Klimaschutz

Europa streubt sich gegen Thermostatventil als Standard

Man muss nicht gleich am Rad drehen, wenn man eine alte Heizung hat. Es gibt gute andere Möglichkeiten, die Heizkosten zu senken.

Foto: NRIGAST1

Man muss nicht gleich am Rad drehen, wenn man eine alte Heizung hat. Es gibt gute andere Möglichkeiten, die Heizkosten zu senken. Foto: NRIGAST1

Olsberg.   Thermostatventile sind in Deutschland Standard, im Rest Europas längst nicht. Dabei könnten sie viel zum Klimaschutz beitragen.

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Beim Klimaschutz dominieren die großen Themen Kohleausstieg und CO2-Grenzwerte für Fahrzeugflotten die Diskussion – auch auf dem gerade stattfindenden Gipfel in Bonn. Das Thema Energieeffizienz in Gebäuden scheint dagegen beinahe in Vergessenheit zu geraten, obwohl hier viel Potenzial schlummert. Und es müsste nicht einmal ein großes Rad gedreht werden.

Moderne Ventile an allen Heizkörpern innerhalb der Europäischen Union würden für enorme Effekte sorgen, ist der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese überzeugt. Der umweltpolitische Sprecher seiner Fraktion hat sich für einen entsprechenden Beschluss eingesetzt, um Thermostatventile als Standard in der EU-Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie festzuschreiben. „Wir müssen allerdings noch die Kommission und die Mitgliedsstaaten überzeugen. Da gibt es sehr viel Widerstand“, sagt Liese bei der Vorstellung der Initiative im Holzzentrum in Olsberg.

Nur 40 Prozent in der EUhaben moderne Ventile

Was in Deutschland irritieren mag: In Europa ist ein Großteil der wassergeführten Heizkörper nur mit einfachen Ventilen ausgestattet, die zwar ungefähr die Durchflussmenge begrenzen können, aber mit denen nicht die Raumtemperatur gesteuert werden kann. Nur vier von zehn Heizkörpern seien mit Thermostatventilen ausgerüstet.

Ein Markt, mit Potenzial für mehrere Hundert Millionen neuer Thermostatventile, von denen ein erheblicher Teil aus Südwestfalen kommen könnte. Mit den Unternehmen Oventrop aus Olsberg und IMI Hydronic Engineering aus Erwitte (Marke Heimeier) sitzen hier zwei von drei Marktführern in Europa. Dass Oventrop-Seniorchef Georg Rump das Engagement des Europaabgeordneten Liese begrüßt, verwundert also nicht. Um in den eigenen vier Wänden Energie und somit Geld zu sparen, „sind Thermostatventile aber auch das einfachste Mittel der Wahl“, bemerkt Rump. Die Investition ist mit rund 20 Euro für ein einfaches Modell überschaubar und vom Effekt her eine spürbare Verbesserung. Abgesehen vom Komfort, jeden Raum individuell temperieren zu können, spare man pro Jahr und Durchschnitts-Haushalt rund 200 Euro und zwischen zehn und zwanzig Prozent Heizenergie.

Standard in Deutschlandseit den 1970er-Jahren

In Deutschland sind Thermostatventile als Standard bereits Ende der 70er-Jahre eingeführt worden. Dennoch gibt es auch hierzulande durchaus noch Optimierungsmöglichkeiten. Stand heute geht die Branche davon aus, dass auch in Deutschland nur rund 90 Prozent der infrage kommenden Heizkörper mit den modernen Ventilen ausgestattet sind. Zudem können die Produkte von heute weit mehr als die der 80er-Jahre. Mit den moderneren könne beispielsweise auch ein hydraulischer Ausgleich zur Optimierung der Heizleistung im gesamten Gebäude vorgenommen werden, bei älteren Modellen fehlt die Möglichkeit der Voreinstellung am Ventil.

Steueranreize alsBeschleuniger für Umrüstung

Wann oder ob Thermostatventile innerhalb der EU zum Standard erklärt werden, scheint noch sehr ungewiss zu sein. Laut Liese finden am 5. Dezember die nächsten Gespräche mit Vertretern des Parlaments, der Kommission und dem Ministerrat statt. Mit dabei sein wird Peter Liese, der sich auch hierzulande mehr Interesse am Thema Gebäudesanierung wünscht.

Beim Verbraucher könne dies über den Geldbeutel geweckt werden. „Steueranreize für Modernisierungen wären eine Möglichkeit. Ich glaube, dass die kommende Koalition dies umsetzen wird“, lässt der CDU-Mann durchblicken. Bislang sei dies daran gescheitert, dass Länder und Bund sich nicht einig geworden seien, wer auf wie viel Steuereinnahmen verzichte. „Zur Not muss es der Bund ohne die Länder machen“, rät Liese mit Blick auf Berlin. Deutschlands Image in Sachen Klimaschutz würde mehr Augenmerk auf Gebäudeeffizienz sicher auch nicht schaden. Die Debatte um den Kohleausstieg und emissionsarme Pkw-Antriebe wird und muss deshalb nicht verstummen.

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