Tödlicher Absturz

Nach Eurofighter-Unglück: Das Sauerland bleibt Luftkampfzone

Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) untersuchen am 24.06.2014 auf einer Wiese bei Elpe die Absturzstelle eines Learjets.

Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) untersuchen am 24.06.2014 auf einer Wiese bei Elpe die Absturzstelle eines Learjets.

Foto: Matthias Balk/dpa

Olsberg/Berlin/Köln.  Der Eurofighter-Absturz an der Ostsee weckt Erinnerungen an das Unglück über dem Sauerland vor fünf Jahren. Zwei Piloten kamen damals ums Leben.

Zwei Kampfjets der Bundeswehr kollidieren in der Luft über der Mecklenburgischen Seenplatte und stürzen ab. Ein Pilot stirbt. Der Vorfall vom Montag weckt böse Erinnerungen im Hochsauerland, rund um Olsberg und Brilon. Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren, am 23. Juni 2014, berühren sich im Luftraum über Brilon ein Learjet eines privaten Flugunternehmens und ein Eurofighter der Luftwaffe bei einem waghalsigen Flugmanöver: Der Jet stürzt ab, die Maschine schlägt im Olsberger Ortsteil Elpe in einem Feld auf – unweit eines Hauses. Die beiden Piloten, 43 und 50 Jahre alt, kommen ums Leben. Ein Ereignis, das nachwirkt.

Learjet stürzt ab - die Piloten hatten keine Chance

Am Sonntag erst ist eine kleine Abordnung der privaten Fluggesellschaft aus Hohn in Olsberg, um eine Gedenkplakette anzubringen und sich ihrer verunglückten Kollegen zu erinnern. In kleinem Rahmen, u. a. mit Ortsvorsteher, Bürgermeister-Stellvertreter und Feuerwehrleuten, trifft man sich an der Unglücksstelle zum stillen Gedenken und zum Gebet. Die Delegation aus dem hohen Norden bedankt sich, dass die Elper den Gedenkort nach wie vor liebevoll pflegen und die Erinnerung an die getöteten Piloten wach halten.

Das Unglück passierte, als der Eurofighter und der Learjet eine Abfangübung nach der „Renegade“-Variante fliegen: Die Bundeswehrmaschine nähert sich dem Privatflugzeug, um den Flieger zu identifizieren und womöglich abzufangen. Dabei berührt der Privat- den Kampfjet. Während der Eurofighter, schwer beschädigt, sich auf eine Basis in Nörvenich retten und landen kann, stürzt der Learjet ab. Anders als im Bundeswehrflieger können die Piloten nicht einmal per Schleudersitz aussteigen – sie haben keine Chance. Der Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nennt später einen Flugfehler der Piloten im Learjet als Unfallursache.

„Der aktuelle Vorfall ist mit dem vor fünf Jahren über dem Sauerland nicht vergleichbar“, ordnet ein Sprecher der Luftwaffe in Berlin auf unsere Nachfrage ein: Der Absturz an der Ostsee sei während „eines Übungsflugs für einen taktischen Luftkampf“ passiert. Konkret ging es dabei darum, unmittelbar den Kampf gegen ein feindliches Flugzeug zu trainieren und nicht eine Maschine zu identifizieren. Zur Unglücksursache lasse sich noch nichts sagen: „Die Untersuchungen laufen noch.“

„Die Ursache ist offenbar eine andere – aber das Ergebnis ist das gleiche“, stellt Martin Rickert, ehemaliger Kreisbrandmeister des Hochsauerlandkreises und Einsatzleiter im Juni 2014, gestern fest: Damals kamen zwei Menschen ums Leben, jetzt ist wieder ein Todesopfer zu beklagen. Den schwierigen Einsatz aus dem Sommer 2014 hat Rickert für sich verarbeitet – wohl auch, „weil wir als Einsatzkräfte professionelle Hilfe bekommen haben“.

Ob Übungsflüge heute noch in dem Maße wie vor dem Unglück 2014 über Elpe stattfinden, kann Olsbergs Bürgermeister, Wolfgang Fischer, nicht mit Gewissheit sagen. „Ich habe damals über unseren Bundestagsabgeordneten und über den zuständigen Parlamentarischen Staatssekretär wissen wollen, was da genau über unserer Stadt passiert.“ Wenige Tage später sei eine hochrangige Delegation im Rathaus gewesen und habe seine Bedenken weitestgehend zerstreuen können.

„Politisch hat man damals versucht, die Bundeswehr in die Pflicht zu nehmen“, erinnert sich Martin Reuther, Sprecher des Hochsauerlandkreises. Aber die Bundeswehr habe alle Vorwürfe zurückgewiesen. Übel aufgestoßen ist aber damals nicht nur dem Landrat die Formulierung, dass die Flüge über „unbesiedelter Fläche“ stattgefunden hätten. „Das war echt ein Schlag ins Gesicht. Auch ich habe bei dem Unglück am Montag gleich daran gedacht, was hier vor fünf Jahren passiert ist“, sagt Elpes Ortsvorsteher Dominik Beule: Das Dorf sei knapp einer Katastrophe entgangen.

Acht Übungslufträume

Nach Auskunft des Luftfahrtamts der Bundeswehr in Köln gehören Teilgebiete des nördlichen Sauerlands und der Soester Börde, etwa nordwestlich von Lichtenau-Marsberg-Soest, nach wie vor zum Übungsluftraum „TRA (Temporary Reserved Airspace) 203 Münsterland“. Innerhalb dieser Zone für „Luftkampf- und Abfangübungen“ darf „mit einer Geschwindigkeit, je nach Luftdichte, Temperatur und Flughöhe von ca. 1.110 Stundenkilometern“ geflogen werden. Die deutschlandweit acht Übungslufträume wurden eingerichtet, um „durch die Trennung von zivilem und militärischem Luftverkehr die Sicherheit im Luftraum zu gewährleisten“.

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