PCB

PCB in Ennepetal: Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft

In der Nähe des Industriegebiets Oelkinghausen in Ennepetal sind Anwohner in Sorgen.

In der Nähe des Industriegebiets Oelkinghausen in Ennepetal sind Anwohner in Sorgen.

Foto: Hans Blossey / Funke Foto Services

Ennepetal.  Eine Firma in Ennepetal stößt PCB aus. In weißen Flocken landete es in den Gärten. Der Ennepetaler Fall könnte weitreichende Folgen haben.

Am Rand eines Ennepetaler Industriegebietes fürchten Anwohner um ihre Gesundheit: Grund ist der Nachweis von PCB 47 (Polychlorierte Biphenyle). Diesen Stoff, der unter dem Verdacht steht, krebserregend zu sein, stößt eine Firma aus, die Kunststoffschläuche für die Automobil- und Raumfahrtindustrie herstellt. Die Landesarbeitsschutzbehörde erteilte der Firma umgehend Auflagen. Inzwischen wurde der Fall an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Kindern sowie Frauen im gebärfähigen Alter in dem Gebiet bietet der Ennepe-Ruhr-Kreis an, ihr Blut kostenlos untersuchen zu lassen. Etwa 900 Menschen könnten betroffen sein.

Die in dem Silikon verarbeitenden Betrieb entstandenen Emissionen sind ein Novum, wie der Umweltmediziner Professor Thomas Kraus von der Universität Aachen im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt: „Wir messen seit vielen Jahren 18 verschiedene PCB im Blut, PCB 47 war bisher nicht dabei.“

Ennepetaler Fall könnte weitreichende Folgen haben

Eine akute Gefahr für die Bevölkerung sieht der zuständige Ennepe-Ruhr-Kreis zwar nicht: Der Bereich in und um das Industriegebiet darf weiter betreten werden, es darf dort uneingeschränkt gearbeitet oder gespielt werden. Allerdings hat der Kreis auch Zonen eingerichtet, in denen Bürgern empfohlen wird, selbst angebautes Blattgemüse gar nicht oder nur eingeschränkt zu verzehren. Jüngste Messungen des Landesumweltamts hatten an drei Stellen erhöhte PCB-Werte ergeben.

Der Ennepetaler Fall könnte weitreichende Folgen haben. „Derzeit werden potenzielle vergleichbare betriebliche Anlagen in NRW ermittelt“, teilt das Landesumweltministerium mit. Laut Arbeitsschutzbehörde wurde bereits mit Überprüfungen von Firmen begonnen, die mit gleichen Verfahren arbeiten. Auch die anderen Bundesländer seien bereits informiert worden.

In der Folge des Ennepetaler Falls seien auch neue Analysemethoden entwickelt worden, die nun standardmäßig eingesetzt würden, sagt Prof. Kraus. Generell gelte PCB als krebserregend, wenn bestimmte Grenzwerte überschritten werden. Die genauen gesundheitlichen Folgen von PCB 47 seien aber noch nicht bekannt: „Wir planen dazu derzeit ein Forschungsvorhaben, um diese PCB toxikologisch bewerten zu können“, sagte Kraus.

Seit Mitte der 90er Jahre produziert das Ennepetaler Unternehmen nach dem Verfahren, bei dem – ohne dass dies bisher bekannt gewesen sei – PCB entstehen kann. Die Firma kündigte an, die Produktion umstellen und in Zukunft die Produkte ohne Chlor herstellen zu wollen, so dass PCB nicht entstehen könne. Allerdings dauere dies sicher Monate.

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