Coronavirus

Corona-Impfung: "Der Tod ist nicht dem Impfstoff anzulasten"

Trotz erster Impfung sind in einem Hagener Altenheim viele Senioren an Covid-19 erkrankt (Symbolbild).

Trotz erster Impfung sind in einem Hagener Altenheim viele Senioren an Covid-19 erkrankt (Symbolbild).

Foto: Michael Reichel / dpa

Hagen  Vorfälle nach Impfungen in Hattingen und Hagen: zwei Todesfälle, viele Neuinfizierte. So erklärt der Leiter des Siegener Impfzentrums die Fälle.

Trotz erster Impfung sind in einem Hagener Altenheim viele Senioren an Covid-19 erkrankt. Im Hattinger Pflegeheim St. Mauritius starben kürzlich eine 93- und eine 99-jährige Bewohnerin, die vormittags gegen Corona geimpft worden waren. Auf dem Totenschein steht „ungeklärte Todesart“. Die Westfalenpost hat mit Dr. Thomas Gehrke, Leiter des Impfzentrums Siegen-Wittgenstein, über die Fälle gesprochen.

 

Warum konnten sich so viele Senioren in dem Hagener Altenheim trotz erster Impfung mit dem Corona-Virus anstecken?

Um das zu erklären, muss man wissen, was nach der Impfung im Körper geschieht: Wird der mRNA-Impfstoff erstmals verabreicht, wird ein Bauplan in die Zellen eingeschleust. Die produzieren aufgrund dieser Information ein Protein. Dieses Protein erkennt der Körper als etwas Fremdes, worauf er Abwehrmaßnahmen einleitet. Bis der Körper genügend Abwehrstoffe gebildet hat, dauert es seine Zeit. Eine Ansteckung ist in dieser Zeit möglich. Nach zehn bis vierzehn Tagen hat die Produktion der Antikörper ihr Zenit erreicht. Danach fällt die Antikörperproduktion wieder ab. Erst mit der zweiten Impfung ist der Körper in der Lage, ausreichende Antikörper gegen das Virus zu bilden. Die zweite Impfung garantiert eine Immunantwort, die schwere Covid-19-Erkrankungen verhindert.

Haben die Bewohner in Hagen Glück gehabt, vor dem Ausbruch geimpft worden zu sein?

Ja. sie können tatsächlich froh sein, dass sie vor der Ansteckung die erste Impfung erhalten haben. Sie können auf einen leichteren Verlauf der Erkrankung hoffen. Geprüft werden sollte auf alle Fälle, wie die Sicherheitsmaßnahmen in dem Altenheim verbessert werden können.

Können die Todesfälle in Hattingen in einem Zusammenhang mit den Impfungen stehen?

Aufgrund des zu impfenden Patientenklientel ist ein zeitliches Zusammentreffen von Impfung und Versterben möglich. Natürlich kann es einen Zusammenhang zwischen Impfung und Tod geben. Dazu zählen zum Beispiel Aufgeregtheit, Nervosität, Ängstlichkeit, allgemein psychischer negativer Stress. Einen kausalen Zusammenhang zwischen Impfung und Tod im Sinne einer zum Tode führenden Komplikation gibt es allerdings nicht. Dagegen spricht auch die Art des Impfstoffes. Das heißt, der bedauerliche Tod der beiden Senioren ist nicht dem Impfstoff oder dem Impfvorgang anzulasten. Die Menschen sind an ihrem Lebensende verstorben.

Sinkt die Skepsis vor der ersten Impfung bei den Betreuern von Altenheimen?

Ausbrüche in Altenheimen zeigen, wie wichtig es ist, dass sich das gesamte Personal impfen lässt. Im Siegerland sind 90 Prozent der Altenheimbewohner und 90 Prozent der Pfleger bereits geimpft worden. Das ist leider nicht überall in NRW so. Allgemein sollte jeder wissen, dass kein Virus gespritzt wird, sondern nur ein Bauplan zur Herstellung eines Covid-19-spezifischen Antigens. Die Skepsis resultiert aus der einhergehenden oberflächlichen Diskussion. Die Corona-Pandemie hat mit derzeit 43.000 Toten in Deutschland die Qualität von Pest-Seuchen. Der Begriff Seuche bringt es auf den Punkt.

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