Skeleton

Was Jacqueline Lölling ausgerechnet in Winterberg noch fehlt

Gefragte Gesprächspartnerin: Jacqueline Lölling.

Gefragte Gesprächspartnerin: Jacqueline Lölling.

Winterberg.   Skeleton-Ass Jacqueline Lölling hat an diesem Freitag mehr im Sinn als einen weiteren zweiten Weltcup-Platz auf ihrer Winterberger Heimbahn.

So ergeht es Jacqueline Lölling während des Trainings fast an jeder Ecke der Veltins-EisArena in Winterberg. Denn hier ist sie auch die amtierende Weltmeisterin und Gesamtweltcup-Siegerin, aber in erster Linie „die Jacka“, wahlweise „unsere Jacka“. Also fragt der eine ehrenamtliche Helfer, wie es denn ihren Eltern gehe. Der andere freut sich ebenfalls, die 22-Jährige mal wiederzusehen, und weil man sich vertraut ist, endet die kurze Unterhaltung mit dem Hinweis, dass er ja schon älter sei und das eine oder andere Wehwehchen deshalb nicht ausbleibe.

Jacqueline Lölling genießt diese Momente. Das ist nicht nur zu sehen, das sagt sie auch. Weltmeister-Titel hin, Gesamtweltcup-Sieg her – die Siegerländerin, die für die in Olsberg beheimatete RSG Hochsauerland startet, weiß, wo sie herkommt und wo alles begann. Auch deshalb würde sie an diesem Freitag ab 10 Uhr ein ganz besonderes Ziel gerne erreichen.

Zweimal startete sie bislang bei einem Weltcuprennen in Winterberg. Zweimal raste die Skeleton-Pilotin auf den zweiten Platz. Einmal hinter Tina Hermann, einmal hinter Elisabeth Vathje. Ein Heimsieg im Hochsauerland – er fehlt Jacqueline Lölling noch. „Der Sieg wäre natürlich schön“, sagt Lölling im Gespräch mit dieser Zeitung, um zu ergänzen: „Mein Ziel ist, auf das Podest zu fahren. Aber bereits das wird sehr schwierig hier.“

Lölling kennt den Eiskanal an der Kappe eben. Sie weiß, dass sie ihn mit ihrem überragenden Fahrgefühl schneller als jede Konkurrentin herunter rasen kann. Sie weiß aber auch, dass die Bahn in Winterberg eine so genannte Starterbahn ist. Kurzum: Wer gut startet und sich unterwegs keinen schweren Patzer leistet, wird auch gut platziert sein.

Die Akkus sind aufgeladen

Und der Start – ist Löllings Schwachstelle. „Ich habe mich athletisch verbessert“, sagt sie, „aber meine Konkurrentinnen auch.“

Vor der Weltcup-Saison knackte die Brachbacherin mit 4,99 Sekunden sogar zum ersten Mal die von Chef-Bundestrainer Jens Müller geforderte Startnorm für den Weltcup. Ein Meilenstein. „Es ist aber leider nicht so, dass es bei uns jeden Monat um ein Zehntel vorwärts geht“, sagt Lölling. „Deswegen muss ich weiter hart arbeiten.“

Das tat sie in der Zeit nach der Rückkehr von der Nordamerika-Tour zum Weltcup-Auftakt gemeinsam mit ihrer Trainerin Kathi Wichterle. Jetzt sind die Akkus wieder aufgeladen und Lölling will in
Winterberg angreifen.

Zumal sie als Führende im Gesamtweltcup und mit der erfüllten Norm für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang im Februar aus Übersee zurückkehrte. „Nach Lake Placid habe ich echt gehadert“, erzählt sie. Immer wieder habe sie den identischen Fehler gemacht. Im Training, im Wettkampf – Rang acht war die Quittung. Doch es folgten Platz drei in Park City und der erlösende Sieg in Whistler.

Auf der Suche nach Erklärungen

„Wir hatten vor dieser Saison so wenig Trainingsfahrten wie noch nie“, sagt die Siegerländerin auf der Suche nach Erklärungen für den schwachen Saisonstart. „Und man lernt es eben nur durchs Fahren.“ Selbst für sie gelte dies. Die Erfolge der Vergangenheit und die Tatsache, dass sie neben ihrer Teamkollegin Tina Hermann als heiße Kandidatin auf olympisches Gold in Südkorea gilt, helfen auf dem Schlitten eben nicht.

„Jetzt läuft es“, sagt Jacqueline Lölling. Als ob sie ihre Worte bestätigen müsste, dominiert sie das Abschlusstraining am Donnerstag. Obwohl am Start viele Konkurrentinnen deutlich schneller sind, rast Lölling mit der Bestzeit durch das Ziel. Sehr zur Freude der ehrenamtlichen Helfer des ausrichtenden BSC Winterberg übrigens. Ihre Fans aus dem Siegerland und dem Hochsauerland werden erst an diesem Freitag in großer Zahl an der Kappe erwartet. Wie gerne würden sie mit „der Jacka“ nach dem Rennen über nur ein Thema plaudern: den ersten Heimsieg.

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