Kriminalität

Hospiz-Bulli, Feuerwehrgeräte: Diebe werden immer dreister

Der Bulli des Deutschen Kinderhospizvereins wird schmerzlich vermisst. 

Der Bulli des Deutschen Kinderhospizvereins wird schmerzlich vermisst. 

Foto: Deutscher Kinderhospizverein

Hagen/Olpe.   Eine Serie merkwürdig erscheinender Diebstähle beschäftigt die Polizei. Ein Experte erklärt die möglichen Motive der Täter.

Ein Bus des Kinderhospizvereins wird in Olpe gestohlen. Mehrere Feuerwehrgerätehäuser im Kreis Olpe und Siegen-Wittgenstein werden aufgebrochen, wichtiges Spezial-Werkzeug geklaut. Traktoren verschwinden von einer Baustelle bei Bestwig. Meldungen der vergangenen Wochen. Sie sind verbunden mit Fragen: Wer macht so etwas? Und vor allem: zu welchem Zweck? Eine Annäherung.

„Wir haben unsere Erfahrungswerte“, sagt Hauptkommissar Michael Klein, Sprecher der Kreispolizeibehörde Olpe. Er ist von zwei besonders rücksichtslosen Fällen direkt betroffen. Aus der Erfahrung resultieren Theorien über den Tathergang und die -motive. Wieso zum Beispiel der Hospiz-Bus geklaut wurde.

Im Namen des Guten Böses tun

„In diesem Falle diskutieren wir im Kollegenkreis“, berichtet Michael Klein, „ob der Bus ein Tatmittel ist, zum Beispiel, um eine andere Straftat durchzuführen.“ Das wäre perfide. Denn Tätern gehe es darum, unauffällig zu agieren, sagt Klein. Der Hospiz-Bus, der über eine Laderampe für mindestens zwei Rollstuhlfahrer verfügt, ist eher auffällig, weil bunt beklebt.

„Fest steht: Ein weißes Auto ist erst einmal unauffällig. Ein weißer Lieferwagen, vor allem, wenn er langsam durch die Straße fährt, ist es schon nicht mehr. Mit einem Bus, der auf das Hospiz verweist, errege ich erst einmal kein Aufsehen, weil so ein Fahrzeug eher positiv behaftet ist“, sagt Klein. Im Namen des Guten Böses tun. „Der Verein ist geschockt, wie Menschen so etwas machen können“, sagt Silke Keller, Pressereferentin des Hospizvereins. „Aber wir sind dankbar für die große Anteilnahme der Menschen.“

Hilfs-Angebote für den Hospizverein

Sechs konkrete Angebote gibt es bereits von Privatpersonen oder Organisationen, einen Bus leihweise zur Verfügung zu stellen. „So können wir unser Angebot fortführen“, sagt Keller. Denn: Bis die Versicherung den Restwert des drei Jahre alten Busses zahlen wird, müssen zunächst einige Wochen nach Verschwinden vergehen.

„Mit diesen Lieferwagen lassen sich zum Beispiel größere Mengen ­Diebesgut sehr gut transportieren. Das ist interessant für Täter“, sagt Klein. Möglich, dass sie nach der Folgetat zurückgelassen werden. „Andere Fahrzeuge tauchen nie wieder auf, weil sie zum Beispiel längst im Ausland sind und dort weiterverwertet werden, zum Beispiel als Ersatzteilträger.“

Wert der Beute: 15.000 Euro

Derzeit offenbar besonders beliebt: Gerätehäuser der Feuerwehren. Fünf Einbrüche innerhalb von etwas mehr als einem Monat waren es zuletzt in Südwestfalen. In Wenden klauten die Täter zielsicher ein hydraulisches Rettungsaggregat und einen hydraulischen Rettungsspreizer. Andere Wertsachen ließen sie liegen. Das Aggregat ist schwer und unhandlich; um es zu tragen, braucht es zwei Personen. Wert der Beute: rund 15.000 Euro. Mit dem Rettungsspreizer werden verletzte Personen aus Unfall-Fahrzeugen geborgen. Die Diebe werden offenbar immer dreister.

„Im Kreise unserer Kameraden herrscht Entsetzen und Unverständnis, dass uns Werkzeuge gestohlen werden, auf die wir angewiesen sind, um Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen zu retten“, sagt Christopher Quast, Sprecher der Feuerwehr in Wenden. Ein Leihgerät ist vorhanden, „wir sind einsatzbereit“, sagt Quast. Wann ein neues Gerät zur Verfügung steht, ist noch offen.

Markt für Rettungsspreizgeräte

„Rettungsspreizer sind für Täter immer dann interessant, wenn sie mit einem mechanisch hohen Widerstand bei der Tatausführung rechnen“, sagt Klein. Auch „im Zusammenhang mit Geldautomatenaufbrüchen“ kommen sie zum Einsatz, erklärt Klein. Weitere Möglichkeit: ein Weiterverkauf. Klein vermutet, dass „es einen Markt für Rettungsspreizgeräte gibt. Da die Geräte sehr teuer sind, gibt es wahrscheinlich auch hier eine Plattform für Hehler.“

Manchmal verschwinden gleich ganze Bagger, Traktoren oder Rüttelplatten von Baustellen. Messgeräte sind noch schneller abtransportiert. Nicht ausgeschlossen, dass da jemand den Fuhrpark seiner Firma etwas kostengünstiger zu erweitern versucht.

Es gibt nichts, was es nicht gibt

Michael Klein kann nach 39 Dienstjahren nichts mehr überraschen. Bis zum Jahr 2000 hat er als Sachbearbeiter im Bereich Einbruch und Diebstahl gearbeitet. Technische Prävention war zudem 17 Jahre lang sein Thema. Er weiß, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. „Die Täter verharren nicht, sie entwickeln sich immer weiter. Immer, wenn wir glauben, wir haben einen entscheidenden Schritt gemacht, haben die Täter ihre Strategien schon wieder angepasst.“

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