Bundesschützenfest 2019

Nach dem Coup: Das sagt die Bundesschützenkönigin

Die Königin und ihre Gefolgschaft: Daniela Kotewitsch winkt beim Festumzug am Sonntag von der Tribüne.

Die Königin und ihre Gefolgschaft: Daniela Kotewitsch winkt beim Festumzug am Sonntag von der Tribüne.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Medebach/Möhnesee.  Das Bundesschützenfest hat erstmals eine Königin hervorgebracht. Hier erzählt Daniela Kotewitsch, wie sie der Tradition ein Schnippchen schlug.

Der Satz entglitt Durchlaucht sehr spontan. „Ohje“, stöhnte ihre Hoheit halb im Spaß und halb im Ernst: „Jetzt muss ich mir für heute Nacht noch einen Frisör suchen.“ Niemals zuvor in der traditionsreichen Geschichte des Sauerländer Schützenbundes dürfte das oberste Adelsgeschlecht so zeitig an den Zustand seines Haars gedacht haben.

Das könnte auch daran liegen, dass der neue König aller Schützen kein Mann ist, sondern eine Frau. Daniela Kotewitsch kürte sich am Samstagabend beim Bundesschützenfest, der Zusammenkunft aller Vereine aus dem Sauerländer Schützenbund, zur Königin unter den Königen. Als einzige Frau setzte sie sich in Medebach gegen 140 Männer durch. Erstmals in der langen Tradition der Schützenbruderschaft regiert nun eine Frau.

Premiere.

Sensation.

Revolution?

„Alle Schützenkönige haben mich wie Gentlemen behandelt“

„Es war schon etwas Besonderes, als einzige Frau unter so vielen Männern anzutreten. Es haben mich alle Schützenkönige wie Gentlemen behandelt“, sagt die Regentin: „Dass ich wirklich Bundesschützenkönigin werde, hätte ich niemals gedacht. Es war eine Menge Glück dabei.“

Nun ja, Glück. Bestimmt auch. Andererseits: Erst seit diesem Jahr dürfen bei den Schützenbrüdern St. Hubertus Wamel am Möhnesee, ihrem Verein, Frauen überhaupt mitschießen. Sie kürte sich dort zur ersten Königin – und wiederholte das Kunststück nun auch beim Bundesschützenfest. „Die Reaktionen darauf, dass ich als erste Frau Bundesschützenkönigin geworden bin, sind durchweg positiv“, sagt die Altenbetreuerin, als sich die Feierlichkeiten am Sonntagabend nach dem Festumzug von rund 10.000 Schützen dem Ende entgegen neigen. Eine Frau als König. Für Traditionalisten eine eher ungewohnte Situation.

Bundesschützenfest Medebach
Bundesschützenfest Medebach

Denn: In der Mehrzahl der Bruderschaften dürfen Frauen nach wie vor nicht mitschießen. Die Satzung verbietet das. Die St.-Georgs-Schützenbruderschaft Meschede kippte beispielsweise erst 2015 eine Jahrhunderte alte Regel, nach der Frauen zum Teil nicht einmal zuschauen durften. Schützenfeste sind Männerbastionen. Aber die Wände werden löchrig geschossen und eingerissen. Durch Frauen wie Daniela Kotewitsch.

Ein Schützenmädchen von kleinauf

„Darüber wird man auch in 100 Jahren noch reden“, sagt Thomas van Dyck, 2. Vorsitzender des ausrichtenden Schützenvereins. „Medebach wird damit immer der Ort bleiben, an dem erstmals eine Frau Bundesschützenkönigin wurde. Das tut dem Fest und unserer Stadt gut.“ Nachdem bereits mit dem 33. Schuss der hölzerne Vogel von der Stange fiel, wurde die 38-jährige Altenbetreuerin von ihren Schützenbrüdern auf Schultern getragen.

Jubel.

Applaus.

Alles wie immer.

Nur eben ganz anders.

„Ich bin ein Schützenmädchen von kleinauf“, sagt Daniela Kotewitsch. Aber auf einer Mission in Sachen Gleichberechtigung ist die Mutter dreier Kinder keineswegs: „Dass mein Amt als erste Bundesschützenkönigin eine Revolution im Schützenwesen auslöst, glaube ich nicht. Ich finde es schön, wenn Schützenvereine Frauen aufnehmen, in zahlreichen Vereinen ist es ja auch schon längst möglich“, sagt sie, fügt aber an: „Es ist für mich aber auch in Ordnung, wenn sich die Vereine aus Traditionsgründen dagegen entscheiden.“

Für jeden ein Lächeln

Der König an ihrer Seite ist Ehemann Matthias, Oberst St. Hubertus-Schützenbruderschaft Wamel. Den Festumzug am Sonntag verfolgte Daniela Kotewitsch auf der Tribüne sitzend. Fröhlich winkte sie ihrer Gefolgschaft zu. Und trotz wenig Schlaf hatte sie für jeden ein Lächeln übrig. Die erste Bundesschützenkönigin nimmt die Menschen mit Freundlichkeit ein. Und sie weiß, was sich gehört. „Ich freue mich sehr“, sagt sie, „das Sauerland durch mein Amt demnächst noch besser kennenzulernen.“ Das dürfte andersherum ähnlich sein.

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