Musikzug Ennest

Ingo Samp dirigiert seit 25 Jahren den Musikzug Ennest

eine Probe des Sinfonischen Blasorchesters des Musikzuges Ennest mit Dirigent Ingo Samp

Ingo Samp dirigiert seit 25 Jahren das Sinfonische Blasorchester des Musikzuges Ennest. Schon als Student hat der Trompeter den Stab beim Musikzug übernommen. Heute ist das Sinfonische Blasorchester das beste Feuerwehrorchester Deutschlands.

Ingo Samp dirigiert seit 25 Jahren das Sinfonische Blasorchester des Musikzuges Ennest. Schon als Student hat der Trompeter den Stab beim Musikzug übernommen. Heute ist das Sinfonische Blasorchester das beste Feuerwehrorchester Deutschlands.

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Attendorn.  Wir verraten, wie Dirigent Ingo Samp den Musikzug Ennest zum besten Feuerwehrorchester Deutschlands macht und warum Jugendliche mitspielen wollen

Warum sind die Musikvereine in Südwestfalen so jung und so erfolgreich, obwohl doch allenthalben die sinkende Bereitschaft beklagt wird, sich im Verein langfristig zu engagieren? Um diese Frage zu beantworten, muss man nach Attendorn blicken, zum besten Feuerwehrorchester Deutschlands, dem Musikzug Ennest und seinem Dirigenten Ingo Samp. Schon mit 20 Jahren hat der Profimusiker den Stab in Ennest übernommen. Am 12. Januar feiert er mit einem Konzert sein 25-Jahr-Jubiläum. Aus einem ganz normalen Musikverein ist in diesem Vierteljahrhundert ein sinfonisches Blasorchester mit 125 aktiven Musikern im Alter von 14 bis über 70 Jahren gewachsen, die pro Jahr 31 Auftritte bestreiten und vor Puccinis männermordender Turandot genauso wenig Angst haben wie vor der Schützenliesel.

Karriere in der Heimat

Der gebürtige Olper Ingo Samp hatte in Detmold gerade sein Trompeten-Studium begonnen, als der damalige Vorsitzende des Musikzuges Ennest anrief. „Die brauchten von heute auf morgen einen neuen Dirigenten. Ich hatte noch keine Ahnung, wie das Studium abläuft, ob das zeitlich funktioniert. Aber nach einer Bedenkzeit habe ich Ja gesagt.“

Mit dieser Entscheidung stellte Ingo Samp die Weichen für seine eigene Karriere. Denn sie hat den Anstoß dafür gegeben, nach dem Examen in den Kreis Olpe zurückzukehren. Der 46-Jährige unterrichtet Trompete an der Musikschule, hat das Ensemble Trombe e Tromboni gegründet und ist ein gefragter Solotrompeter, Dozent, Dirigent und Juror. Würde er es wieder so machen? „Solotrompeter bei den Berliner Philharmonikern? Da gibt es andere, die noch bessere Nerven haben als ich. Ich habe noch nie bereut, dass ich mich dafür entschieden habe, in der Heimat zu bleiben. Nachmittags spiele ich ,Hänschen klein’ mit Anfängern, andere Schüler bereite ich auf das Studium vor, ich habe ein Orchester, mit dem ich viel arbeiten kann, für mich ist die Balance perfekt. Die Abwechslung ist sehr, sehr schön.“

Zukunftsmusik für die Kleinen

Vor 25 Jahren hatte der 1948 gegründete Musikzug Ennest 37 Aktive, dazu eine Handvoll Jugendlicher. „Inzwischen gehöre ich mit 46 zu den ältesten Musikern im Verein, es sind noch zehn Musiker älter als ich. Das hat sich gut entwickelt“, bilanziert Ingo Samp. Neben dem sinfonischen Blasorchester gibt es ein Jugendorchester und die „Zukunftsmusik“ für die Anfänger: „Wir bilden unseren Nachwuchs selber aus.“ Die „Nachtschicht“ ist die Tanzformation, ab und zu spielen die Musiker in Egerländer Besetzung, „wir machen alles mögliche.“

Musikalisches Neuland

Den Erfolg führt Ingo Samp darauf zurück, dass er mit dem Orchester schon früh an Wettbewerben auf regionaler und nationaler Ebene teilgenommen hat, und zwar außerordentlich erfolgreich. „Wir sind das einzige Orchester in der Region, das so viele Wettbewerbe und Wertungsspiele macht.“ Die von den Juroren gelobte Qualität entsteht, weil der Dirigent die Literatur auswählt. „Mit Hilfe dieser Stücke kann sich das Orchester entwickeln. Ich kenne jeden einzelnen Musiker, ich weiß, was das Orchester leisten kann.“

In der Folge betreten Musiker und Publikum häufig Neuland. So waren die Ennester die ersten in der Region, die vor 15 Jahren eine ganze Sinfonie in einem Konzert gespielt haben, „Herr der Ringe“ von Johan de Meijs, heute ein Dauerbrenner, damals völlig unbekannt „45 Minuten Musik, das hatte vor uns noch keiner gemacht. Zwischen den Sätzen konnte man in der Stadthalle Attendorn die Stecknadeln fallen hören, das habe ich selbst in der Kölner Philharmonie noch nicht erlebt.“ Diesem Pioniergeist bleibt das Orchester treu. „Bilder einer Ausstellung“ haben sie gespielt, Rhapsody in Blue, Carmina Burana. Und jetzt am Samstag die Turandot-Suite. „Turandot ist für ein professionelles Opernorchester höllisch schwer, und es ist auch für uns nicht leicht. Man muss gucken, was geht.“

Die richtigen Ziele sind wichtig

„Es gibt noch so viele schöne Ideen und Projekte, die ich im Hinterkopf habe“, freut sich der leidenschaftliche Läufer. „Ich sehe dabei Parallelen zum Laufen. Wenn man die richtigen Ziele hat, funktioniert es.“ 25 Jahre sind ein guter Anlass Bilanz zu ziehen: „Als ich angefangen habe, da wusste ich, wenn ich es mache, dann mache ich es richtig. Ich möchte etwas erreichen, ich möchte meinen Musikern etwas mitgeben“, unterstreicht Ingo Samp. „Ich bin froh, wenn Profis aus dem Orchester hervorgehen, das sehe ich als Teil meiner Aufgabe als Dirigent und Pädagoge. Aber ich möchte auch, dass die Jugendlichen im Musikverein lernen, Verantwortung zu übernehmen und musikalisch viele Stilrichtungen kennenlernen können.“

Konzert Musik und Liebe am Samstag, 12. Januar, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Attendorn. www.musikzug-ennest.de

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