man sicher musizieren kann, davon bin ich überzeugt. Man muss uns nur lassen.

In den ersten Corona-Wochen habe ich meine Gesangsschüler digital unterrichtet. Jetzt dürfen wir wieder in die Musikschule Lennestadt-Kirchhundem, die hat einen schönen großen Raum. Wir arbeiten mit einer Spuckschutzwand, die zwischen Lehrer und Schüler steht. Im Chorbereich weiß man allerdings noch gar nicht, wie es weitergeht.

Dramatische Altistin

Nach einer Ausbildung als Krankenschwester und Heilpraktikerin habe ich in Detmold/Abt. Dortmund und Essen Operngesang studiert und unter anderem an den Theatern in Dortmund und Gelsenkirchen gesungen. Ich bin dramatische Altistin, zu meinem Fach zählt zum Beispiel die Erda in Wagners „Ring“.

Doch mein Herz schlägt für meine Chöre, deswegen arbeite ich als freiberufliche Chorleiterin, Gesangspädagogin, Regisseurin und Stimmbildnerin im Sauerland. Singen ist für mich wie atmen. Das ist mein Leben.

Widersprüchliche Aussagen

Die Kulturszene ist von Corona besonders schwer getroffen. Es gibt viele unterschiedliche und widersprüchliche Aussagen der Behörden und der Wissenschaft, etwa über die Viruslast, die beim Singen mit dem Atem ausgestoßen wird. Im Belcanto ist es jedoch so, dass ein großer Klang mit wenig Atem produziert wird. Gibt es auch Studien darüber, wie hoch die Viruslast ist, wenn ein Lehrer laut und deutlich vor einer Klasse spricht?

Ich könnte mir vorstellen, dass wir mit Gesichtsschilden in kleinen Chorgruppen bald wieder anfangen können. Ehrlich gestanden, ärgert mich die Ungleichbehandlung zwischen dem Bundesliga-Fußball gegenüber dem übrigen Sport sowie den Künsten. Auf einer Bühne kann ich doch entscheiden, wie ich die Figuren stelle, das kann ich beim Fußball, einem Kontaktsport, nicht.

Chöre sind wie Familien

Es gibt so viele Berufsgruppen, die gerade am Existenzminimum knapsen. Freiberuflichen Musikern brechen durch Corona alle Einnahmen weg. Aber ich und mehrere andere Chorleiter, wir haben das große Glück, dass unsere Chöre uns vorerst weiter bezahlen, in guten und in schlechten Zeiten, sagen sie. Unsere Chöre sind für uns wie Familien.

Natürlich versuche ich, dieses Gehalt zu füllen. Ich biete Stimmbildung per Videochat an, gebe Wochenaufgaben, ich singe die Stimmen der Stücke einzeln ein, und die Sänger können damit arbeiten. Meine JeKits-Klasse an einer Grundschule erhält von mir jede Woche Informationen per Mail zu den einzelnen Instrumenten, dazu Anleitungen zum Basteln. Meinen Stimmbildungsgruppen an der Musikschule schicke ich per Whats App Videos mit Workshops. Und ich bin überhaupt kein technikaffiner Mensch. Das war für mich auch ein Weg.

Kultur muss geschützt werden

Wenn Corona uns eines lehrt, dann dieses: Wir brauchen einen Schutz der Kultur und der Kulturschaffenden, und ich bin auch der Meinung, dass alle Menschen gerade in Krisenzeiten Kunst und Kultur brauchen. Besser ein eingeschränkter Betrieb als gar keiner. Ich würde so gerne wieder Konzerte geben.

Aufgezeichnet von Monika Willer

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