Elspe Festival

Old Shatterhand hängt bei Elspe-Festival die Flinte an die Wand

Schauspieler Kai Noll (rechts) verlässt das Elspe-Festival. Die Fans feiern ihn als besten Old Shatterhand aller Zeiten. (Archivbild)

Schauspieler Kai Noll (rechts) verlässt das Elspe-Festival. Die Fans feiern ihn als besten Old Shatterhand aller Zeiten. (Archivbild)

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Lennestadt -Elspe  Schauspieler Kai Noll verlässt das Elspe-Festival. Die Fans feiern den 55-Jährigen als besten Old Shatterhand aller Zeiten.

Der Old Shatterhand ist das Herz jeder Karl-May-Inszenierung, denn er muss sozusagen dem Winnetou aufs Pferd helfen. Er trägt also große Verantwortung, steht aber immer ein bisschen im Schatten seines Blutsbruders. Das macht die Rolle anspruchsvoll, und Kai Noll kann mit diesen vielfältigen Herausforderungen brillant umgehen. Doch der populäre Darsteller hängt den Henrystutzen jetzt beim Elspe-Festival an den Nagel und will sich neuen Projekten widmen.

Mehr als 200.000 Besucher sehen pro Spielzeit die Abenteuer von Old Shatterhand und Winnetou auf der Naturbühne in Lennestadt-Elspe. Zur Premiere reisen sogar die überregionalen Tageszeitungen an. Elspe ist eine Marke, und wer hier eine Hauptrolle spielt, wird zwangsläufig zum Star. Er wird aber auch sorgfältig von Geschäftsführer und Regisseur Jochen Bludau und seinem Team ausgewählt.

Gigantisches Breitwandformat in Elspe

Denn Old Shatterhand muss das gigantische Breitwandformat in Elspe darstellerisch ausfüllen können. Und er muss den Höhenunterschied von 25 Metern im Laufschritt bewältigen können. All das setzt Professionalität und Kondition voraus. Kai Noll hat alles, was einen Helden von diesem Format ausmacht. Er ist blond und sieht gut aus. Er ist athletisch. Im Sattel macht er eine gute Figur. Und er hat jene Ausstrahlung, bei der die Fans wissen, dass sie einen Künstler feiern.

Der Neffe der Krimiautorin Ingrid Noll beschreibt die Entscheidung auf seiner Facebook-Seite durchaus als zwiespältig. „Ich danke allen von Herzen, die mir das Gefühl gegeben haben, ein guter und echter Old Shatterhand zu sein. Das hat mich stolz und demütig gemacht“, schreibt der Schauspieler in seiner Erklärung. „In diesem Sinne auf die Veränderung, neue Projekte und schöne Erinnerungen.“

Ein Old Shatterhand, so beliebt er auch sein mag, hat allerdings den Nachteil aller Helden. Er ist immer gut. Immer. Es gibt keine Entwicklung und wenig Möglichkeiten, den Charakter zu variieren. Das Publikum hat sehr dezidierte Erwartungen an seinen Scharlih, und würde es nicht verstehen, wenn dieser plötzlich intrigant würde oder fies. Schauspieler hingegen lieben nichts mehr als vielschichtige Figuren.

Strikte Rollenerwartung

Benjamin Armbruster, 24 Jahre lang der gefeierte Winneteou in Elspe und jetzt Co-Regisseur beim Festival, konnte der Rollenerwartung noch etwas entgegensetzen, denn er stand parallel am Schauspiel Bielefeld im Charakterfach auf der Bühne, unter anderem als King Lear. Kai Noll wird hauptsächlich als TV-Schauspieler wahrgenommen. In der RTL-Serie „Unter uns“ feiert das Publikum ihn als Rufus Sturm, eine vielschichtige Figur. Über dem TV-Ruhm vergisst man jedoch gerne, dass Kai Noll auch ausgebildeter Sänger und Musicaldarsteller mit vielen Fähigkeiten ist.

Elspe-Chef Jochen Bludau hat Kai Nolls Abschied vom Festival kommen sehen. „Den Anlass haben auch wir gegeben, weil wir in der kommenden Saison ,Der Ölprinz‘ spielen. Darin ist die männliche Hauptrolle Old Shurehand und nicht Old Shatterhand.“ Stillschweigend habe sich ergeben, dass man getrennte Wege gehe. Die Fans allerdings sind schockiert, traurig und verständnisvoll. Fan Sonja Berkenkopf bezeichnet Kai Noll auf Facebook sogar als den „besten Old Shatterhand aller Zeiten“.

Ehrlich und sympathisch

An diesem Lob stimmt vieles. Der Kölner hat den Old Shatterhand außergewöhnlich gut verkörpert. Aber mit 55 Jahren darf man es einem Schauspieler nicht verdenken, wenn er auch die Abgründe der menschlichen Seele mit seiner Kunst ausloten möchte. Ehrlich und sympathisch verabschiedet sich Kai Noll, ganz so wie sein berühmter Wildwest-Held: „Wenn man nicht mehr voll hinter etwas stehen kann, sollte man es lassen.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben