Katholische Kirche

„Das Geld kommt von den katholischen Männern und Frauen“

Der gebürtige Lennestädter Thomas Sternberg ist Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Der gebürtige Lennestädter Thomas Sternberg ist Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Foto: Friso Gentsch / dpa

Attendorn.  ZdK-Präsident Sternberg fordert mehr Mitbestimmung der Laien bei der Finanzverwaltung der katholischen Kirche

Prof. Thomas Sternberg vertritt als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) die Stimme der Laien in der katholischen Kirche. Der gebürtige Lennestadt-Grevenbrücker ist gelernter Bäcker, hat je einen Doktortitel in Germanistik und in Theologie, ist CDU-Politiker und beruft sich auf dem Reformgeist des Zweiten Vatikanischen Konzils. Gestern Abend hat Sternberg in den St. Ursula-Schulen Attendorn über die aktuelle Lage der katholischen Kirche gesprochen. Im Interview mit unserer Zeitung berichtet er über einige zentrale Baustellen seines Amtes.

Sie bereiten derzeit den 101. Deutschen Katholikentag vor, der 2018 in Münster stattfindet. Wird das der erste Katholikentag auf westfälischem Boden?

Thomas Sternberg: Nein, 1930 war der Katholikentag in Münster und 1949 in Bochum, das damals noch zum Erzbistum Paderborn gehörte, aber tatsächlich ist es seither das erste Laientreffen in Westfalen. Münster ist auf viele Besucher vorbereitet, das wird sicher ein sehr schöner Katholikentag werden, der unter dem Motto „Suche Frieden“ steht. Mit dem Katholikentag ­möchten wir deutlich machen, dass die katholischen Frauen und Männer mitreden wollen im Land. Wir haben inzwischen deutlich pluralere Verhältnisse, als ich sie in meiner Kindheit im sauerländischen Dorf erlebt habe. Heute verlangt es ­Entscheidung, in die Messe zu ­gehen.

Bringen die gegenwärtige Angst und Unruhe die Leute wieder zurück zur Kirche?

Manche Menschen erinnern sich in Notsituationen daran, was sie einmal erlebt haben. Deshalb halte ich es für wichtig, jungen Menschen mitzugeben, welche Tröstungen der Glaube bietet, damit sie sich in Situationen daran erinnern können, wenn sie besonders gefragt sind – auch wenn sie sich in der Zwischenzeit nicht besonders für die Kirche interessieren.

Sind die katholischen Laien seit dem Finanzskandal um das Bistum Limburg in Geldsachen besonders gefragt?

Bei dem Geld, über das wir reden, geht es um das Geld, das die katholischen Frauen und Männer zahlen. Dessen Verwaltung hat wesentlich von den Laien zu geschehen. Im Gefolge der ganzen Ereignisse von Limburg ist schon sehr viel an Transparenz erreicht worden, aber da ist auch noch ein weiter Weg zu gehen. Ich halte es für wichtig, dass wir in der Kirche auch finanziell zu mehr Subsidiarität kommen, weg von der Steuerung durch einen allmächtigen Bischofsapparat, der die Finanzmittel übrigens auch erst seit 1950 in der Hand hat.

Auch der Missbrauchsskandal ist eine Baustelle. Ist in der Aufarbeitung genug getan worden?

Der Missbrauchsskandal hat die Kirche erschüttert. Es ist gut, mit welcher Ernsthaftigkeit diese Themen angegangen worden sind. Die Präventationsmaßnahmen, die seither in der katholischen Kirche entwickelt worden sind, könnten in anderen gesellschaftlichen Systemen vorbildlich sein, zum Beispiel im Sport. Mit Sicherheit ist bei diesem Thema noch Erhebliches unter der Decke.

Sie leben seit langem im Münsterland. Gerät da das Sauerland in Vergessenheit?

Sauerländer bleibt man immer.

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