Frühjahrsputz

Gebäudereiniger aus Hagen: So putzt man die Wohnung richtig

Am 20. März ist Frühlingsanfang. Für viele alljährlich der Anlass, Eimer und Putzlappen aus dem Schrank zu kramen. Gerade die Ceran-Platte des Herdes ist eine echte Herausforderung.

Am 20. März ist Frühlingsanfang. Für viele alljährlich der Anlass, Eimer und Putzlappen aus dem Schrank zu kramen. Gerade die Ceran-Platte des Herdes ist eine echte Herausforderung.

Foto: Matthias Graben

Hagen.   Hans-Peter Scheene arbeitet seit 36 Jahren als Gebäudereiniger. Er setzt auf Handwerk - und rät von einem oft gepriesenen „Wundermittel“ ab

Zugegeben: Ich bin eine Woche zu früh. Kalendarisch beginnt der Frühling und damit das Putzen dieses Jahr erst am 20. März. Aber ich will vorbereitet sein auf den Ernstfall.

Um die heimische Wohnung frühlingsfrisch zu bekommen, habe ich Hilfe vom Profi angefordert. Hans-Peter Scheene ist Gebäudereiniger und leitet einen Familienbetrieb in Hagen. Nein, er soll meine Wohnung nicht für mich putzen. Aber er soll Tipps geben, wie das richtig geht. Denn hier schreibt ein Putz-Muffel, der Eimer und Lappen gern wohlbehütet im Schrank belässt.

Es folgt eine Lehrstunde in drei Akten – über ungeahnte Staubfänger, altbewährte Werkzeuge und trügerische Wundermittel.

Lernen für den Ernstfall

Bevor Hans-Peter Scheene an meiner Wohnungstür klingelt, war die Spannung groß. Wie viele verschiedene Putzmittel hat er dabei? Welche Wunderreiniger wird er vorführen? Fragen über Fragen, die sich schnell erübrigen. Er kommt mit Eimer, Tuch und drei Flaschen Reinigungsmittel.

Ein erfahrener Gebäudereiniger steht in meinem Flur, 36 Jahre lang im Geschäft, und mehr braucht er nicht zum ordentlichen Reinemachen? „Weniger ist mehr“, sagt Hans-Peter Scheene und lacht. Nach dem Putz-Unterricht sollte ich verstehen, was er damit meint.

Lektion 1: Achte auf versteckte Schmutzfänger! „Beim Frühjahrsputz sind Heizungen ein Thema“, blickt Scheene zunächst auf die Heizkörper in meinem Wohnzimmer. Hier sammelt sich ordentlich Staub an. „Das wird beim Putzen gerne vergessen.“

Ein klassischer Plattenheizkörper, wie ich ihn besitze, lässt sich am besten mit Wasser reinigen. Tücher drunter und das Wasser von oben durch die Lamellen fließen lassen, um den Staub auszuspülen. „Wir gehen da mit Laubbläsern rein, dann presst der Wind den Schmutz raus“, gibt Gebäudereiniger Scheene einen Einblick in den Arbeitsalltag seiner Mitarbeiter. Der 52-Jährige ist mit dem Reinigungshandwerk aufgewachsen. Er setzt auf Nachhaltigkeit.

Altbewährte Hilfsmittel

Lektion 2: Schieß’ nicht mit Kanonen auf Spatzen! „Bevor ich beim Reinigen die Chemie-Keule einsetze, nutze ich immer erst leichte Mittel“, so Scheene. Das gelte für alle Beläge, von Holz über Fliesen bis zu sehr empfindlichen Lacken.

Zum Reinigen vertraut er dabei auch auf altbewährte Hilfsmittel, die in kaum einer Reiniger-Werbung angepriesen werden. Der Scheuerbürste etwa, einem effektiven Werkzeug zum Reinigen und nebenbei quasi ewig haltbar. Wir gehen ins Badezimmer. Es grüßt die Wanne mit Schmutzrand, fettigen Rückständen von Shampoo und Duschgel. Dazu schimmert Kalk an der Armatur. Ich schrubbe mit Scheuerbürste und warmem Wasser, die ersten Erfolge zeigen sich schnell.

Lektion 3: Reinigungsmittel nicht gänzlich verteufeln! Wenn warmes Wasser allein nicht mehr hilft, kommen Reiniger ins Spiel. Ein Putzmittel kann entweder mineralische oder fettige Verschmutzung lösen. „Es gibt nicht ein Mittel für alles“, sagt Scheene. Aber die Kombination kann sinnvoll sein.

Wer seine Toilette reinigt, der sollte mal Allzweckreiniger, mal Säurereiniger benutzen. „Sonst bleiben resistente Bakterien zurück.“ Ich nicke – und habe bereits die nächste Keimquelle im Visier: die Küche. Das Ceranfeld sieht aus wie ein Schlachtfeld, viele Flecken zeugen von häufigem Gebrauch.

Für die Reinigung gilt auch hier: weniger ist mehr. Ich schnappe mir ein Mikrofasertuch, feuchte es mit warmem Wasser an und poliere. Langsam verblassen die Flecken. Daneben wartet die schmutzige Spüle. Um Edelstahl zu reinigen, rät Hans-Peter Scheene zu Zitronensäure. Zwar könne man auch den oft gepriesenen und biologisch abbaubaren „Wunderreiniger“ Essig nutzen. Aber: „Bis Essig restlos abgebaut ist, entstehen Nebenstoffe. Die sind zum Teil Gift für die Natur.“

Weniger ist mehr

Das Fazit: Putzen ist kein Hexen-, sondern Handwerk. Und das klappt auch mit Hilfsmitteln, die sich seit Jahren bewähren. Schon der richtige Einsatz von Bürste, Mikrofasertuch und Wasser kann Wunder wirken. Angesichts immer neuer Werbespots für Reinigungsmittel ein beruhigendes Gefühl.

So räume ich Eimer und Lappen zufrieden zurück in den Schrank. Bis zum nächsten Wohnungsputz. In den nächsten Wochen. Oder Monaten. Irgendwann.

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