Corona

Bernward Koch komponiert Musik gegen die Corona-Angst

Der Komponist Bernward Koch

Der Komponist Bernward Koch

Foto: Photographer: Sinan Muslu / Sinan Muslu

Wenden.  Der Komponist Bernward Koch aus Wenden schreibt Musik gegen die Angst. Aus der ganzen Welt kommen positive Rückmeldungen dazu.

Bernward Koch schreibt Musik gegen Flugangst, die in den USA auch in der Traumatherapie eingesetzt wird. Noch nie hat der Komponist so viele Rückmeldungen von Hörern erhalten wie jetzt. Die Ordensschwester aus Malta, die Kinderpsychologin aus England, der New-York-Times-Journalist aus den USA und die Innenarchitektin aus Südafrika schildern dem Sauerländer, wie sehr ihnen seine Stücke in der Corona-Krise helfen. Auch für das neue Album „Becoming“ gibt es bereits entsprechende Reaktionen. Was ist das Geheimnis dieser Klänge?

Die Musik muss atmen

„Ein weiter Atem ist sehr wichtig. Die Musik muss atmen“, sagt Bernward Koch. „Man arbeitet ja auch für sich selbst. Manchmal bin ich ebenfalls gestresst, und ich merke, dass meine Musik mich selber ‘runterbringt.“ Der 63-Jährige schreibt Lieder ohne Worte. Die Struktur dieser Stücke lebt von weitgespannten musikalischen Bögen, von einer unendlichen Melodie, die sich in kleinen Nuancen beständig verändert. So, wie die Blätter eines Baumes sich im Wind bewegen und je nach Einfall des Sonnenlichtes in anderen Farbklängen aufscheinen. „Oder wie Wolken“, ergänzt Bernward Koch. „Wolken verändern sich ebenfalls jede Sekunde. Die Natur ist ja selbst ein Kunstwerk, ein Kunstwerk, das klingt.“

Frühlingserwachen

Bernward Koch lebt mit seiner Familie in dem kleinen Dorf Brün, das zur Gemeinde Wenden gehört. Seine Frau ist Flötistin, sein Sohn spielt Gitarre, sein Bruder Schlagzeug und seine Tochter malt. Die Alben sind Familiensache. „Ich liebe unsere sanfte Hügellandschaft, das ist eine nie versiegende Inspirationsquelle“, beschreibt er seine täglichen Spaziergänge, die er wie viele andere Komponistenkollegen zum Arbeiten braucht.

Die neue Platte trägt den Titel „Becoming“. Übersetzt bedeutet das Werden, so wie sich die Natur in jedem Frühling erneuert. Die 13 Titel beschreiben im Zyklus einen Kreislauf, ein Frühlingserwachen. Stücke wie „Der Traum eines Schwans“ oder „Alone on the Way“ verdichten nicht nur Naturimpressionen zu Seelenbildern, sondern tauchen zudem tief in eine überzeitliche Vergangenheit ein. „Ich bin offen für alle Stilrichtungen“, betont Bernward Koch, „vom Mittelalter bis zur elektronischen Musik.“

Koch kreiert zu seinen musikalischen Themen komplexe Arrangements, bei denen das Klavier und die Flöte die Klangfarbenpalette dominieren, dazu kommen Percussion-Instrumente und gelegentliche Gitarrenakkorde. „Der weite Atem ist auch deshalb wichtig, weil es kein Metronom gibt. Ich arbeite im Studio völlig losgelöst von der Außenwelt, jenseits von Zeit und Raum.“

Hörer aus aller Welt bedanken sich

Die Einfälle kommen überall, „Wenn ich etwas höre, schreibe ich es sofort auf. Das kann auf vielen verschiedenen Situationen beruhen, ist aber nicht konkret von der Natur abgehört, sondern auf eine emotionale Ebene übersetzt.“

Angst ist ein großes Thema unserer Zeit. Corona macht es noch drängender. Dagegen stellt Bernward Koch seine wortlosen Lieder. „Noch mehr Hörer als sonst bedanken sich für meine Klänge“, schildert Bernward Koch, der als Mitglied der Grammy-Jury ein Ohr für aktuelle Musikströmungen hat. Doch seine Lieder verweigern sich bewusst dem Zeitgeist.

Die Suche nach der Melodie

Die Suche nach der haltbaren Melodie ist keine Angelegenheit für schnelllebige Beats. „Wenn man eine gute Melodie findet, kommt es einem so vor, als wäre man auf einen verborgenen Schatz gestoßen.“ Zu den Fans des Komponisten aus dem Sauerland gehört der Investigativreporter Jan Urbina (New York Times, National Geographic), der sich in Wenden gemeldet hat, um sich zu bedanken, dass die Musik von Bernward Koch ihn auf seinen abenteuerlichen Reisen erden würde.

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