Autobahnen

Flüsterasphalt verursacht im Ruhrgebiet mehr Baustellen

Hörprobe: Stefan Ehlert, Bautechniker bei Straßen NRW, arbeitet an der Entwicklung eines neuen Straßenbelags mit.

Hörprobe: Stefan Ehlert, Bautechniker bei Straßen NRW, arbeitet an der Entwicklung eines neuen Straßenbelags mit.

Foto: MATTHIAS GRABEN

Hagen.   Normaler Gussasphalt hält zwar deutlich länger, aber Straßen NRW experimentiert mit neuen Belägen - wie dem lärmmindernden Flüsterasphalt.

Ausgerechnet die hohen Lärmschutzauflagen an Autobahnen führen in NRW dazu, dass viele Anlieger zusätzlichen Baustellen ausgesetzt sind. Denn der sogenannte Flüsterasphalt („offenporiger Asphalt“, kurz: OPA) erreicht zwar „die mit Abstand beste Lärmminderung“, sagt Christoph Dröge, Leiter der Abteilung Straßenbau bei der Landesbehörde Straßen NRW. Er geht aber auch schneller wieder kaputt als herkömmlicher Gussasphalt und muss dann neu aufgetragen werden: nach zehn bis zwölf Jahren, Gussasphalt erreicht 25 bis 30 Jahre.

In und um Südwestfalen liegt der Belag nach Auskunft von Straßen NRW u. a. auf der A 1 bei Schwerte (zwischen Westhofen und Raststätte Lichtendorf ), streckenweise auf der A 45 (Sauerlandlinie) und auf der A 46 bei Iserlohn und bei Wuppertal. Das Ruhrgebiet und die Rheinschiene kommen auf zusammen rund 100 Kilometer Autobahn mit Flüsterasphalt.

Flüsterasphalt kommt auf A 45 nicht zum Einsatz

Beim aktuellen Ausbau der A 45 kommt der Flüsterasphalt nicht zum Einsatz – „wegen der Topographie und des Klimas auf den Höhenstrecken“, erklärte Ludger Siebert, Leiter der Regionalniederlassung Südwestfalen von Straßen NRW, auf unsere Nachfrage.

Offenporiger Asphalt verringere den Straßenverkehrslärm dauerhaft um fünf Dezibel zu einer Vergleichsstraßenoberfläche, stellt Christoph Dröge den Vorteil des Belags heraus. Weil er eine kürzere Haltbarkeit hat, komme der OPA nur „in begründeten Einzelfällen in Betracht“, und zwar immer dann, wenn andere Lärmschutzmaßnahmen keine ausreichende Minderung ermöglichen.

Großer Lärmschutz mit längerer Haltbarkeit verbinden

Die offene Struktur, die Motor- und Rollgeräusche schluckt, ist dabei zugleich das Problem: Sie setzt sich zu mit Staub und Abrieb. Zugleich wird sie immer härter und zerfällt.

Straßen NRW experimentiert deshalb an mehreren Autobahnabschnitten mit neuen, auch selbst entwickelten Belägen, die großen Lärmschutz mit längerer Haltbarkeit verbinden sollen. Da ihre Wirksamkeit nicht geklärt ist, liegen sie in Regionen, in denen kein Lärmschutz erforderlich ist. „Die Teststrecken haben bis zu zehn Jahre auf dem Buckel, die Beobachtung und die Messungen gehen weiter. Die Zwischenergebnisse sind gut“, sagt Dröge.

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