E-Tretroller

E-Tretroller im Sauerland-Praxistest: Eingewöhnung nötig

Reporter Rolf Hansmann (rechts) und Dekra-Mann Friedhelm Schwicker beim E-Tretroller-Test.

Reporter Rolf Hansmann (rechts) und Dekra-Mann Friedhelm Schwicker beim E-Tretroller-Test.

Foto: Bernd Thissen

Marsberg.   Ein Test von E-Tretrollern zeigte: Man benötigte eine gewisse Eingewöhnungszeit, bis man wie eine Eins auf den neuen Fortbewegungsmitteln steht.

Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit und ein großer für mich. Womöglich seit einem halben Jahrhundert habe ich nicht mehr auf einem Tretroller gestanden, jetzt soll es gleich ein elektrischer Kleinstroller sein. Bis zu 20 Stundenkilometer schnell. Große Ereignisse werfen eben ihre Schatten voraus: Am 17. Mai stimmt der Bundesrat voraussichtlich über die Verordnung für den Betrieb von Tretrollern mit Elektromotoren auf Radwegen und Straßen ab. Ob die E-Scooter meine Stimme bekämen? Das soll ein Selbsttest, oder besser: Härtetest zeigen.

Friedhelm Schwicker zaubert vor meinen Augen kein Kaninchen aus dem Hut, sondern einen X2 City von BMW, der von Kettler Alu-Rad (Köln) produziert wird. Der Mann von der Prüforganisation Dekra hat für meinen Test die Vorführmodelle und eine Teststrecke – eine Privatstraße in Marsberg – organisiert. Gebannt schaut er auf meine ersten Stehversuche auf dem Roller: „Die E-Scooter haben andere Fahreigenschaften als ein Mofa oder ein Motorrad“, sagt er, „Sie sollten sich damit nicht zu sehr in die Kurve legen.“

Akku unter der Fußfläche

Mein Test-Gefährt mit dem Akku unter der Fußfläche muss zunächst per Muskelkraft auf 6 km/h beschleunigt werden. Das heißt, ich drücke kräftig mit dem Fuß ab, so als wolle ich einen Kinderroller in Schwung bringen, und springe dann auf das Trittbrett. An dessen hinteren Ende ist das Gaspedal. Nach Anschubschwierigkeiten läuft der flotte Flitzer von selbst.

Es ist zunächst ein ungewohntes Fahrgefühl. „Die Fahreigenschaften sind anders als beim Rad“, hatte Dekra-Mann Schwicker mich vorgewarnt. Im ersten Moment sehne ich mich nach den Stützrädern, die ich einst beim Erlernen des Radfahrens benutzt habe und gute Dienste beim Ausbalancieren leisteten. Ich brauche Zeit, um wie eine Eins auf dem fahrbaren Untergrund zu stehen. Gut, dass die tadellosen Bremsen am Lenkrad ein Gefühl von Sicherheit geben.

Verkehrsminister Scheuer preist den E-Roller als echte Alternative zum Auto an. Bevor der Berufspendler im Stau Nerven lässt und die Umwelt mit seinem Pkw verpestet, soll er in Zukunft mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen und „die letzte Meile“ mit dem E-Scooter bewältigen. Der Lenker des BMW X2 City ist einklappbar, mit seinem 20-Kilo-Gewicht erscheint es schwierig, ihn mal eben unter dem Arm in Bus und Bahn zu transportieren. Er ist eher geeignet für den Weg von einem festen Abstellplatz an der Bus- oder Bahnhaltestelle zum Arbeitsort.

Trendgefährte in Städten

Deutlich mehr einklappen lässt sich der Metz Moover, hergestellt von einem Unternehmen der Unterhaltungselektronik. Metz preist sein Modell als „perfekt für Pendler, Stadtbewohner, Wohnmobilisten, Caravanisten und alle, die Kurzstrecken schnell zurücklegen wollen“ an. E-Scooter sind weniger für Steigungen wie im Sauerland geeignet, die Motorleistung des Moover (Gashebel am Lenker) ist aber so gut, dass kleinere Hügel geschafft werden – längst nicht selbstverständlich bei allen Rollern.

Der Moover liegt gut auf der Straße, auch wenn seine Räder (12 Zoll) kleiner sind als beim X2 City (16 Zoll, ebenfalls luftbereift). Die Räder sind ohnehin so eine Sache bei E-Tretrollern. Aus einem Elektronikmarkt ist das dritte Testmodell, dass Friedhelm Schwicker von Dekra bereitgestellt hat. „Je kleiner die Räder, desto größer die Gefahr bei Nässe oder bei Hindernissen“, sagt er und weist mich für den City Blitz (Vollgummi-Reifen) ein. Jede Unebenheit der Straße ist während der wackeligen Fahrt zu spüren, beim Versuch, eine Bordsteinkante zu passieren, komme ich arg ins Wanken. Die Bremsen wirken bei weitem nicht so wie die der beiden zuvor getesteten Modelle. Billig-Roller scheinen eher geeignet als „Spielzeug“ für Privatgelände denn für den Alltagsbetrieb.

Leicht-Mofa auch in der Zukunft

E-Scooter im Test

Westfalenpost-Redakteur Rolf Hansmann (r) und Friedhelm Schwicker von der Dekra testen in Marsberg auf einem Privatgrundstück E-Scooter vom Typ BMW X2City und Metz Moover. Ein Beitrag von Bernd Thissen.
E-Scooter im Test

Zur Zukunft der Elektromobilität soll auch das faltbare Leicht-Mofa K1 Hammer zählen. Es ist zwar kein klassischer E-Roller, dennoch als Vergleichsmodell im Test willkommen. Es hat eine Sitzfläche, kommt durch Gasgeben am Lenker sofort auf Touren – der Nutzer findet sich bei ihm durch die Nähe zum Fahrrad schneller zurecht.

Fazit: Man wird nicht mal soeben zum geübten E-Tretroller-Fahrer. Man benötigt eine gewisse Eingewöhnungszeit. Ganz so harmlos, wie E-Scooter wirken, sind sie womöglich nicht. Unfälle von Ungeübten sind zu befürchten.

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