Gericht

Abus-Prozess befasst sich mit ominöser Bargeldkasse

Am Landgericht Hagen geht der Prozess um Veruntreuung von Firmengeldern weiter.

Foto: Cornelia Merkel

Am Landgericht Hagen geht der Prozess um Veruntreuung von Firmengeldern weiter.

Volmarstein/Hagen.   Am dritten Verhandlungstag ging es im Abus-Prozess gegen einen ehemailgen Prokuristen um eine Barkasse, über die es keine Aufzeichnungen gibt.

Am dritten Verhandlungstag im Veruntreuungsprozess gegen den ehemaligen Abus-Prokuristen Joachim D. (70) stand für die Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Hagen eine zentrale Frage im Vordergrund: Was hat es mit der Barkasse auf sich, die jahrzehntelang – ohne Belege – in der Firma geführt wurde?

Zur Erinnerung: Joachim D. ist geständig, zwischen Oktober 2010 und August 2015 stolze 16,2 Millionen Euro an Abus-Firmengeldern an die Seite geschafft zu haben. Die tatsächliche Schadenssumme soll den angeklagten Betrag sogar noch um 10 Millionen Euro übersteigen und bei 26 Millionen Euro liegen.

Enger Vertrauter der Unternehmerfamilie

Der Angeklagte war langjährig ein enger Vertrauter der Unternehmerfamilie Bremicker. Über die gemeinsame „christliche Gemeinde“ nach Abus empfohlen und dort 1988 als Prokurist eingestellt, gelang es ihm – als bis dahin einzigen Außenstehenden – in die Führungsebene des Konzerns für Sicherheitstechnik vorzudringen.

27 Jahre lang galt Joachim D. in der Außendarstellung der Firma als „Mister Abus“. Bis zum 30. August 2015, als die bittere Wahrheit seiner millionenschweren Veruntreuungen ans Licht kamen.

"Kleine Barkasse" für Zuwendungen an Mitarbeiter

Am ersten Verhandlungstag hatte Strafverteidiger Andreas Kost eine schriftliche Erklärung des Angeklagten verlesen lassen. Darin war auch von einer „kleinen Barkasse“ die Rede, die innerhalb der Firma geführt wurde: Daraus seien unter anderem Zuwendungen an Mitarbeiter „im Sinne einer christlichen und sozialen Firmen-Philosophie geleistet worden“.

In diese Barkasse will Joachim D. angeblich auch selbst Geld „eingezahlt“ und dadurch insgeheim eine Art „kleine Schadenswiedergutmachung“ geleistet haben. Wenn es stimmen sollte, könnte das vielleicht beim Strafmaß etwas zugunsten des Angeklagten punkten. Insofern ist diese Barkasse für das Gericht von Bedeutung.

Friedhelm Woeste (70), seit Jahrzehnten der Steuerberater von Abus, als Zeuge: „In die Barkasse wurden Privatentnahmen der Gesellschafter gebucht. Es handelt sich dabei um versteuertes Geld.“ Welche Summen in der Barkasse waren? „Es gibt keine Aufzeichnungen darüber. Ich kann nur schätzen: 20 000 bis 50 000 Euro im Jahr.“

Trinkgelder an Handwerker

Mit dem Geld aus der Barkasse konnte Mitarbeitern geholfen werden, die in Not geraten waren. Auch wurden daraus Weihnachtsgeschenke für weibliche Mitglieder der Familie Bremicker finanziert. Oder „Trinkgelder“ an fleißige Handwerker bezahlt, die schon mal am Wochenende tätig wurden.

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