Schädlingsplage

Borkenkäfer sollen unter luftdichter Folie eingehen

Viel zu viel Holz liegt derzeit schon in Wäldern – und es kommt noch mehr hinzu: vom Borkenkäfer befallene Fichten sollen so schnell wie möglich gefällt werden.

Viel zu viel Holz liegt derzeit schon in Wäldern – und es kommt noch mehr hinzu: vom Borkenkäfer befallene Fichten sollen so schnell wie möglich gefällt werden.

Foto: Ralf Rottmann

Arnsberg/Münster.   Wald und Holz NRW plant einen ungewöhnlichen Test in Arnsberg: Von Borkenkäfern befallene Fichtenstämme sollen gestapelt und verpackt werden.

Der Landesbetrieb Wald und Holz plant im Raum Arnsberg einen Versuch, vom Borkenkäfer befallenes Fichtenholz mit Kunststofffolien möglichst luftdicht zu verpacken. Durch den Sauerstoffmangel sollen die Schädlinge absterben und das Holz gleichzeitig für eine längere Lagerung konserviert werden. Entsprechende Informationen dieser Zeitung bestätigte am Dienstag ein Sprecher von Wald und Holz in Münster.

Fällt der Testlauf in Arnsberg positiv aus, soll das Verfahren „im Laufe des Jahres landesweit“ im großen Stil angewendet werden. „Wir müssen ausprobieren, ob das Verfahren praktikabel und, auch mit Blick auf spätere Entsorgungskosten der Folien, wirtschaftlich ist“, erklärte Michael Blaschke, Sprecher von Wald und Holz in Münster, auf unsere Nachfrage.

Bislang ungekannte Schädlingsplage

Geplant ist demnach, vom Borkenkäfer befallene Fichten zu fällen und die zu Holzstapeln (Holzpolter) aufgeschichteten Stämme komplett mit einer festen Kunststofffolie zu überziehen. Das Holz bleibe so „für mehrere Jahre konserviert“, erklärte Blaschke. Und unter Luftabschluss sollen die Borkenkäfer und ihre Larven eingehen. Wo genau die Versuche im Raum Arnsberg stattfinden sollen, stehe allerdings noch nicht fest.

Der Landesforstbetrieb rechnet für dieses Jahr mit einer Borkenkäferplage ungekannten Ausmaßes. Nur durch das sofortige Fällen befallener Bäume und deren Beseitigung aus dem Wald lasse sich das Ausmaß noch eindämmen.

Rückkehr der Nasslagerplätze

Wir rechnen mit gigantischen Schädlingszahlen“, blickt Michael Blaschke, Sprecher des Landesbetriebs Wald und Holz, ins Jahr. Forstexperten, Waldbesitzer und Landesbetrieb schlagen Alarm und sind sich dieser Tage einig: Die Lage ganzer Waldstriche in Westfalen ist katastrophal. Während der Waldbesitzerverband (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, AGDW) unlängst gefordert hat, vom Borkenkäfer befallenes Holz in Großanlagen zu verbrennen, setzt das Land Nordrhein-Westfalen auf zwei Verfahren: neben dem Verpacken von aufgestapeltem Schadholz in Kunststofffolien ist die Wiedereinrichtung von Nasslagerplätzen vorgesehen.

Die Folienverpackung soll im Raum Arnsberg zunächst getestet werden. Erste Versuche nach Orkan Kyrill mit dieser Methode waren enttäuschend ausgegangen: „Die verwendeten Folien waren zu dünn, sind gerissen“, blickt Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz zurück. Jetzt soll eine dickere, möglichst reißfeste Folie im Testlauf verwendet werden; eine Folie, „die auch Nagetieren standhält“. Außerdem sollen die Baumstämme an den Fällkanten abgerundet werden, um die Folien beim Verpacken nicht zu beschädigen. Auf diese Weise sollen vom Borkenkäfer oder seinen Larven befallene Fichten möglichst schnell gefällt und luftdicht verpackt werden.

Aufgestapelt und beregnet

Die zweite Baustelle der Forstleute: Die durch Orkan „Friedrike“ (Januar 2018) und Sturm „Eberhard“ (März 2019) entwurzelten Bäume müssen ebenfalls aus den Wäldern geholt und verwertet werden. Hier ist eine bereits erprobte Zwischenlagerung geplant: So genannte Nasslagerplätze sollen wieder landesweit eingerichtet werden. Bereits nach Orkan „Kyrill“ (Januar 2007) waren diese Stellen aufgebaut worden: Holzstämme werden großflächig aufgestapelt und fortlaufend mit Wasser beregnet. „Die Suche nach geeigneten Flächen läuft bereits“, sagt Michael Blaschke; es werde auch Nasslagerplätze im Sauerland geben. Noch würden allerdings Gespräche mit den Eigentümer geführt, so Blaschke.

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