CDU

Klare Mehrheit für Merz bei südwestfälischen CDU-Delegierten

Die drei Kandidaten bei einer Regionalkonferenz: Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn

Die drei Kandidaten bei einer Regionalkonferenz: Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn

Foto: Fabian Bimmer

Hagen.   Noch haben sich nicht alle Abgesandten entschieden. Die Auftritte der Kandidaten auf dem CDU-Parteitag könnten die Wahl zum Vorsitz entscheiden.

Ein Stimmungsbild aus Südwestfalen sagt natürlich wenig aus über den Ausgang der Wahl zum Bundesvorsitzenden der CDU. Zumal, wenn einer der drei Kandidaten aus der Region kommt. Dieser Kandidat, Friedrich Merz, hat eine klare Mehrheit der heimischen Delegierten hinter sich. Auch wenn sich einige der Abgesandten zum Bundesparteitag der CDU in Hamburg noch nicht entschieden haben, andere ihre Entscheidung nicht offenlegen wollten – wenn in einer Umfrage d er WESTFALENPOST eine Name genannt wurde, war es mit einer Ausnahme immer der von Friedrich Merz. 14 von 15 Stimmen. Nur eine gab es für Annegret Kramp-Karrenbauer, keine für Jens Spahn. Das ist deutlich. 13 von insgesamt 40 Delegierte haben sich noch nicht entschieden, 7 wollten ihre Wahl nicht offenlegen, 5 haben wir nicht erreicht.

Viele wollen sich erst in Hamburg festlegen

Der Parteitag aber dürfte spannend werden. Denn die Umfrage der WP unter den Delegierten zeigt auch: Viele wollen sich erst in Hamburg festlegen, die Reden der Kandidaten abwarten oder sich auch Meinungen der anderen Delegierten anhören. Hans-Jürgen Thies zum Beispiel, Bundestagsabgeordneter für den Kreis Soest, sagt: „Ich bin wirklich noch unentschlossen“, auch die „Performance auf dem Parteitag“ werde darüber entscheiden, ob er Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) oder Friedrich Merz seine Stimme geben werde, erläutert der Lippetaler. Der Iserlohner Landtagsabgeordnete Thorsten Schick hat zwar „eine Tendenz“, will aber „bis zum Schluss Dinge einfließen lassen“. Jens Kamieth, Landtagsabgeordneter aus Siegen, spricht von einem „dynamischen Prozess“ vor der Wahl, deren Höhepunkt der Parteitag sei; erst dann werde er sich entscheiden. So hält es auch Christel Mense, CDU-Kreistagsmitglied im Märkischen Kreis. Sie habe sich mehrere Livestreams der Regionalkonferenzen angesehen, habe sich aber noch nicht endgültig entschieden, sagt die Mendenerin. Auch die beiden Hagener Christoph Purps und Cemile Giousouf wollten sich noch nicht festlegen.

Viele andere in der Region haben gas indes schon getan, insbesondere die Delegierten aus dem Hochsauerlandkreis, auch einige langjährige Weggefährten. Wie Karl Schneider. „Natürlich“ wähle er Merz, sagt der Landrat des Hochsauerlandkreises dieser Zeitung. Merz komme aus dem Sauerland, er stehe ihm „politisch und persönlich sehr nahe“, beide „kennen sich seit 1974/75, in der Jungen Union“. Hartmut Schauerte, langjähriger Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Olpe, sagt, die Wahl von Merz zum CDU-Vorsitzenden werde „die AfD bedrohen, aber auch die Demokratie wieder lebendiger machen. Ohne Spannung fließt kein Strom.“ Auch Matthias Heider, der Schauertes Bundestagswahlkreis 2009 übernahm, setzt auf Merz, ebenso Patrick Sensburg, der ebenfalls 2009 den Wahlkreis von Merz übernahm: Der könne „Wähler wieder zur CDU zurückbringen“. Dieselbe Hoffnung äußert Volkmar Klein. MdB aus Siegen (ebenfalls seit 2009): Merz als CDU-Parteichef könne „die Populisten am linken und am rechten Rand zurückdrängen“. Peter Liese unterstützt ebenfalls Merz, auch, weil der sich als Abgeordneter „auch um die Anliegen der kleinen Leute vor Ort gekümmert“ habe.

Auch in der Jungen Union und bei CDU-Frauen findet Merz im Sauerland Rückhalt. Hiltrud Schmidt, einzige weibliche von zwölf Delegierten des Hochsauerlandkreises, findet zwar Annegret Kramp-Karrenbauer „eine ganz tolle Frau“, wählt aber „ganz klar“ Friedrich Merz. Bernd Schulte, Chef der Jungen Union Südwestfalen, und Marcel Tillmann, Vorsitzender der JU Hochsauerland, votieren ebenfalls für Merz: Schulte spricht von der „historischen Chance, die CDU wieder breiter aufzustellen“, Tillmann setzt darauf, dass Merz „eine erforderliche Erneuerung vorantreiben und zugleich die verschiedenen Strömungen mitnehmen kann“. Jens Spahn, Posterboy der Jungen Union, könne später einmal Bundesvorsitzender der CDU werden, sagt Schulte.

Thomas Grosche, Bürgermeister in Medebach, sagt zwar, der Respekt vor den Kandidaten gebiete es, „die Präsentation beim Bundesparteitag mit einzubeziehen“, benennt aber seinen persönlichen Favoriten klar: Friedrich Merz. Der sei „eine auf internationalem Parkett erfahrene Führungspersönlichkeit mit hoher Wirtschaftskompetenz“; ihm könne es auch gelingen, „Herausforderungen wie die von vielen Bürgerinnen und Bürgern empfundene soziale Schieflage lösen“.

Anne Gudermann tendiert zu Kramp-Karrenbauer, auch wenn sich die Lippstädterin „noch nicht 100-prozentig festgelegt hat“.

Wulff und Ziemiak wollen keine Wahlempfehlung geben

Natürlich gibt es auch Delegierte, die sich nicht äußern. Paul Ziemiak (Iserlohn) und Otto Wulff (Schwerte, Delegierter für den Märkischen Kreis), die Vorsitzenden von Junger und Senioren-Union, wollen dies wegen ihres Amtes nicht. Beide möchten nicht den Anschein einer Wahlempfehlung für ihre Mitglieder erwecken. Andere wie Bernadette Böger (Hemer), der Enser Landtagsabgeordnete Heinrich Frieling oder Ulrike Borowski aus Breckerfeld pochen auf die geheime Wahl. Borowski stellt dabei klar, dass ihre Entscheidung nach vielen Gesprächen gefallen sei. Einig waren sich die Delegierten in zwei Dingen: Es gebe „drei starke und fähige“ (Anke Fuchs-Dreisbach, Berleburg), „exzellente“ (Sensburg), „wirklich geeignete Kandidaten“ (Klein) – und es wird „eine spannende, knappe Wahl“ (Schneider).

Nicht alle Delegierten hat diese Zeitung erreicht. Dazu zählt auch einer aus dem Hochsauerlandkreis: ein international agierender Wirtschaftsanwalt aus Arnsberg. Aber wen Friedrich Merz wählen wird, dürfte eh klar sein.

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