Coronavirus

So leer macht die Corona-Krise unsere Innenstädte

18. März 2020, Hagen. Hagen in Zeiten der Corona Epidemie / Pandemie - Geschäfte, die nicht zur Grundvorsorge sind, müssen schließen. Friedrich Ebert Platz mit Volmegalerie und Rathausgalerie.

18. März 2020, Hagen. Hagen in Zeiten der Corona Epidemie / Pandemie - Geschäfte, die nicht zur Grundvorsorge sind, müssen schließen. Friedrich Ebert Platz mit Volmegalerie und Rathausgalerie.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Die verschärften Regeln scheinen zu greifen: Wir haben zeitgleich in zehn Innenstädten fotografiert. Und Menschen befragt: Bleiben sie zuhause?

Am Sonntag, da war das Bild noch ein anderes. Und zwar im Wortsinne. Unsere Reporter waren auf dem zentralen Friedrich-Ebert-Platz in Hagen unterwegs und erlebten bei bestem Wetter ein regelrechtes Gedränge. Die Plätze in der Außengastronomie stark frequentiert, die Menschen genossen die Sonne. Ein Hauch von unbeschwertem Frühling. Trotz Corona-Krise und trotz der schon damals eindringlichen Mahnung, soziale Kontakte zu vermeiden.

Das Wetter ist immer noch herrlich, doch der Ebert-Platz ist am Mittwochnachmittag um 16 Uhr fast leer. Einige Menschen sind zwar noch unterwegs in der Großstadt, aber es ist kein Vergleich zu einem normalen Mittwochnachmittag im Frühling. Und so ist es in der gesamten Region. Von Siegen, Olpe und Bad Berleburg über Brilon, Meschede, Neheim und Menden bis Hagen, Wetter und Schwelm haben wir am Mittwoch um 16 Uhr die Situation in den Innenstädten und Fußgängerzonen fotografisch festgehalten. Und überall gab es das gleiche Bild: Eine große Leere. Nein, es wird noch nicht komplett dem dringenden Rat von Virologen und Politikern gefolgt, ganz zu Hause zu bleiben. Doch es sind viel weniger Menschen unterwegs als noch in den Tage zuvor.

Die meisten Geschäfte geschlossen

Das wird natürlich damit zu tun haben, dass außer einigen Läden wie Supermärkten, Bäckereien oder Drogeriegeschäften alles schließen muss. Und dass die Gastronomie nur noch sehr eingeschränkt geöffnet hat. Doch bei den Menschen scheint auch zunehmend die Erkenntnis zu wachsen, dass die Lage wegen des Coronavirus wirklich ernst ist und dass das öffentliche Leben weitgehend still stehen muss.

„Bleiben Sie jetzt Zuhause?“, haben wir die Menschen in der Region gefragt. Eine Auswahl der Stimmen:

„Wann immer es geht, bleibe ich Zuhause“, sagt Axel Müller aus Hagen: „Zum Einkaufen und Arbeiten lässt es sich nicht vermeiden.“ Ansonsten Netflix, Prime und Bücher. „Wir gehen nur zum Einkaufen und einmal am Tag eine Runde mit dem Kleinen“, sagt auch Angela Fraune aus Wetter. „Ansonsten ist Babybespaßung zu Hause angesagt. Eis gab es aus dem Kaufland – so müssen wir nicht in die Eisdiele.“

Ortswechsel ins Wittgensteiner Land. Dort sagt Tanja Leopold aus Bad Berleburg: „Ja, wir halten uns dran. Mein Mann und mein ältester Sohn müssen arbeiten. Ich fahre alleine nur zum Einkaufen. Wir gehen mit dem Hund einmal am Tag und das war es.“ Ein ähnliches Bild im Sauerland bei Sarah Müller aus Eslohe: „Wir halten uns daran, um nicht uns und andere zu gefährden und um nicht die Situation hervorzurufen, die in den Krankenhäusern eine Katastrophe auslösen würde.“ Jessi Moonchild aus Siegen merkt die Veränderung: „Meine Kinder gehen bei dem schönen Wetter raus – mit der Anweisung, Abstand zu halten. Im Gegensatz zu Montag und Dienstag merkt man, dass weniger Kinder draußen sind.“ Und Daniela Huelsberg aus Hagen sagt, was wohl viele denken: „Ja, ich halte mich daran, aber es fällt mir schwer bei dem geilen Wetter.“

Ein ganz persönliche Sicht auf die aktuelle Situation hat Ansgar Pippel aus Arnsberg: „Ich als Risikopatient werde auf jeden Fall so weit es geht zu Hause bleiben.“ Das kann Alexander Mains aus Iserlohn schon aus beruflichen Gründen nicht: „Ich bin Altenpfleger und gehe natürlich arbeiten. Ich mag meinen Beruf sehr, trotz der enormen Mehrbelastung derzeit.“

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Die Leere in den Städten könnte sich indes noch verstärken. Denn der Mittwoch war ein Tag des Übergangs. So wie in Menden, wo am Vormittag noch Geschäfte geöffnet waren, weil sie auf die schriftliche Anordnung warteten. Am Donnerstag werden sie wohl alle dicht sein. Und auch die Vernunft bei den Menschen wächst. Das sah man am Morgen vor der Stadtteil-Metzgerei Regenbogen in Hagen-Wehringhausen. Die Kunden warteten vor der Tür, gingen nur einzeln in den kleinen Verkaufsraum, um Abstand zu halten. Dabei hatte das die Metzgerei so strikt gar nicht angeordnet. .

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