Krankenhäuser

Mängel bei sechs Kliniken in Südwestfalen festgestellt

Blick in einen Kreißsaal.Frauenheilkunde und Geburtshilfe standen im Zentrum der Qualitätsanalyse des Bundesausschusses.

Blick in einen Kreißsaal.Frauenheilkunde und Geburtshilfe standen im Zentrum der Qualitätsanalyse des Bundesausschusses.

Foto: Daniel Karmann

Hagen.   Unzureichende Qualität bei Operationen, fehlende Kinderärzte bei Frühgeburten – sechs Kliniken aus Südwestfalen fielen bei Überprüfung durch.

Kein allzu gutes Zeugnis haben einige Kliniken in Südwestfalen ausgestellt bekommen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat seinen Bericht über die Qualitätsergebnisse der Kliniken vorgelegt, also die Auswertung der Krankenhausdaten von insgesamt 1084 bundesweit erfassten Kliniken. Bei 73 davon hat der GBA bei je einem Indikator „unzureichende Qualität“ vermerkt.

Sechs dieser 73 Kliniken haben ihren Standort in Südwestfalen: das St.-Martinus-Hospital in Olpe, das Klinikum Hochsauerland am Standort Hüsten, das Helios-Klinikum in Schwelm, das St.-Josefs-Hospital in Lennestadt und das Evangelische Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen.

Bericht: Olper Klinik setzt bei zwei Geburten keinen Kinderarzt ein

Auch das St.-Vincenz-Krankenhaus in Menden taucht in dem Bericht noch mit seiner Geburtshilfe auf, die allerdings mittlerweile geschlossen ist. Ausgewertet wurden insgesamt elf Qualitätsindikatoren in drei Bereichen: Geburtshilfe, Operationen bei Brustkrebs sowie Gynäkologie. In Südwestfalen gibt es annähernd 30 Klinikstandorte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

So kreidet der Bericht an, dass am Martinus-Hospital in Olpe im vergangenen Jahr bei zwei Frühgeburten kein Kinderarzt zugegen war. „Das ist vorgeschrieben, es gibt auch eine schriftliche Anweisung von mir, dass ein Kinderarzt hinzugezogen werden muss, aber es ist doch passiert“, so Chefarzt Jürgen Schwickerath. In einem Fall aber habe es sich gar nicht um eine Frühgeburt gehandelt, sondern um einen Übertragungsfehler der Hebamme. Passiert sei auch im zweiten Fall nichts: Mutter und Kind seien gesund entlassen worden.

"Unzureichende Qualität" bei OPs am Klinikum Hochsauerland

Das Klinikum Hochsauerland ist am Standort in Hüsten aufgefallen bei Brustkrebs-Operationen. In sechs Fällen von mehreren hundert Operationen pro Jahr hat der GBA hier „unzureichende Qualität“ bescheinigt. Die Klinik hat alle Fälle überprüft: Es handele sich um Dokumentationsfehler, so ein Sprecher. Tatsächlich habe man gemäß Leitlinie operiert und kontrolliert.

Der Gemeinsame Bundesausschuss bescheinigte auch der Mammachirurgie der Helios-Klinik in Schwelm unzureichende Qualität. Bei 50 Prozent der Fälle habe man keine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung nach der Operation durchgeführt, heißt es. Sandra Lorenz, Pressesprecherin der Klinik, sieht die geringe Anzahl der Operationen als Grund für das schlechte Abschneiden der Klinik: Insgesamt gab es nur bei einer Operation Auffälligkeiten. Man habe auf die anschließende Röntgenkontrolle verzichtet, weil der Tumor sehr gut tastbar gewesen sei. In diesem Jahr habe das Klinikum Schwelm bisher in 100 Prozent der Fälle die Nachuntersuchungen nach den Richtlinien vorgenommen.

Brustkrebs-Operationen: Gewebe nicht per Röntgenbild kontrolliert

Auch am Jung-Stilling-Klinikum in Siegen hat man im ersten Halbjahr das bei Brustkrebs-Operationen entnommene Gewebe nicht per Röntgenbild oder Ultraschall kontrolliert – sondern in der Pathologie überprüfen lassen, ob auch wirklich das gesamte betroffene Gewebe herausgeschnitten worden ist. Mitte 2017 habe man das Vorgehen umgestellt, so ein Sprecher. Es seien keine Patientinnen gefährdet worden, nur weil man ein anderes Kontrollverfahren gewählt genutzt habe, betont er.

Keine Stellungnahme war im Übrigen gestern vom St.-Josefs-Hospital in Lennestadt zu erhalten.

Man habe die für die Krankenhausaufsicht zuständigen Bezirksregierungen gebeten, den Fällen nachzugehen, heißt es aus dem NRW-Gesundheitsministerium. Derzeit würden die dazu erstellten Berichte im Ministerium noch ausgewertet. „Aber schon heute ist klar: Die Bezirksregierungen werden darauf drängen, dass tatsächlich festgestellte Mängel von den Krankenhäusern beseitigt werden. Denn eine gute und qualitativ hochwertige Patientenversorgung muss höchste Priorität haben.“, so ein Ministeriumssprecher.

Länder sollen auf Versorgungsmängel reagieren

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat bereits angekündigt, die Krankenhausplanung zu überarbeiten – und stärker an der Strukturqualität und den Fallzahlen auszurichten. Der GBA sieht seinen Bericht dafür als Grundlage. „Die Länder sollten die Ergebnisse und die damit verbundene Möglichkeit nutzen, auf Versorgungsmängel zu reagieren und mit Blick auf eine hochwertige Patientenversorgung abwägen, wie die Krankenhausplanung entsprechend ausgerichtet werden kann“, so Josef Hecken vom GBA. Mit anderen Worten: Häuser, die immer wieder negativ auffallen, müssen zumindest seiner Meinung nach mit Schließung rechnen.

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