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Kirchhoff: "Die Zukunft der Mobilität wird elektrisch"

Foto: Ralf Rottmann

Frankfurt.   Arndt G. Kirchhoff ist Vorstandschef eines Autozulieferers und Unternehmer-Präsident in NRW. Wir sprachen mit ihm über die Zukunft des Autos.

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Arndt G. Kirchhoff ist nicht nur Unternehmer und Vorstandschef des in der vierten Generation geführten Automobilzulieferers Kirchhoff mit Sitz in Attendorn und Iserlohn, sondern als Präsident von Unternehmer NRW auch gut vernetzter Verbandsvertreter, mit Blick über das eigene Unternehmen hinaus. Die WESTFALENPOST sprach mit ihm am Rande der Messe IAA 2017 über die Zukunft der Mobilität.

Wie elektrisch wird die Zukunft der Mobilität?

Kirchhoff: Die Zukunft der Mobilität wird elektrisch, aber nicht so, wie es von den meisten verstanden wird. Wir reden von batterieelektrischen Fahrzeugen. Das bedeutet, dass ausschließlich der Strom aus der Batterie genommen wird, um Auto zu fahren. Die Frage, wie der Strom in die Batterie kommt, ist eine ganz andere. Das kann passieren entweder durch Stecker, aber ebenso über die Brennstoffzelle genauso wie über einen Verbrennungsmotor, der mit synthetischen oder auch nicht synthetischen oder eben auch Dieselkraftstoffen fährt und die Batterie speist. In jedem Falle sprechen wir von elektrischer Mobilität.

Mit Ihrer „Bodengruppe“ für E-Fahrzeuge setzten Sie einen starken Akzent in Richtung E-Mobilität. Seit wann entwickeln Sie in diese Richtung? Spielen hier auch Erfahrungen aus dem StreetScooter-Projekt eine Rolle?

Kirchhoff: Wir haben uns seinerzeit beworben, die Struktur, d. h. den Aufbau und das Fahrwerk für den StreetScooter zu konstruieren, mit zu entwickeln und auch als Prototyp zu bauen. Das haben wir in erster Linie getan, um zu lernen, welche neuen Freiheitsgrade es für die Ingenieure gibt, wenn kein Motor, keine Abgasanlage, keine Tankanlage mehr im Auto verbaut werden müssen. Das sind enorme Freiheitsgrade, und daraus haben wir dann in den letzten Jahren neue Fahrzeugböden entwickelt, in denen heute die Zellen untergebracht werden. Die Fahrzeugböden sind so, dass sie universal bei Fahrzeugen jeder Größe eingesetzt werden können und auch bestückt werden können, je nach Leistungsanforderung und Wünschen der Kunden mit den verschiedenen Paketen, um die Kilowatt-Zahl zu erreichen – 30, 60, 90, 120 usw. Sie sind skaliert und moduliert und sind crashsicher, wasserdicht und auch gasdicht. Das sind die Anforderungen. Für uns sind dies neue Komponenten am Fahrzeug, sodass für uns die E-Mobilität ein Mehr und eine Ausweitung des Geschäftsmodells bedeutet.

Wie wichtig ist das Thema Leichtbau im Zusammenhang mit E-Mobilität, wie wichtig insgesamt?

Kirchhoff: Das Thema Leichtbau bleibt immer auf der Tagesordnung, denn wir müssen Ressourcen schonen. Das muss die ganze Welt tun, denn wir verbrauchen noch zu viel pro Generation. Ressourcen schonen beginnt damit, dass wir möglichst wenig Material verbrauchen. Und dann das Material natürlich in einer Kombination einsetzen, die es ermöglicht, mit möglichst wenig Treibstoff oder Energie auszukommen, um mobil zu bleiben. Insofern ist das Thema Leichtbau für uns eine der wichtigsten Strategien, um innovativ und im Wettbewerb zu bleiben.

Wie lange werden Verbrennungsmotoren noch einen Markt haben?

Kirchhoff: Verbrennungsmotoren werden noch ganz lange auf dem Markt bleiben. Die einzige Frage ist: Werden sie mit Gas betrieben, mit herkömmlichen Kraftstoffen wie Benzin oder Diesel, oder eben mit synthetischen Kraftstoffen, so genannten e-Fuels, die mit regenerativen Energien, also Wind, Sonne, hergestellt werden, in den Zeiten, wo wir keine Abnahme haben. Und insofern ist die Herstellung über das sogenannte Gas-to-Liquid-Verfahren ein Speicher, um erneuerbare Energien dann zu speichern, wenn wir sie nicht für die Industrie oder die Haushalte benötigen.

Welchen Beitrag können Sie mit FAUN Fahrzeugen zur Feinstaubminimierung leisten?

Kirchhoff: Bei FAUN machen wir zurzeit einen groß angelegten Versuch an den empfindlichen Messstellen in Stuttgart. Die Ergebnisse sind bisher sehr erfreulich, sehr positiv. Wir fahren in den Abend- und Nachtstunden und kehren die Straße und besprühen sie aber auch mit Wasser, um den Staub, der auf der Fahrbahn liegt, aufzusaugen und zu binden, damit er nicht immer wieder aufgewirbelt wird. Denn das ist der größte Teil des Feinstaubs. Der kommt nicht aus den Motoren, sondern der kommt aus der Luft oder er kommt vom Abrieb auf den Straßen oder eben auch vom Bau und aus den Häusern.

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