Krankheit

Grippewelle in Südwestfalen angekommen – ein Mittel fehlt

Eine Tasse Tee kann Grippekranken etwas helfen.

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Eine Tasse Tee kann Grippekranken etwas helfen. Foto: Getty Images

Hagen.   Die Dreifachimpfung hilft nicht gut gegen die Influenza-Viren, die in diesem Winter verbreitet sind. Was ein Hausarzt deshalb empfiehlt.

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Die Grippewelle rollt an. Die Zahl der Erkrankten steigt in Südwestfalen derzeit deutlich. Das Problem: Die Impfung wirkt offenbar nicht ausreichend gegen den Erreger, der diesmal umgeht.

Die Zahlen

Bundesweit ist die Zahl der Grippefälle deutlich angestiegen, meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin – in der Woche vom 22. bis 28. Januar wurden annähernd 10 000 Fälle beim RKI gemeldet.

Im Hochsauerlandkreis waren laut Landeszentrum Gesundheit NRW Ende Januar 14 Influenza-Erkrankungen gemeldet.

Mittlerweile ist die Zahl nach Angaben des HSK auf 30 gestiegen. 30 Erkrankungen, ähnlich viele wie im Vorjahr, meldet auch der Kreis Soest, die Hälfte davon allein im Februar.

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Das sind die offiziellen Zahlen, labordiagnostisch bestätigt. Die Dunkelziffer ist hoch. In einer durchschnittlichen Saison verzeichne man beim RKI 100 000 im Labor bestätigte Erkrankungen, erklärt Pressesprecherin Susanne Glasmacher. In die Arztpraxen kämen aber bis zu 5 Millionen Menschen mit Symptomen der Virusgrippe.

Die Prognose

Mehr Patienten kommen derzeit auch zu Heinz Ebbinghaus, Allgemeinmediziner in Soest. Nicht außergewöhnlich viele, sagt er, „aber der Leidendruck bei den Patienten ist in dieser Saison hoch“, stellt er fest. „Die Sonne hat wochenlang nicht geschienen, das Wetter ist schäbig, die Menschen sind genervt“, erklärt er. Das beobachtet er ebenso mit Sorge wie die Tatsache, dass viele deshalb kaum mehr nach draußen gehen. „Das reduziert das Immunsystem. Die Menschen werden anfälliger.“

Dabei sind die Abwehrkräfte gerade in den kommenden Tagen gefordert, wenn der Straßenkarneval beginnt. Nach den tollen Tagen rechnet man in den Gesundheitsämtern Soest und Meschede mit einer noch deutlicheren Zunahme der Fälle. „Die Grippewelle ist noch lange nicht am Ende“, so Susanne Glasmacher vom RKI.

Der Impfstoff

Zumal die Impfung gegen die aktuellen Erreger nicht allzu gut wirkt. Denn besonders verbreitet sind in diesem Winter Influenza-Viren des Typ B. 70 Prozent der nachgewiesenen Grippe-Fälle im Kreis Soest und im Hochsauerland sind durch diese Viren verursacht worden. Die Dreifachimpfung, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, enthält einen Schutz gegen Influenza-A-Viren und nur einen von zwei Influenza-B-Typen. Vermutlich ist es der andere B-Typ, die Yamagata-Linie, an der viele Patienten derzeit erkranken.

Im Januar dieses Jahres hat die Ständige Impfkommission empfohlen, künftig mit dem teureren Vierfachwirkstoff zu immunisieren, den derzeit vor allem Privatpatienten bekommen. Bis der Gemeinsame Bundesausschuss der Empfehlung folgt und dann die gesetzlichen Kassen die Leistung bezahlen, könne es aber noch einige Monate dauern, heißt es beim Robert-Koch-Institut.

Schutz und Vorbeugung

Dennoch ist die Impfung nicht sinnlos, betont RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. „Ein gewisser Schutz ist trotzdem gegeben“, sagt sie. „Wenn man erkrankt, dann ist der Verlauf zumindest milder als ohne Impfung.“ Empfohlen ist die Impfung von der Ständigen Impfkommission für

  • Menschen über 60 Jahre,
  • chronisch Kranke,
  • Schwangere und
  • medizinisches Personal.

„Es lohnt sich auch jetzt noch, sich impfen zu lassen“, sagt Heinz Ebbinghaus. Zwei Wochen etwa dauert es zwar, bis der Immunschutz aufgebaut ist. Bis dahin aber sei die Grippewelle noch längst nicht vorbei, so der Allgemeinmediziner.

Er rät außerdem:

  • viel trinken,
  • Obst und Gemüse essen
  • raus an die Luft.

„Diese Woche ist das Wetter klar, das tut Leib und Seele gut.“ Händewaschen und Abstand halten – das ist der Tipp von Susanne Glasmacher beim RKI.

Wer trotzdem erkrankt, dem empfiehlt der Hausarzt pflanzliche Präparate wie zum Beispiel Ingwertee. „Wer davon Bauchschmerzen bekommt, kann noch etwas Kümmel hineingeben.“ Solche pflanzlichen Mittel bekämpften zwar nicht die Ursache der Erkrankung, „aber sie lindern den Leidensdruck“. Oder wie RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher es ausdrückt: „Jeder hat sein eigenes Hausmittel. Wenn man glaubt, dass es hilft, sollte man es auch ruhig anwenden, denn der Placebo-Effekt ist wichtig.“

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