Schulessen

„Meatless Monday“ stößt in Südwestfalen auf offene Ohren

Verzicht auf Fleisch: Nachdem in New York ein „Meatless Monday“ eingeführt wurde, nimmt die Diskussion auch an den Schulen in Südwestfalen wieder Fahrt auf.

Verzicht auf Fleisch: Nachdem in New York ein „Meatless Monday“ eingeführt wurde, nimmt die Diskussion auch an den Schulen in Südwestfalen wieder Fahrt auf.

Foto: Roland Weihrauch/dpa

Hagen/Arnsberg/Herdecke.   Ein fleischfreier Tag pro Woche, wie in New York verordnet, ist an Schulen in Südwestfalen kaum verbreitet. Doch langsam setzt ein Umdenken ein.

Auf dem Speiseplan der Mensa des Franz-Stock-Gymnasiums in Arnsberg steht am Freitag Fisch: Paniertes Dorschfilet mit Gnocchi. Alternativ dazu ein vegetarisches Gericht: Kartoffel-Lauch-Suppe mit Kräutercroutons. Kein Fleisch also, aber doch Fisch. Für einen „Meatless Monday“ würde das nicht reichen, nicht nur wegen des Tages.

In New York hat Bürgermeister Bill de Blasio gerade seinen öffentlichen Schulen den fleischfreien Montag verordnet. „Ein bisschen weniger Fleisch wird die Gesundheit der New Yorker verbessern und die Treibhausgase verringern“, begründete der Demokrat den Schritt in dieser Woche. In Deutschland haben die Grünen zwar 2013 vor der Bundestagswahl mit ihrer Forderung nach einem Veggie Day ziemlich in die Grütze gegriffen, sechs Jahre später aber stößt in Südwestfalen der Ruf nach einem fleischfreien Tag auf Beifall.

Caritas begrüßt die Idee eines fleischfreien Tages

„Wir sind da, denke ich, relativ offen“, sagt etwa Marion Brügge vom Franz-Stock-Gymnasium in Arnsberg zur Idee des Meatless Monday. Allerdings könne das nicht von oben verordnet werden; über einen fleischfreien Tag müsse die Schulkonferenz befinden, das höchste Gremium der Schule, in dem neben Schulleitung und Lehrern auch Schüler und Eltern vertreten sind. „Die Mehrheit entscheidet“, sagt Marion Brügge.

Caterer für das Arnsberger Gymnasium sind die Caritas-Werkstätten Arnsberg. Die würden einen fleischfreien Tag in der Woche „sehr begrüßen“, sagt Caritas-Küchenkoordinator Andreas Rath. Zumal ja auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nur an zwei Tagen in der Woche Fleisch zu essen.

Schüler sollen in Entscheidung eingebunden werden

Bislang allerdings gibt und gab es am Franz-Stock-Gymnasium keinen fleischfreien Tag – anders als an der Sekundarschule Olsberg-Bestwig. Mit dem Wechsel des Caterers ist der allerdings vor einigen Jahren wieder entfallen. Schulleiter Michael Aufmkolk kann sich die Rückkehr zu einem Veggie Day durchaus vorstellen. Er präferiert dabei als „deutlich charmanteren Weg“ die Mitwirkung der Schulgremien.

Auch Monika Storm, Leiterin der Bigge-Lenne-Gesamtschule in Finnentrop, kann sich einen fleischfreien Tag in der Woche gut vorstellen – und ist sich da mit dem Kantinenpächter einig. Zumal die benachbarte Grundschule (an der fünfmal in der Woche Essen angeboten wird, in der Gesamtschule nur dreimal) einen solchen Tag bereits hat.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz immer wichtiger

Christoph Heimes vom Gymnasium der Stadt Meschede findet es „schwierig“, einen fleischfreien Tag von oben zu verordnen, könnte sich aber vorstellen, mit so einem Vorschlag „offene Türen einzurennen“, etwa bei der „sehr engagierten“ Schülervertretung des Gymnasiums. Bis dahin geht es in Meschede erst einmal darum, ein vegetarisches Gericht auch ohne Vorbestellung zu bekommen.

In der Iserlohner Gesamtschule am Seilersee wird das Catering demnächst umgestellt. Und weil Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Schule hoch angesetzt seien, werde ein fleischfreier Tag „sicherlich Thema“, glaubt Olaf Beck aus der Schulleitung.

Vielleicht stößt die Schule dabei auch auf ein Angebot des Herdecker Caterers Rebional. Der wurde gerade als nachhaltiges Unternehmen ausgezeichnet; Rebional setzt vor allem auf Bio-Lebensmittel und Fleisch aus artgerechter Tierhaltung. Das Unternehmen setzt deshalb im Gesprächen mit den Kunden „ganz offensiv“ auf den Verzicht auf Fleisch, wie Geschäftsführer Klaus Richter erzählt.

Auch Betriebe führen „Veggie Day“ ein

Weil Bio-Fleisch so teuer sei, „ist der Preis bei uns ganz wesentlich vom Fleisch-Anteil abhängig. Nehmen die Kunden statt fünfmal die Woche nur zweimal Fleisch, kostet es eben weniger.“ Die meisten der Kunden – Rebional beliefert auch Schulen – gingen darauf ein, „wir haben auch Betriebe, die Veggie Days haben“, sagt Richter. „Sicher die Hälfte“ der 15.000 Essen, die die Herdecker täglich herstellen, seien vegetarisch.

Einen verordneten fleischfreien Tag lehnt aber auch Richter ab. Das könnten viele Schüler als Strafe empfinden – und das wäre dann doch kontraproduktiv.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben