Straftaten von rechts

Ehrenamtliche Lebensmittelretter mit Rattenkadavern bedroht

Malte Niessing ist einer der Lebensmittelretter, die bedroht werden.

Foto: Hendrik Schulz

Malte Niessing ist einer der Lebensmittelretter, die bedroht werden. Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Mitglieder von Foodsharing in Siegen sind seit Monaten Opfer obskurer Attacken. Der Staatsschutz schließt rechte Gruppen als Täter nicht aus.

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Sie retten Lebensmittel vor dem Mülleimer. Doch jetzt müssen sich die Mitglieder von Foodsharing in Siegen erst einmal selbst in Sicherheit bringen – vor Attacken auf ihre Initiative, vor Drohungen und Hakenkreuzschmierereien.

Eine tote Ratte im Brötchen – das ist bisher wohl einer der unappetitlichen Tiefpunkte der Angriffe auf die Mitglieder von Foodsharing. 40 Ehrenamtliche engagieren sich in der Siegener Gruppe. Täglich sammeln sie 150 Kilogramm Lebensmittel bei etwa zwölf Betrieben in der Stadt: Brot, Obst, Gemüse, Milch, Fleisch. Alles, was die Unternehmen nicht mehr verkaufen können. Produkte zum Beispiel, die noch genießbar sind, auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Die Foodsaver teilen sie unter sich selbst auf und verschenken sie an andere. Nicht nur an Bedürftige.

Dafür hatten die Mitglieder von Foodsharing in Siegen drei „Fairteil“-Plätze eingerichtet, an denen sich jeder Lebensmittel abholen konnte – bis es vor etwa zwei Monaten losging mit den Attacken.

Internetseite gehackt

Auf der Foodsharing-Plattform im Internet wurde zunächst das Profil von Malte Niessing, einem der Lebensmittelretter, gehackt, um unter seinem Namen Hakenkreuzsymbole zu verschicken. Darüber habe er noch müde gelächelt, sagt Malte Niessing. Doch dann brachen die Täter in einen der Fairteil-Plätze ein, eine Gartenhütte, schmierten Hakenkreuze an die Wände, kokelten Vorhänge an.

„Von da an ist alle zwei bis drei Tage etwas passiert“, sagt Malte Niessing. Nicht nur in der Gartenhütte, sondern auch an einem zweiten Standort der ­Food­sharer in Geisweid. Die Lebensmittelretter fanden Hakenkreuze aus Flammkuchenpackungen arrangiert. Eine tote Katze. Einen Eimer voller Kot. Einen Zettel mit dem Porträt eines ihrer Mitglieder – mit Fadenkreuz auf der Stirn. Dazu die Worte: „Tod dem linken Gesöcks“.

Nun sind die beiden Fairteil-Plätze geschlossen: „Wir können die Sicherheit der Lebensmittel nicht mehr garantieren“, sagt Malte Niessing. Nur die Stelle an der Uni ist noch geöffnet. Wer hinter den Attacken steckt und warum sie Opfer solcher Angriffe werden – das wissen die Foodsaver nicht. „Wir sind überparteilich“, betont Malte Niessing. Man würde selbst an Neonazis Lebensmittel verteilen, wenn sie kämen, sagt der 28-Jährige. Fünf Stunden arbeitet der Student pro Woche für ­Food­sharing. Entmutigen lässt er sich nicht: „An Aufhören denkt keiner von uns, denn wir bekommen für unsere Arbeit von vielen Menschen sehr positive Rückmeldungen. Die Angriffe machen uns stärker.“

Staatsschutz ermittelt

Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen wegen Sachbeschädigung, Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. „Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um eine rechte Gruppierung handelt“, so Pressesprecher Ulrich Hanki. In Siegen und Olpe habe man wegen solcher Gruppen immer wieder zu tun. „Aber wie ermitteln in alle Richtungen.“

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