Heimat-Serie: Rückkehr

Großstadt adé! – Warum Heimat einfach mehr bietet

Max Humpe zog aus Hamburg zurück nach Neheim – und plant mit Freunden wie Ursula Brakel ein modernes Wohnprojekt.

Max Humpe zog aus Hamburg zurück nach Neheim – und plant mit Freunden wie Ursula Brakel ein modernes Wohnprojekt.

Arnsberg/Lippstadt.   Großstadt ist hip, Landleben ist rückständig – so das Klischee. Aber diese drei jungen Menschen sind nach Südwestfalen zurückgekehrt. Warum?

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Die ferne Großstadt ist hip und das Landleben in der Heimat rückständig. So das Klischee. Junge Südwestfalen haben den Praxistest gemacht – in Singapur, Düsseldorf und Hamburg. Jetzt sind sie wieder zurück, weil sie hier finden, was sie suchen.

Singapur – Bad Waldliesborn

Warstein-Belecke. 5400 Einwohner. Dort ist Nicole Castagné aufgewachsen. Dort ist sie ins Berufsleben gestartet bei Infineon Technologies. Im Auftrag des Spezialisten für Halbleitertechnologie ging sie 2005 nach Singapur. 5,6 Millionen Einwohner. Vier Jahre lang hat Nicole Castagné dort gelebt – gemeinsam mit ihrem heutigen Mann. In Singapur ist ihr erstes Kind zur Welt gekommen.

Sie hätten bleiben können – oder nach München gehen. „Wir hatten ein konkretes Angebot“, sagt Nicole Castagné. Sie haben sich für Südwestfalen entschieden. Bei Hella, Lichttechnik-Spezialist und Weltmarktführer, ist die 36-Jährige in der Personalabteilung. Wohnort: Bad Waldliesborn. 5200 Einwohner. Fahrtzeit ins Büro: wenige Minuten. Ein Vielfaches davon hätte sie in München im Stau verbracht. Zeit, die ihr für die Kinder fehlen würde. Mittlerweile sind es drei. „Dieses Leben wäre in einer Großstadt nicht möglich“, sagt sie. Schon gar nicht in der Heimatstadt ihres Mannes: Paris. Seine Geschwister, Freunde dort seien jeden Tag eine Stunde unterwegs zur Arbeit. Mehr als ein Kind könnten sie sich nicht leisten – weder zeitlich noch finanziell, weil Miet- und Immobilienpreise hoch seien.

Die Welt aber fehlt Nicole Castagné bei Hella nicht. „Wir arbeiten in einem globalen Unternehmen. Uns kann die Decke nicht auf den Kopf fallen, weil immer wieder Dienstreisen anstehen.“ Kleinstädtisch und doch international – „eine tolle Kombination“.

Düsseldorf – Holzen

Arnsberg-Holzen. 1950 Einwohner. Dort ist Christian Schulte aufgewachsen. Er machte eine Ausbildung zum Bürokaufmann, ging zum Discounter Lidl nach Unna und Siegen. Dann nach Deggendorf in Bayern zu Segway, den elektrischen Rollern mit nur einer Achse. Modernes Produkt, moderner Arbeitgeber. „Da hatte ich Bock drauf“, sagt Christian Schulte. Zweieinhalb Jahren später zurück nach NRW, Düsseldorf. 600 000 Einwohner. Zu einem Start-up-Unternehmen.

Doch Christian Schulte wollte seine eigene Firma aufbauen, einen Online-Lebensmittelhandel. „Das wäre in Düsseldorf nicht möglich gewesen“, sagt der 35-Jährige. Mit dem Transporter hätte er ständig im Stau gestanden. Pakete hätte er erst nach 18 Uhr ausliefern können, wenn die Kunden von der Arbeit zurück sind. „Hier im Sauerland kann ich Waren auf die Terrasse stellen oder ich liefere bei Nachbarn ab“, erklärt er. Also zurück nach Holzen, 1950 Einwohner. Auch, weil er günstige Räumlichkeiten gefunden hat, um den hofladen-sauerland.de aufzubauen.

Hamburg – Neheim

Neheim. 23 200 Einwohner. Dort ist Max Humpe aufgewachsen. Nach dem Pharmaziestudium in Münster zog er nach Hamburg, 1,86 Millionen Einwohner. Acht Jahre lang arbeitete er als Klinik-Apotheker. Er lernte seine Frau kennen, die erste Tochter kam zur Welt, mittlerweile hat er drei Mädchen.

Familie und Beruf zu vereinbaren – das sei in Hamburg schwer möglich gewesen. 45 Minuten war Max Humpe unterwegs zur Arbeit, seine Frau ebenfalls, allerdings in entgegengesetzter Richtung. In Neheim ist er in die Apotheke des Vaters eingestiegen. Er ist selbstständig, flexibel und braucht nur drei Minuten bis zum Arbeitsplatz.

In Neheim kann er auch seine Vorstellung von modernem Wohnen verwirklichen. Gemeinsam mit Ursula Brakel, aus Frankfurt nach Neheim gekommen, und zwei weiteren befreundeten Familien bauen sie den „Gartenhof Neheim“. Fünf Einfamilienhäuser (ein Grundstück ist noch zu haben) und in der Mitte ein Hofhaus für alle Familien. Ein Treffpunkt zum Feiern und Spielen, ein Gästehaus für Besucher. Ein Projekt, um sich in jeder Lebensphase gegenseitig zu unterstützen. Die Idee kennen sie aus ihren Großstädten, hätten sie dort aber nie bezahlen können.

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